Wie kleine Sterne bewegen sich die Lichter der Wand entlang, reflektiert von der übergrossen Discokugel an der Decke des Nordportals. Die Scheinwerfer sind auf Sänger Endo Anaconda gerichtet, der mit seiner markanten, von Alkohol und Zigaretten geformten Stimme über das Älterwerden sinniert.

Auch nach 25 Jahren Bandgeschichte vermögen «Stiller Has» noch immer zu faszinieren. Es ist die Poesie des Alltags – Geschichten, die jedem von uns widerfahren könnten. Diese verpackt Sprachakrobat Endo Anaconda geschickt in Wortspiele und vermischt sie mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben. Es ist ein intellektueller Gaumenschmaus, gewürzt mit scharfer Ironie und einer Prise Zynismus. In seinen teils komödiantisch anmutenden Ansprachen zwischen den Liedern greift der Emmentaler auch aktuelle Themen auf – so bekundet er beispielsweise seine Unterstützung zur 1:12-Initiative.

Das böse Alter

Doch auch auf musikalischer Ebene sind «Stiller Has» nicht zu verachten. Multiinstrumentalist René «Schifer» Schafer untermalt Anacondas Sprachakrobatik mit virtuosen Gitarrensoli und urchigen Banjo-Einlagen. Background-Sängerin und Bassistin Salome Buser fügt sich nahtlos in das Melodiengeflecht ein und wird dabei von Schlagzeuger Markus Fürst tatkräftig unterstützt. Bei Klassikern wie «Walliselle» lassen sich die Zuschauer mitreissen und singen in bester Fussballstadion-Manier aus vollen Kehlen mit.

«Ach Gott, wer het Erbarme, mit üs alte Partisane?» singt Anaconda, der mit seinen 58 Jahren definitiv schon zum älteren Eisen der Schweizer Musiklandschaft zählt. Auf der mittlerweile elften Platte mit dem Namen «Böses Alter» zeigt sich der Berner Musiker dabei allerdings alles andere als eingerostet. Mit gewohnt brachialer Lyrik schlägt der alte Hase Anaconda noch immer sprachliche Haken – eine gewisse Melancholie und einen Hang zur Nostalgie kann man bei den neuen Texten jedoch nicht verleugnen. Doch es ist ein Älterwerden mit Würde, was an diesem Konzertabend ein weiteres Mal bewiesen wurde.