Der Kulturweg Baden-Wettingen-Neuenhof befindet sich «mitten im regionalen Kuchen und ist der Hektik, Stichwort Verkehr, ganz nahe. Aber dieses Flussufer mit seinen bisher 22, ab Freitagabend dann 24 Skulpturen, ist zugleich eine wunderbare Oase».

Hans Wanner, Präsident des Kulturweges von 2006 bis 2012, kennt diesen Weg und die beidseits der Limmat platzierten Skulpturen bestens. Seine Freude, vielmehr sein Staunen darüber ist unvermindert.

Statische Elemente statt «Action»

Ruhe und Beschaulichkeit passten allerdings nicht so recht in den schnelllebigen Zeitgeist, fügt Wanner hinzu: «Die Stiftung kann nicht mit ‹Action› aufwarten. Bei den Kunstwerken handelt es sich um statische Elemente. Also müssen wir uns permanent die Frage stellen: Wie lässt sich der Kulturweg beleben, damit er immer wieder ein neues Publikum anzieht?»

Primär mit zeitgenössischen Kunstwerken. Aber das reicht nicht, um den Bekanntheitsgrad des Weges zu steigern. Bootsfahrten ab 2008 und Führungen fanden und finden breite Zustimmung. Einem Paukenschlag glich der Auftritt der Stiftung bei der Badenfahrt 2007. Damals wurden 10 mal 10 Meter grosse Videos mit einem Beamer auf den Schartenfels projiziert - mit verblüffendem Effekt. Aber es gibt auch ein Leben nach der Badenfahrt. Anders gesagt: Die Stiftung sucht nicht primär den Knalleffekt.

Gesicht immer wieder verändert

Ein grosses Anliegen von Hans Wanner ist vielmehr der Ausbau des Limmatuferwegs. «Zumindest auf der einen Uferseite sollte er dem Fluss entlang ohne Unterbrüche von der Holzbrücke in Baden bis zur Holzbrücke in Wettingen zu begehen sein. Dadurch ergäben sich neue Orte und Plätze, die den Kulturweg anders erleben liessen.»

Sein Gesicht hat der von den drei Gemeinden finanziell wie ideell partnerschaftlich getragene Weg in den letzten 20 Jahren immer wieder geändert. Allein schon durch die Patina, welche die dort situierten Kunstwerke angesetzt haben.

Rostige Stellen sind Lebensspuren

Ein Beispiel ist Beat Zoderers monumentale «Zimmer»-Skulptur, die auf Neuenhofer Boden stand und deren rostige Stellen eigentlichen Lebensspuren glichen. Doch wer rastet, der rostet - das gilt nicht nur für den Menschen. Also wurde Zoderers Skulptur 2010 auf eine Reise nach Aarau geschickt.

Als temporäres Geschenk der Stiftung Kulturweg, weil das Aargauer Kunsthaus seinen 50. und der Aargauische Kunstverein seinen 150. Geburtstag feierte. Nach Monaten kehrte das «Zimmer» zurück, aber nicht mehr an seinen alten Standort in Neuenhof. Neu wurde es vor der Klosterscheune in Wettingen platziert.

Hans Wanners Lippen kräuselt ein amüsiertes Lächeln bei Erwähnung der Züglete. Denn damit verbunden war das, was dem Stiftungsrats-Präsidenten obliegt: Kontakte mit den Behörden und dem Künstler herstellen und pflegen, Gesuche für Bewilligungen einreichen, und kurz bevor eine Ablehnung droht, nochmals mit psychologischem Gespür nachhaken, Sponsoren ansprechen, Ideen generieren und, und.

Stetige Erneuerung

Der Aufgabenkatalog ist lang, aber derart spannend, dass Hans Wanner ihn so auf den Punkt bringt: «Es hat mir Spass gemacht.» Flugs fügt Wanner - Noblesse oblige - hinzu: «Im Stiftungsrat wird Teamwork gelebt. Hier treffen sich Menschen unterschiedlicher beruflicher Herkunft, die in verschiedenen Fachgruppen wirken. Der Präsident koordiniert deren Arbeiten. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch, dass er Ideen entwickelt und sich überlegt: Wer könnte welche Projekte betreuen?»

In diesem Jahr ist Hans Wanner als Präsident der Stiftung Kulturweg Baden-Wettingen-Neuenhof zurückgetreten. Nicht etwa, weil ihm die Aufgabe weniger reizvoll erschienen wäre, bewahre. «Aber es verhält sich mit dem Kulturweg genauso wie mit dem Stiftungsrat: Er muss sich immer wieder erneuern.»

Neuer Präsident ist Mark Füllemann

Neuer und alter Präsident, Stiftungsratsmitglieder und Neugierige werden heute Abend den 20. Geburtstag der Stiftung Kulturweg feiern - mit zwei neuen Werken, die sie der Öffentlichkeit schenkt: Thomas Gallers «Shatt Al-Arab, Basra» und Daniel Robert Hunzikers «Wenn ich nicht will, stehe ich still.»