Ein Spätnovemberabend in Würenlos. Es ist stechend kalt und nass, der Wind pfeift uns ungemütlich um die Ohren. Äussere Bedingungen, die einen eigentlich in die wohlige Wärme des heimischen Wohnzimmers locken. Ganz anderer Meinung sind da jedoch die anwesenden jungen Damen auf dem Würenloser Sportplatz. Unerschrocken jagen sie dem ovalen Lederball hinterher und werfen sich auf den schlammigen, aufgeweichten Rasen. Das alles aus gutem Grund: Schliesslich sind die Frauen leidenschaftliche Rugbyspielerinnen.

Die Damen des Rugby Club Würenlos beim Training

Rugby – ein Sport, der in der Regel Assoziationen von bärtigen Muskelprotzen und knallharten Tacklings weckt. Dass Rugby ein reiner Männersport ist, sei aber ein Trugschluss, wie Trainer Cor de Wit verrät: «Der Vorteil beim Rugby ist, dass auf jeder Position verschiedene Arten von Körpern gebraucht werden. Die Vorurteile, dass man nur als Mann und mit gewissen körperlichen Voraussetzungen spielen kann, stimmen nicht.»

Der 29-jährige gebürtige Südafrikaner de Wit, den alle nur Cory nennen, ist schon lange Teil des lokalen Rugby-Männerteams. Antworten gibt er in fliessendem Schweizerdeutsch, für Anweisungen im Training aber wechselt er nicht selten in seine Muttersprache. Seit Mitte Jahr trainiert der Rugby-Veteran die neugegründete Frauenmannschaft des Vereins. Wie kam es dazu, ein Team für die Frauen ins Leben zu rufen? «Jana Landolt, eine unserer Spielerinnen, hat bis 2016 in der Juniorenabteilung bei den Männern mitgespielt. Weil man als Frau aber nur bis 18 Jahre dabei sein kann, stand sie ohne Mannschaft da», sagt de Wit. Darauf sei sie an das Männerteam des Rugbyclubs herangetreten, um die Möglichkeiten einer Frauenmannschaft auszuloten. Für de Wit eine vielversprechende Idee. «Ich stellte mich schnell als Trainer zur Verfügung, sah es als neue Herausforderung. Ich habe Jana aber klar gemacht, dass es an ihr liegt, zusätzliche Spielerinnen ins Boot zu holen.»

Eiserner Wille und ehrgeizige Ziele

Dieser Aufforderung kam Landolt nach: In ihrem Umfeld und auf Social Media machte sie Werbung, schnell kamen Freundinnen und Bekannte dazu. Heute sind es rund 15 Frauen im Alter zwischen 19 und 28 Jahren, die regelmässig trainieren. Um Meisterschaften spielen die Rugby-Damen allerdings noch nicht, erklärt de Wit: «Wir brauchen mindestens 23 Spielerinnen, um an der nationalen Frauen-Liga teilzunehmen.»

Möglich sei auch, sich an eine der zwölf kantonalen Frauenmannschaften in der Schweiz anzuschliessen. De Wit weiss aber, dass es bis dahin noch ein weiter Weg sein wird. «Wir müssen in jedem Training bei Null anfangen. Es geht als erstes darum, die Angst vor dem Vollkontakt abzubauen und Basics wie Fangen, Passen und verletzungsfreie Tacklings zu üben.» Sind die unterschiedlichen Erfahrungsstände im Team einmal ausgeglichen, sei vieles möglich: «Ein entferntes Ziel von mir ist, dass eines Tages eine Spielerin aus Würenlos im Nationalteam sein wird.»

Neben Schweiss, Schmerz und Einsatzwillen zeichne sich Rugby durch grossen Zusammenhalt aus, sagt de Wit. «Die ganze Rugby-Community ist eine grosse Familie.» Familiär geht es auch bei den Rugby spielenden Damen aus Würenlos zu und her, wie Jana Landolt bestätigt: «Wir haben einen starken Teamgeist und unternehmen ausserhalb des Trainings viel miteinander.» Um Frauen für ihren Sport zu erwärmen, hat die 19-Jährige abschliessend einen Rat auf Lager: «Rugby ist nicht so brutal, wie man immer meint. Ich sehe es mehr als Massenknuddeln für Grobmotoriker.»

Trainingszeiten: donnerstags von 19.30 bis 21.30 Uhr an der Schulstrasse 30 in Würenlos. Infos unter: www.rugbywuerenlos.ch