Birmenstorf

Diese Frauen schrieben Geschichte

Am Podiumsabend zur Dorfchronik erzählten Zeitzeuginnen aus ihrem Leben

«Ich muss als erstes ein dunkles Kapitel in der Birmenstorfer Geschichte aufschlagen.» Mit diesen Worten eröffnet Corinne Rufli, Historikerin, Journalistin und Mitautorin der neuen Dorf-Chronik den Podiumsabend in der Turnhalle Träff in Birmenstorf. «1971, bei der Abstimmung zur Einführung des Frauenstimmrechts, legten die Birmenstorfer Männer mehrheitlich ein Nein in die Urne. Bundesweit wurde das Frauenstimmrecht jedoch angenommen. «Ob heute vielleicht ein Nein-Sager hier weilt?», warf sie die Frage mit einem Augenzwinkern ins Publikum. Gemeldet hat sich niemand. Zum Thema als solches haben sich jedoch zwei Birmenstorferinnen geäussert – Bernadette Würth-Füglister (75) und Vreni Tschümmy (80). Die Zeitzeuginnen wurden als Podiumsgäste eingeladen. «Als ich mein erstes Stimmkuvert in Händen hielt, fragte mich mein Mann Ernst ‹soll ich dir helfen?› Worauf ich antwortete: Ich kann lesen», sagte Vreni Tschümmy lachend. Auch Bernadette Würth verzichtete auf männliche Unterstützung. «Wenn mir etwas nicht klar war, machte ich einfach einen Strich durch das Ganze.»

Ein Bauerndorf wird modern

Mit den beiden Zeitzeuginnen rollte Rufli die bewegte Geschichte vom kleinbäuerlichen Dorf bis hin zur modernen Gemeinde auf. Die Bäuerinnen waren wichtige Stützen für die Männer, die neben der Landwirtschaft meist noch einem Nebenerwerb nachgingen. Lange und harte Arbeitstage prägten das Leben der Frauen. Als Marktfahrerinnen besserten sie das Familienbudget auf und besorgten nebenbei noch die Arbeit in den Reben. Wie sich das Verhältnis der Geschlechter wandelte, wurde ebenfalls beleuchtet. Beide Seniorinnen betonten zum Schluss, dass sie ihr Leben sinnvoll verbracht hätten und es wieder so leben würden.

Ziel dieses Abends sei, alte Geschichten aufleben zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen, sagte Rufli. Früher sei man zusammen auf die Ofenbank gesessen, habe gemütlich miteinander geplaudert. Heute präge die digitale Welt die Kommunikation. Als Grundlage für den dorfgeschichtlichen Abend diente die neue Dorfchronik «Birmenstorf im 20. Jahrhundert – Ganz nöch a der Rüüss a me sunnige Rai». Corinne Rufli als Mitautorin zeichnet für das Kapitel «Frauen, die Stützen der Gesellschaft» verantwortlich.

Wo man auch nachfragte, der äusserst gut besuchte Anlass machte Freude. «Alte Geschichten zu hören, ist einfach spannend», betonte denn auch die Besucherin Berta Bopp. Sie lebt seit 1956 in Birmenstorf.

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