Durch ein schmiedeeisernes Gartentor führt der Weg direkt ins Haus der Familie Wiederkehr an der Staffelstrasse. In ihrem Keller entstehen vom filigranen Wandschmuck über Figuren aller Art bis zum Deckel fürs Marmeladenglas, alles – und zwar aus Beton. «Sieda» heisst die Firma von Simone Widerkehr und Daniela Hirschi. «Beton kann man für viel mehr als nur als Baumaterial brauchen», sagt Hirschi mit einem herzlichen Lächeln. Die beiden 37-jährigen Frauen in den identischen blauen Kleidern könnten Schwestern sein. Doch weit gefehlt, verwandt sind sie nicht – nur gute Freundinnen und Geschäftspartnerinnen.

Vor fünf Jahren haben die beiden ein verbindendes Hobby gesucht: In der kunstvollen Verarbeitung von Beton wurden sie fündig. Seither hat das graue Material die Frauen nicht mehr losgelassen. Immer einmal im Monat verkaufen die beiden im Haus von Simone Wiederkehr ihre Betonkunstwerke. Während anfangs noch das Bügelbrett ausreichte, verwandelt sich inzwischen das ganze Erdgeschoss in ein Ladenlokal. «Dann muss meine Familie für einige Stunden ausziehen», sagt Wiederkehr. Es mache Spass, doch weitergehen könne das so nicht mehr. Denn die Kundschaft überrennt die «Sieda»-Frauen regelrecht.

Manchmal stehen Leute vor meinem Haus, obwohl der Laden gar nicht offen hat.» Es werde Zeit, dass die Firma ein externes Ladenlokal finde. Dabei suchen die Freundinnen nicht nach einer herkömmlichen Fläche: «Wir wollen etwas Alternatives, wie ein altes Gebäude oder einen Stall – das wäre das Richtige für uns», erklärt Hirschi. Denn das Wohlfühlambiente müsse unbedingt bestehen bleiben: «Viele bleiben gerne auch mal länger für eine Tasse Kaffee.» Auch darf die Miete nicht zu hoch sein.

Simone Wiederkehr und Daniela Hirschi zeigen wie bei «Sieda» aus Beton Kunst wird.

Betonfiguren aus dem Gefängnis

Zwar macht das Betongeschäft inzwischen rund 100'000 Franken Umsatz im Jahr, doch viel Gewinn bleibt nicht. «Wir wollen das Ganze auch nicht des Geldes wegen machen», so Wiederkehr. Ihre Kunst solle für alle erschwinglich bleiben. So kostet bei «Sieda» nichts über 100 Franken. Hinzu kommt, dass die Frauen die Arbeit, aufgrund der hohen Anfrage, outsourcen mussten. So wird der Beton im Gefängnis Lenzburg von Häftlingen gegossen. «Am Anfang war das schon speziell, wir müssen die Teile nämlich jede Woche selber holen», sagt Wiederkehr und blickt Hirschi an. Diese fügt mit einem breiten Schmunzeln an: «Unterdessen ist das ganze Verfahren total normal, die kennen uns auch alle schon.» Auch das Bemalen übernimmt unterdessen eine Gruppe von Studenten, Hausfrauen und Senioren. Diese werden pro Stück bezahlt. Doch ganz lassen sich die beiden Powerfrauen ihr Hobby nicht nehmen. Wann immer es geht, bemalen die beiden weiterhin Betonfiguren.

Von der Busfahrt zu Freundschaft

Kennen gelernt haben sich die beiden Freundinnen vor rund zehn Jahren in einem Bus. «Uns wurde der letzte leere Platz angeboten und wir konnten beide nicht absitzen, weil unsere Babys angefangen hätten zu schreien», sagt Wiederkehr und beginnt zu lachen. Dabei verband die Frauen weitaus mehr als das Verhalten ihrer Kinder: Schnell entwickelte sich eine innige Freundschaft. Heute haben beide jeweils zwei Kinder im selben Alter, sind gelernte Pädagoginnen und können nicht gut stillsitzen. Doch ganz gleich sind die beiden Freundinnen dann doch nicht: Während Wiederkehr verwurzelte Wettingerin ist, hat Hirschi schon überall in der Schweiz gelebt. Seit einer Weile lebt sie in Birmenstorf.

Beim eigenen Ladenlokal endet der Traum der beiden Frauen noch lange nicht: «In ein paar Jahren würden wir gerne unser eigenes Café mit ‹Sieda›-Produkten und richtig gutem Kaffee in Baden eröffnen können.»