Ist das nun die Antwort auf Uber – den Onlinevermittlungsdienst für Taxidienste, für den heute laut eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Fahrer in mehr als 500 Städten fahren? Die Rede ist von der neuen App «go!», welche die Badener Taxi AG gemeinsam mit den «7x7 Fahrdienste» in Zürich und der Wielandbus AG in Fribourg lanciert hat. «Die Idee einer App haben wir schon lange verfolgt. Natürlich wollen wir mit dieser App dem Fahrdienst Uber die Stirn bieten», sagt Roland Wunderli, Chef der Badener Taxi AG. Vor allem die Dienstleistung «UberPop» ist den Taxiunternehmen ein Dorn im Auge, weil sie private Fahrer an beförderungswillige Kunden vermittelt. Mit «go!» will die Badener Taxi AG jetzt dagegen halten. Roland Wunderli ist stolz, zusammen mit den Partnern die erste Taxi-App in der Schweiz lanciert zu haben.

Und so funktioniert diese: Nachdem man diese heruntergeladen hat (auf iOS- und Android-Betriebssystem möglich), registriert man sich als erstes und hinterlegt sein Zahlungsmittel. Wenn man nun ein Taxi bestellen will, öffnet man die App, die immer den aktuellen Standort angibt. Ist das Ziel eingegeben, kann man den Fahrzeugtyp auswählen, worauf der Fixpreis angeben wird. Ist der Kunde einverstanden, drückt er auf «go» und die drei nächsten freien Taxifahrer erhalten eine Meldung. «Jedoch sieht der Fahrer noch nicht, wohin die Fahrt geht», so Wunderli. Sobald ein Chauffeur die Fahrt annimmt, erhält der Kunde eine Meldung, wann das Taxi bei ihm eintreffen wird. Drückt der Kunde nochmals auf «go», ist das Taxi bestellt.

Trifft das Taxi am bestellten Ort ein, erhält der Kunde ebenfalls eine Meldung. Beglichen wird die Taxirechnung nicht mit Bargeld, sondern mit dem auf der App hinterlegten Zahlungsmittel. «Der Fixpreis hat für den Kunden den Vorteil, dass er auch dann nicht mehr bezahlen muss, wenn das Taxi in einen Stau gerät und dadurch Zeit verliert», erklärt Wunderli. Trotz bargeldlosem Zahlen – die Preise würden bleiben übrigens unverändert – sollten die Chauffeure beim für sie wichtigen Trinkgeld nicht leer ausgehen. Schon während der Fahrt fragt das App den Kunden an, ob er null, drei, fünf, sieben oder zehn Franken Trinkgeld geben will – welches dann ebenfalls über die App abgerechnet wird. «Selbstverständlich ist es dem Kunden unbenommen, das Trinkgeld wie bis anhin in bar zu bezahlen», sagt Wunderli. Nach der Fahrt kann der Kunde die Fahrt und somit den Chauffeur bewerten.

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Anbindung an SBB vorgesehen

Mit der App seien auch Vorbestellungen und Reservierungen möglich. Und vor allem: Die App ist eine vernetzte Plattform, die sich in andere Angebote integrieren lässt. «Mit der App kann man die Reise quasi vom ersten bis zum letzten Kilometer planen», so Wunderli. Denn die Taxibranche müsse sich vermehrt als Teil der gesamten Mobilitätskette verstehen und nicht als Konkurrent anderer Beförderungsdienste. «Zusammen mit den SBB bereiten wir im Moment die Anbindung unserer Taxi-Plattform an den SBB-Reiseplaner vor», erklärt Wunderli. Dass SBB-Chef Andreas Meyer ausgerechnet diese Woche angekündigt hat, auch der Fahrdienst Uber solle in den SBB-Reisplaner integriert werden, stösst Wunderli sauer auf.

«Uber ist ein riesen Ärgernis für uns Taxiunternehmen, weil sehr viele Fahrer für Uber im Einsatz sind, die nicht über die nötige Fahrlizenz verfügen.» Tatsächlich sind in Zürich und Lausanne laut Recherchen von «10 vor 10» in den letzten zwei Jahren über 500 Anzeigen eingegangen, weil die Fahrer ohne notwendige Bewilligung unterwegs waren. «Dass der Staatsbetrieb nun mit einem solchen Unternehmen zusammenspannt und uns Taxiunternehmen das Leben weiter erschwert, finde ich doch grenzwertig», stellt Roland Wunderli klar.

Bereits jetzt kann man die App herunterladen. Ab Januar 2017 ist sie beziehungsweise die Taxiunternehmen bereit, Fahrtenbestellungen über die App abzuwickeln. Wichtig: Die Taxizentrale der Badener Taxi AG ist trotz App weiterhin rund um die Uhr erreichbar (056 222 55 55). «Wir gehen aufgrund von Tests in der Stadt Zürich davon aus, dass am Anfang nur rund zehn Prozent der Taxibestellungen über das App laufen», sagt Wunderli.
Ziel sei es, in den nächsten Jahren weitere Partner an Bord zu holen und somit in weitere Regionen vorzustossen. «Wir glauben an das Potenzial der App und wollen mit dieser neue, vor allle auch jüngere Kunden gewinnen», so Wunderli.