Im Mai dieses Jahres erhielt Freienwil das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde». Die Vereinten Nationen ehrten damit das Bestreben der Gemeinde, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen. Doch schon einige Monate später sorgt ausgerechnet das Thema Kinder für Aufruhr im Dorf. Grund dafür ist die neue Kindertagesstätte, die im August an der Dorfstrasse 1 eröffnet hat.

Nach knapp zwei Monaten verliess eine Angestellte die Krippe, kurze Zeit später reichten vier weitere Betreuerinnen die Kündigung ein. In der Folge machten Gerüchte über die Hintergründe die Runde im Dorf. Die Betreuung sei fachlich nicht korrekt, hiess es zum Beispiel. Zwar konnte das übrig gebliebene Krippenteam den Betrieb aufrechterhalten, doch die Anschuldigungen sorgten für Verunsicherung sowohl unter den Eltern als auch im Rest der Freienwiler Bevölkerung.

Kita-Besitzerin Marina Eller nimmt nun Stellung zu den Geschehnissen. Die erste Kündigung sei die Folge von internen Differenzen zwischen der Geschäftsleitung und einer Angestellten gewesen. «Ich bin mir der hohen Verantwortung gegenüber den Eltern und ihren Kindern sehr wohl bewusst. Wenn eine Mitarbeiterin das bewährte Betreuungskonzept, nach dem ich die Tagesstätte führe, ignoriert, muss ich handeln», sagt Eller.

Nachdem sie das Gespräch mit der betroffenen Mitarbeiterin gesucht hatte, entschied sich diese für eine Kündigung. «Die Mitarbeiterin hat im Anschluss zwei Teilzeitangestellte und zwei Praktikantinnen zur Kündigung bewogen.» Die vier weiteren Austritte heizten die Gerüchteküche und die Spekulationen an und verunsicherten die Eltern. «Den Gerüchten folgend, reduzierten einige Eltern das Betreuungspensum oder entschieden sich für eine andere Lösung», sagt Marina Eller.

Die Vorkommnisse sind für die Geschäftsführerin schwer nachvollziehbar. «Ich hatte keine Ahnung, was sich da abspielte.» Sie bedaure, dass die Eltern nicht mit ihr direkt das Gespräch suchten. «So erfuhr ich nur durch meine Mitarbeiterinnen von den Vorkommnissen.»

Sie habe aber auch Verständnis für die Besorgnis der Eltern. «Bei so vielen Gerüchten müssen sich viele gedacht haben, dass da wohl etwas dran sein muss.» Da wäge man sein Kind lieber in Sicherheit. Marina Eller hat inzwischen gegen eine ehemalige Angestellte Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede eingereicht.

Die Freienwiler KiTa-Besitzerin Marina Eller möchte Gerüchte im Dorf dementieren und erklärt das Mitarbeiterdrama.

Die Freienwiler KiTa-Besitzerin Marina Eller möchte Gerüchte im Dorf dementieren und erklärt das Mitarbeiterdrama.

Erfolgreiche Kita in Schneisingen

Die 59-Jährige eröffnete mit der Krippe in Freienwil bereits ihre zweite Kindertagesstätte. Im Jahr 2014 erfüllte sich Eller mit der ersten «Krippe im Dörfli» in Schneisingen den langjährigen Traum einer eigenen Kinderbetreuungsstätte. Neben der Krippe zählt Eller auch eine Waldspielgruppe und organisierte Spielmorgen zu ihrem Angebot. Ihre zweite «Krippe im Dörfli» mit Standort Freienwil eröffnete Eller unter anderem aufgrund der grossen Nachfrage in Schneisingen. «Die Krippenplätze in Schneisingen sind alle belegt und es stehen bereits Kinder auf der Warteliste.»

Dies sei ein weiterer Grund, weshalb sie die Geschehnisse in Freienwil nicht recht nachvollziehen könne. «In all den Jahren hatte ich nie nennenswerte Probleme in Schneisingen, im Gegenteil: Die Eltern vertrauen mir und unterstützten mich sehr in den letzten Wochen.» Denn die Gerüchte hätten ihren Weg auch bis nach Schneisingen gefunden. Doch dort hätten sich keine Auswirkungen auf die Krippe gezeigt.

Marina Eller erklärt sich dies mit dem Vertrauen, das sie gegenüber den Schneisinger Eltern geniesst: «Viele Kinder befinden sich schon mehrere Jahre in meiner Krippe. Durch die langjährige Betreuung entsteht ein Vertrauen, das bei den Freienwilern aufgrund des jungen Krippenbetriebs noch fehlt.»

Das Gerede um die Kita erreichte auch die Gemeinde. «Wir haben Kenntnisse von den Problemen in der Krippe», sagt Gemeinderätin Rebecca Schneider. Sie hätten dann, nach Absprache mit der Fachstelle, mit den nötigen Schritten reagiert. Aufgrund eines laufenden Verfahrens wollte Schneider keine weiteren Angaben dazu machen.

Für die «Krippe im Dörfli» geht es wieder bergauf: «Meine Kindertagesstätte ist nach den anfänglichen Startschwierigkeiten wieder auf Kurs», sagt Marina Eller. «Wir haben einige Anmeldungen neuer Krippenkinder und konnten auch schon neue Mitarbeiter einstellen.» Die Gemeinde sieht derweil ihr Unicef-Label nicht in Gefahr.

«Die Kita ist eine unabhängige Institution und hat nichts mit dem Label zu tun», sagt Rebecca Schneider.