Nussbaumen

Aargauer Forscherin bekämpft Krebs mit radioaktiver Folsäure

Die Aargauer Forscherin Christina Müller erhält für ihre Krebsforschung einen Nachwuchsförderpreis.

Die Aargauer Forscherin Christina Müller erhält für ihre Krebsforschung einen Nachwuchsförderpreis.

Cristina Müller aus Nussbaumen erhält den Ruzicka-Preis für eine bahnbrechende Methode in der Krebsdiagnose und -therapie. Die 39-jährige Pharmazeutin mit Doktortitel nutzt dafür einen ganz normalen biochemischen Vorgang.

Seit 1957 gilt der Ruzicka-Preis als einer der wichtigsten Nachwuchsförderungspreise in der Chemie für junge Forscherinnen und Forscher in der Schweiz. Die in Nussbaumen wohnhafte Cristina Müller ist nach der Solothurnerin Ursula Röthlisberger erst die zweite Frau, die nun damit ausgezeichnet wurde.

Radioaktive Teile gegen Krebs

Cristina Müller hat ihr Leben der Forschung verschrieben. «Viel Platz für anderes bleibt daneben nicht», sagt die Pharmazeutin mit Doktortitel bestimmt. Sie ist Gruppenleiterin am Zentrum für Radiopharmazeutische Wissenschaften des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) und Mitarbeiterin der ETH. Die 39-Jährige trägt die Verantwortung für mehrere Doktoranden und Postdocs sowie Techniker und Lehrlinge.

«Forschungspublikationen und Forschungsanträge schreibe ich oft am Abend zu Hause», erklärt sie und findet das selbstverständlich. In intensiver Arbeit entstand auch ihre Doktorarbeit über Folsäure, die als Transportmittel verwendet wird, um besser an krebsbefallene Zellen heranzukommen. Zusammen mit einem Team von Chemikern, Biologen und Pharmazeuten forschte sie dafür zehn Jahre lang.

«Tumore teilen sich schneller als normales Gewebe. Für diesen Prozess beziehen sie vom Körper grosse Mengen an Folsäure», beschreibt Cristina Müller einen an und für sich ganz normalen biochemischen Vorgang. Dann kommt sie zum springenden Punkt: «Wir nutzen diese Tatsache aus und schleusen Folsäure-Moleküle intravenös in den Körper ein, die mit einem radioaktiv strahlenden Nuklid verbunden sind.» Weil Tumore diese Molekül-Nuklid-Verbindung aufnehmen, können sie von Aussen mittels spezieller Kameras sichtbar gemacht werden. Das gleiche Prinzip wurde von Müller auch für therapeutische Anwendungen untersucht. In diesem Fall verbindet man das Folsäure-Molekül mit einem anderen Nuklid, dessen Strahlung das Krebsgewebe zerstört. Ein wesentlicher Teil der Innovation war die Herstellung von neuen Nukliden am PSI.

Wie geht es weiter?

Zurzeit testen Cristina Müller und ihr Team die neuen bildgebenden und therapeutischen Methoden gegen Krebs an Mäusen, welche ähnliche Oberflächenproteine bilden wie der Mensch. «Die Resultate sind vielversprechend und wir streben einen baldigen Pilotversuch am Patienten an», freut Cristina Müller sich. Der Ruzicka-Preis ist für die 39-jährige Aargauerin eine schöne Würdigung ihres jahrelangen Engagements in der Krebsforschung. Wirklich wichtig ist ihr aber nur die Sache an sich. Die Wissenschafterin erläutert: «Es braucht bei meiner Arbeit viel Ausdauer, Geduld, Beharrlichkeit und eine hohe Frustrationsgrenze, um Resultate zu erzielen, die im Hinblick auf die Klinik relevant sind.»

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