Baden

Die Stadt übernimmt die «Werkk»-Beiz – das sorgt für Kritik von der SVP

Das Jugendlokal und die dazugehörige Beiz befinden sich in der «Alten Schmiede».

Das Jugendlokal und die dazugehörige Beiz befinden sich in der «Alten Schmiede».

Ab Oktober übernimmt die Stadt den Gastrobetrieb beim Jugendkulturlokal «Werkk». Die SVP zeigt sich darüber wenig erfreut. Ob der Betrieb einer Beiz zu Aufgaben der Stadt gehört ist strittig.

Letzten Sommer kündigte der langjährige Pächter der Beiz beim Badener Jugendlokal Werkk. Und auch die Nachfolger blieben nur wenige Monate. Eine grosse, beziehungsweise zu grosse Herausforderung, war das Zwei-Betreiber-Modell: Die Doppelnutzung der Infrastruktur durch den externen Pächter und das Jugendkulturlokal.

Nun springt die Stadt Baden in die Bresche: «Der Stadtrat hat beschlossen, die Werkk-Beiz künftig als Teil des Jugendkulturlokals zu betreiben. Sie wird am 1. Oktober wieder eröffnet, sofern es die Umstände zulassen», heisst es in einer Mitteilung.

Der Stadtrat hatte den Pächterwechsel zum Anlass genommen, das Gesamtangebot in der Alten Schmiede nach den ersten Betriebsjahren zu überprüfen. Die Alte Schmiede, in dem sich das Jugendlokal und die Beiz befinden, war für 8,74 Millionen Franken umgebaut, denkmalpflegerisch saniert und 2015 eröffnet worden. Der Entschluss, die Werkk-Beiz zukünftig als Teil des Jugendkulturlokals zu betreiben, fiel auf der Grundlage einer externen Gastroanalyse und einem überarbeiteten Betriebskonzept des Jugendkulturlokals, wie der Mitteilung der Stadt zu entnehmen ist.

Nullsummenspiel oder städtische Konkurrenz

Die Stadt wird immer wieder dafür kritisiert, Mehrheitsaktionärin beim Grand Casino zu sein, also eine Spielbank zu betreiben. Gehört es zu den Aufgaben der Stadt, eine Beiz zu betreiben? «Nein», findet Adrian Gräub (SVP), Mitglied des Badener Einwohnerrates. «Dafür gibt es in meinen Augen keinen Grund. Zwar unterstützt die Stadt damit die Jugendlichen, die ein gutes Essens-Angebot erhalten. Aber gleichzeitig werden andere Betriebe in der Umgebung konkurrenziert, wie etwa das Fjord.» Einige Restaurants in Baden wären gerade nach der Corona-Krise auf Einnahmen angewiesen, so Gräub.

Stadtrat Erich Obrist (parteilos) ist anderer Meinung. «Die Jugendlichen profitieren in vielerlei Hinsicht. Die Werkk-Beiz wird neu wieder am Mittag und teilweise auch am Abend zum Beispiel vor Konzerten offen sein.» Aus finanzieller Sicht handle es sich für die Stadt um ein Nullsummenspiel, budgetiert worden sei eine schwarze Null, so Obrist. Die Vorteile eines Betriebs durch die Stadt überwiegen, ist er überzeugt.

Mit dem Betrieb aus einer Hand stärke die Stadt nicht nur die wirtschaftliche Basis der Werkk-Beiz, sondern schaffe als kinder- und familienfreundliche Gemeinde neben dem Jugendkulturbetrieb eine weitere Gelegenheit, um Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren in ihren Fach-, Sozial- und Selbstkompetenzen gezielt fördern zu können. Gleichzeitig könne die Vermietung der Infrastruktur noch einfacher und kundenfreundlicher mit dem gastronomischen Angebot koordiniert werden.

Erschwerend war zuletzt hinzugekommen, dass das Potenzial des Kulturzentrums Alte Schmiede mit der Beiz, dem Jugendkulturbetrieb, den Atelier- und Bandräumen sowie der Halle Alte Schmiede nicht vollumfänglich ausgeschöpft werden konnte. Der Stadtrat ist überzeugt, dass sich durch diese organisatorische Veränderung das Potenzial und die Synergien der Angebote auf dem Areal noch besser nutzen lassen.

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