Am 22. Januar 1993, einem Freitagabend um 21.09 Uhr, fiel der Entscheid: Der FC Wettingen wurde an einer ausserordentlichen Generalversammlung aufgelöst. Der Schuldenberg betrug 3,2 Millionen Franken. Im Sommer folgte die Wiederauferstehung als «FC Wettingen 93» – der Verein musste ganz unten neu beginnen, in der 5. Liga.

Ein Vierteljahrhundert ist seither vergangen; zur Jubiläumsfeier hat der Verein nun die erfolgreichste Mannschaft seiner Geschichte aufgeboten: Am Freitag kehren jene Spieler nach Wettingen zurück, die sich nur vier Jahre vor dem Konkurs, im Sommer 1989, mit dem Dorfklub sensationell für den Europacup qualifizierten und dort Napoli mit Weltstar Maradona an den Rand des Ausscheidens brachten. In einem Plausch-Kick treffen die Klub-Legenden auf die aktuelle 1. Wettinger Mannschaft (2. Liga Inter). Anpfiff im Stadion Altenburg ist um 19 Uhr, gespielt werden zwei Mal 30 Minuten.

13 Spieler, die 1989 im Kader standen, nehmen an der Jubiläumspartie teil (siehe Fussnote), darunter 8, die beim Europacup-Auswärtsspiel in Neapel in der Startformation standen. «Als wir sie anriefen, sagten sie alle, ohne zu zögern: Klar, ich bin dabei», erzählt Jürg Meier, Vorstandsmitglied des FC Wettingen. Drei einstige Stammspieler werden nicht auf die Altenburg zurückkehren: «Dan Corneliusson, Jan Svensson und Andy Löbmann konnten wir leider nicht ausfindig machen», sagt Meier. Auch Maurizio Jacobacci, aktuell Trainer beim FC Sion, wird nicht mit von der Partie sein. Fehlen wird auch Trainer Udo Klug, der im Jahr 2000 im Alter von 72 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstarb.

«Zu Beginn der Partie wird Stadion-Speaker Peter Hürzeler, der zu jener Zeit für das Schweizer Fernsehen Fussballmatches kommentierte, alle Spieler vorstellen und erzählen, was aus ihnen geworden ist.» Geleitet wird der Match vom Aargauer Schiedsrichterobmann Luigi Ponte.

Der FC Wettingen erhofft sich durch den Aufmarsch der Legenden den einen oder anderen Franken an Einnahmen. Die Preise erinnern an die späten 80er-Jahre: 10 Franken für Erwachsene, 15 Franken für ein Familienpaket. Auch wie früher, als es noch kein Internet gab: Tickets sind nur an der Tageskasse erhältlich. «Das Eintrittsgeld fliesst voll und ganz in die Juniorenabteilung», versichert Meier. Einst genoss die Wettinger Juniorenabteilung schweizweit einen exzellenten Ruf, feierte zahlreiche Erfolge. «Wir wollen den Nachwuchs wieder vermehrt fördern und hoffen, dass bald wieder der eine oder andere eigene Junior den Sprung in die 1. Mannschaft schafft», sagt Meier. Aktuell gehören kaum Eigengewächse zum Kader – doch Wettingen ist mit Trainer Beat Studer so erfolgreich wie schon lange nicht mehr, feierte einen Sieg und ein Unentschieden in den ersten zwei Saisonspielen in der 2. Liga Inter.

Vier Jahre nach dem unvergesslichen Europacup-Herbst ging Wettingen in Konkurs. Die Geschäfte des Präsidenten Hubert Stöckli – er verdiente sein Geld mit Glücksspielautomaten – waren ins Stocken geraten, er konnte immer weniger in den Verein investieren. 1992 stieg der FC Wettingen in die NLB ab. Ein Jahr danach folgte der Konkurs. Dass andere Vereine, die in den Jahren danach in Konkurs gingen, im Gegensatz zu Wettingen in weit höheren Ligen wiedereinsteigen durften und dadurch schnell wieder im Profifussball auftauchen konnten, ist für viele Wettinger Fans noch heute eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Seit fünf Jahren darf sich der Verein wieder nennen wie früher: FC Wettingen. Und der eine oder andere Fan hat den Traum nicht aufgegeben, dass der Verein eines Tages wieder den Sprung in eine der höheren Ligen schaffen könnte. Dass die Legenden für das Jubiläumsspiel aufgeboten worden sind, ist auch ein Zeichen für die ungebrochene Sehnsucht nach den guten alten Zeiten.