Abfallmarkt

Die KVA Turgi schlägt sich gut im Kampf um den Müll

Zu wenig Müll: Noch arbeitet die KVA Turgi trotz regionaler Überkapazität im Bereich der Vollauslastung. (Archiv)

Zu wenig Müll: Noch arbeitet die KVA Turgi trotz regionaler Überkapazität im Bereich der Vollauslastung. (Archiv)

Weniger Abfall, aber stabiler Gewinn: Die Kehrichtverbrennungsanlage Turgi schliesst das Jahr 2014 mit einer sehr positiven Bilanz ab.

Während sich im Süden Italiens die Müllsäcke auf riesigen Halden stapeln oder teils ganze Städte im Kehricht versinken, ist der Schweizer Abfallmarkt hart umkämpft. Alleine im Kanton Aargau gibt es drei Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) – es herrscht eine Überkapazität, von der unsere südlichen Nachbarn nur träumen können.

So hat die KVA Turgi letztes Jahr zwar stolze 122 789 Tonnen Kehricht verbrannt. Das sind jedoch 986 Tonnen oder 0,8 Prozent weniger als im Rekordjahr 2013 – und die Tendenz ist weiter sinkend.

«2014 war für uns immer noch ein sehr positives Jahr», sagt Direktor Peter Ender, «wir konnten im Rahmen der Vollauslastung arbeiten.» Aufgrund längerer Revisionen als im Vorjahr sei die mögliche Kapazität geringer gewesen.

Mit dem Jahresbeginn und der Eröffnung der neuen Anlage im luzernischen Perlen ist der Konkurrenzdruck weiter angewachsen. So verliert die KVA Turgi rund 5000 Tonnen Abfall, die sie bislang von der alten Luzerner Anlage aushilfsmässig übernommen hat. «Unsere Strategie ist es nicht, diese Verluste zu kompensieren», sagt Ender; er wüsste gar nicht wie. «Wir wollen 2015 unsere bestehenden Kunden und die 115000 Tonnen Kehricht halten.»

Eine schwierige Aufgabe, sind beispielsweise auch die Abfallmengen aus dem deutschen Landkreis Waldshut um einen Zehntel gesunken: Die 14'368 Tonnen machen derzeit rund zwölf Prozent der Gesamtkapazität aus.

Währungsverluste wegen des tiefen Euro-Kurses sind allerdings nicht zu erwarten, der Vertrag läuft in Schweizer Franken zu den gleichen Konditionen wenigstens bis 2020.«Wir wickeln nur den Energieverkauf in Euro ab», sagt Peter Ender, «dort werden die Kursschwankungen natürlich künftig die Einnahmen drücken.» Allerdings sei dies für die KVA Turgi ein reiner Buchungsverlust, der sich zudem mit den Einkäufen kompensieren lasse.

Vergangenes Jahr ging die Energielieferung aus Turgi total um 3,2 Prozent zurück. Während der Stromabsatz relativ stabil war, sank vor allem der Bedarf an Fernwärme deutlich.

Grosse Umsatzeinbussen

Noch ist die Schlussrechnung 2014 nicht abgeschlossen, der Umsatz ist aber sicher um gut zwei Mio. Franken auf 20 Mio. geschrumpft. «Dies ist insbesondere auf die Anfang 2014 gesenkten Gemeindepreise zurückzuführen», sagt Ender, aber auch die tiefen Energiepreise hätten massgeblichen Anteil.

Der KVA-Direktor fügt an: «Wir erzielten aber nach wie vor einen deutlichen Gewinn.» Dieser beläuft sich ähnlich wie im Vorjahr auf etwa drei Mio. Franken.

Ist 2015 trotz zusätzlicher Konkurrenz ein ähnliches Ergebnis möglich? «Es wird sich nun zeigen, wie die Branche auf die Überkapazität reagiert und ob der grosse Kampf um den Kehricht ausbricht», sagt Peter Ender. Er hoffe allerdings auf Vernunft. «Mit Dumpingpreisen mehr Kehricht zu generieren, ist für uns keine Option.»

Und wie wäre es mit den Müllbergen im Süden Europas? «Abfall aus Italien ist zwar stets ein Thema in der Schweizer Branche, aber für uns aufgrund des tiefen Marktpreisniveaus nicht interessant.»

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