Baden

Die Tage des «Kappelerhofs» sind gezählt – der Traditionsbetrieb weicht einer grossen Überbauung

Die Zeiten der Restauration und Hotellerie im «Kappelerhof» beziehungsweise «La Cappella» sind vorüber. Alex Spichale

Die Zeiten der Restauration und Hotellerie im «Kappelerhof» beziehungsweise «La Cappella» sind vorüber. Alex Spichale

Das Hotel und Restaurant Kappelerhof wird einer Überbauung mit rund 60 Wohnungen weichen. Der Bau soll behindertengerecht werden, sodass ein Teil als Alterswohnungen konzipiert werden kann.

Die Projektierung einer Neuüberbauung auf dem Areal des Hotel-Restaurants Kappelerhof in Baden läuft bereits. Die Tinoph AG, ab Juli neue Besitzerin des gesamten Areals, will zügig vorangehen. «Wir planen eine Wohnüberbauung mit etwa 60 Wohnungen», sagt Unternehmer und Firmenchef Christoph Schoop.

Der Bau soll behindertengerecht werden, sodass ein Teil als Alterswohnungen konzipiert werden kann. Ausserdem seien Mikro-Wohnungen geplant, das heisst Kleinwohnungen, die für kürzere oder mittlere Dauer an Arbeitskräfte aus der Industrie vermietet werden können. Energetisch soll es ein ganz spezielles Gebäude werden. «Der Bau wird energetisch autark, das heisst Selbstversorger sein, sodass er nicht an ein Elektrizitätsnetz angeschlossen werden muss», verrät Schoop. Der Energiebezug soll mit mehreren Trägern gesichert werden, unter anderem Photovoltaik, Erdsonden sowie einem mit Methanol betriebenem Blockheizkraftwerk.

Dass damit eine lange Restaurant- und Hoteltradition im Badener Kappelerhofquartier endet, bedauert Schoop einerseits, andererseits sieht er mit Blick in die Zukunft für einen erfolgreichen Gastrobetrieb im Quartier wenig Chancen. Auch der Abbruch des Gebäudes sei unumgänglich. Die Bausubstanz ist nicht mehr zeitgemäss, und für eine Sanierung müsste ein unverhältnismässig grosser Aufwand betrieben werden. Zudem sei die Parzelle unternutzt, erklärt Schoop und verweist auf den grossen Parkplatz und die Garagen entlang der Bruggerstrasse hin, die in dieser Form nicht mehr zeitgemäss seien.

Mit der Projektierung wurde das Aarauer Büro Frei Architekten beauftragt, das in Baden schon verschiedentlich aktiv gewesen ist und auch am Hochhauskonzept zusammen mit dem Basler Büro Diener und Diener beteiligt war. «Wir möchten spätestens im 2019 mit dem Bau starten können», sagt Christoph Schoop. Bis zum geplanten Abbruch werden die Zimmer im Hotel weiterhin vermietet. Die gesamte Investitionssumme dürfte sich um rund 30 Millionen Franken bewegen.

Haus mit bewegter Geschichte

Das Restaurant La Cappella, das vor kurzem die Türen geschlossen hat, wird nicht mehr in Betrieb gehen. Damit hat auch für die Gebrüder Rexhaj eine Ära geendet. Toni Rexhaj spricht beim Abschied nach 13 Jahren im «La Cappella» von einem lachenden und einem weinenden Auge: «Wir hatten eine intensive und schöne Zeit, in der wir viele Freundschaften schliessen durften», so Rexhaj.

Über Jahre hinweg haben die beiden Brüder, Bürger von Wettingen, ihr Gäste, darunter viele Stammgäste mit wechselnden Spezialitäten verwöhnt. «Dafür danken wir allen, die bei uns zu Gast waren. Doch nun beginnt auch für uns ein neuer Lebensabschnitt mit neuer Leidenschaft», fügt Rexhaj an. Sie würden in der Region bleiben und hätten ein anderes Projekt, über das er noch nicht mehr verraten wollte.

Das Hotel-Restaurant Kappelerhof hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der Blütezeit des Badener Wohnquartiers Kappelerhof hielt sich auch der auf dem Areal des einstigen grössten Bauernhofs im Quartier erstellte Gastrobetrieb bestens. Die Minigolf-Anlage, Restaurant und eine Bar erfreuten sich regen Besuchs. Doch die Zeiten verschlechterten sich in den 90er-Jahren, zumindest für die Besitzerin. Trotz mehrerer Wirtewechsel hielt sich das Restaurant noch über Wasser, doch dann ging die Hotel Kappelerhof AG als Besitzerin in Konkurs.

Beim Neuanfang unter dem neuen Eigentümer stiegen im Jahr 2004 die Gebrüder Rexhaj ein. Sie bauten mit viel Leidenschaft die Quartierbeiz neu auf und machten diese auch als beliebtes Speiselokal bekannt. Im Jahre 2007 kauften die beiden dann die Liegenschaft. Das Lokal wurde in «La Cappella» umgetauft.

Im Jahr 2007 machte das «La Cappella» mit einer Schreckensnachricht von sich hören, als ein Amokschütze auf dem Parkplatz und im Lokal selber wild um sich schoss und dabei einen Menschen tötete und mehrere verletzte.

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