Kulturlokal

Diese Maturandin verschafft dem «Royal» einen Ehrenplatz

Anina Riniker vor ihrem Lieblingslokal, dem «Royal» in Baden. Alex Spichale

Anina Riniker vor ihrem Lieblingslokal, dem «Royal» in Baden. Alex Spichale

Das Badener Kulturlokal «Royal» soll für immer geschlossen werden. Maturandin Anina Riniker hat nun ein Buch über Zwischennutzungen geschrieben – unter anderem zum «Royal», dem ehemaligen Kino.

Die Nachricht, dass das Kulturlokal «Royal» bis spätestens Mitte 2016 geschlossen werden soll, sorgte bei den Betreibern und Besuchern für Emotionen. Das Komitee zur Erhaltung des Kulturbetriebs im ehemaligen Kino Royal hat schon 5000 Unterschriften für eine Petition beieinander (die az berichtete).

Nun bekommt das «Royal» in der Maturaarbeit von Anina Riniker einen Ehrenplatz: Für ihr Porträtbuch «Zwischen Nutzung und Nutzern» nahm sie sich zum Ziel, die Bevölkerung in Bezug auf Zwischennutzungen zu sensibilisieren. Eine solche ist zum Beispiel das Royal: ursprünglich ein Kino, ist es heute bereits seit mehr als drei Jahren ein beliebtes Kulturlokal.

Die 20-jährige erklärt: «Ich habe ein Porträtbuch gestaltet, dass die Betreiber und Künstler, die im «Royal» auftreten, zur Sprache kommen lässt.» In der Fachliteratur würde hauptsächlich von theoretischen Aspekten wie Architektur, Ökonomie und Recht die Rede sein. Riniker dagegen zeigt in ihrer Maturaarbeit die Sicht der Zwischennutzer auf.

Dafür beschreibt sie als Erstes den Werdegang des «Royal»; von der französischen Bauherrin und Kinopionierin Marie Antoine, deren Verdienst die Auflösung des Kinoverbots in Baden und die Eröffnung des «Royal» 1913 als «Cinéma Radium» war, über die Schliessung des Kinos (2008) bis zum heutigen Kulturbetrieb.

Anschliessend kommt der Betreiber des «Royal» Marc Angst zu Wort: «Ich wünsche mir in erster Linie, dass sich die Öffentlichkeit bewusst wird, was hier dahinter steckt, wie viele Leute mit Herzblut und Liebe zum Kino gratis arbeiten.» Weiter interviewt Riniker Veranstalter des «Royal» wie Baiba Bondare, Künstler wie Pamplona Grup und die Gründungsmitglieder Andi Hofmann und Jessica Baldinger.

Ein Stück Kultur geht verloren

Riniker ist bestürzt über das bevorstehende Ende des Kulturbetriebs: «Mir ist aufgrund meiner Maturaarbeit natürlich bewusst, dass Zwischennutzungen enden.» Beim «Royal» fände sie es aber extrem schade: «Ein Stück der Kulturstadt geht damit verloren. Das «Royal» ist eine Nische für die kreative und alternative Szene, die als solche die Identität der Stadt Baden prägt.»

Um das «Royal» zu retten, unterstützt die Schülerin der Kanti Wettingen das Komitee zur Erhaltung des Kulturbetriebs, indem sie die Petition auf Social Media Portalen teilt. Auch ihr Buch trägt seinen Teil dazu bei: Pünktlich zum dritten Geburtstag des Kulturlokals am 28. Oktober erschien es und ist jetzt online einsehbar.

Marc Angst beschreibt die Maturaarbeit der Schülerin als «Liebeserklärung ans Royal». Auch von Fremden erhält Riniker positive Rückmeldungen für ihr Porträtbuch. «Ich hoffe sehr, dass das «Royal» als Kulturlokal und längerfristig auch als Gebäude noch gerettet werden kann», sagt sie. «Das «Royal» ist einer der wenigen Orte in Baden, wo ich gerne in den Ausgang gehe. Die Durchmischung der Altersgruppen macht das Kulturlokal einzigartig.»

Mit Mäkeln umgehen können

Anina Riniker porträtiert aber noch eine zweite Zwischennutzung und deren Akteure; diejenige des Neubads Luzern. Dieses diente früher als Hallenbad und wird heute für Konzerte, als Bistro und Büro genutzt. Insgesamt stellt sie 22 direkte und indirekte Zwischennutzer des «Royal» Baden und des Neubads Luzern vor.

Mit ihrer Maturaarbeit möchte Riniker auch Start-up-Unternehmen die Idee näherbringen, in einer Zwischennutzung zu arbeiten. «Als Zwischennutzer kann man seine Kreativität entfalten. Die Mietpreise sind meistens günstig, da die Gebäude oder Areale ja ursprünglich für einen anderen Zweck gedacht waren. Man muss halt damit rechnen, dass beispielsweise die Infrastruktur nicht perfekt ist und als Nutzer damit umgehen können», sagt sie.

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