Noch im Herbst kandidierte Michael Merkli – damals noch Präsident der BDP-Bezirkspartei – für den Wettinger Gemeinderat und für den Grossen Rat. Nun ist er als Präsident zurück- und aus der Partei ausgetreten. Er ist nicht der Einziege: Auch Bernhard Blaser, der im Herbst ebenfalls für den Grossen Rat kandidierte, gab zu Wochenbeginn seinen Rücktritt aus der Partei bekannt. «Ich habe mir den Schritt gut überlegt und bin zum Schluss gekommen, dass die BDP Aargau für mich nicht mehr das Richtige ist», sagt Blaser. Er wolle nicht ins Detail gehen, aber die Enttäuschung nach den Grossratswahlen sei gross, nicht zuletzt wegen der fehlenden Unterstützung. Auch in der Bezirkspartei Baden habe er sich nicht mehr wohl gefühlt. «Es wurde zu sehr auf persönlicher Ebene diskutiert, statt nüchterne Sachpolitik zu betreiben.» Für die Einbürgerungskommission Wettingen, in welcher Blaser Mitglied ist, wird er nicht mehr kandidieren.

Merkli seinerseits kritisiert die BDP Aargau in einem Schreiben mit dem Titel «Austritt per sofort aus der BDP und Rücktritt als Präsident der Bezirkspartei Baden!»: Die Partei habe keine Zukunft mehr. «Seit den Grossratswahlen 2016 ist die BDP Aargau orientierungslos.» Merkli stört sich zudem daran, dass seine ehemalige Partei im vergangenen Jahr sämtliche Bezirksparteien auflöste, mit Ausnahme jener im Bezirk Baden. «Ich habe versucht, unsere Bezirkspartei zu retten.» Ob sie nun, da Merkli ausgetreten ist, ebenfalls aufgelöst wird, werden die verbleibenden rund 30 Mitglieder an ihrer Generalversammlung entscheiden.

Dass Merkli aus der Partei austritt, liegt nicht alleine an der «Orientierungslosigkeit» der BDP, wie er einräumt: «Es gab einzelne Mitglieder, die mir nahelegten, auszutreten, weil ich nicht immer mit der Parteimeinung übereinstimme.» Er habe immer seine eigene Meinung vertreten. «Diese ist deutlich liberaler als jene der BDP», sagt Merkli.

Neuer Verein, neue Fraktion

Merkli, der seit 2014 im Wettinger Einwohnerrat ist, wird sich ungeachtet seines Austritts aus der Partei bei den Gesamterneuerungswahlen zur Wiederwahl als Einwohnerrat stellen. «Ob ich nochmals für den Gemeinderat kandidiere, kann ich derzeit noch nicht sagen.» Sicher ist hingegen, dass die BDP-Fraktion mit ihren zwei Sitzen im Einwohnerrat aufgelöst, beziehungsweise neu gegründet wird. Merkli will gemeinsam mit anderen interessierten Politikern den politischen Verein «Freie Wähler Wettingen» gründen und mit der BDP eine Fraktion im Einwohnerrat bilden.

«Wir werden keine Partei im klassischen Sinne sein, sondern lediglich gewisse Grundpfeiler festlegen», sagt Merkli. Die «Freien Wähler» gibt es bereits vereinzelt in anderen Gemeinden der Schweiz. So beispielsweise in Schafisheim, wo sie auch im Gemeinderat vertreten sind. In Münsingen im Kanton Bern sind die «Freien Wähler» mit Gemeinderätin Marianne Mägert in der Exekutive und mit zwei Sitzen im Gemeindeparlament vertreten.

«In Wettingen befinden wir uns in der Gründungsphase und suchen noch Mitglieder», sagt Merkli. Derzeit gebe es erst fünf Personen, die beim Verein mitmachen wollen. Namen wolle er keine nennen. «Die betreffenden Personen werden sich zu gegebener Zeit selber melden.» Zudem stehe man auch noch ganz am Anfang und beginne erst mit der Suche nach Mitgliedern, sagt Merkli.

Die «Freien Wähler» positionieren sich nicht auf der gängigen Links-Mitte-Rechts-Achse der Parteienlandschaft. «Wir wollen in erster Linie Sachpolitik für die Gemeinde betreiben und uns dabei nicht von übergeordneten Parteipositionen beeinflussen lassen», erklärt Merkli. Entsprechend sei es beispielsweise innerhalb einer Fraktion möglich, verschiedener Meinung zu sein, im Gegensatz zu anderen Fraktionen, wo man gezwungen sei, die gleiche Meinung zu vertreten.

Für Bernhard Blaser ist eine andere Partei momentan keine Option, auch nicht die «Freien Wähler». Er wolle zuerst schauen, wie und in welche Richtung sich der Verein entwickelt.