Seit das neue Oberstufenzentrum in Niederrohrdorf im August 2015 seinen Betrieb aufgenommen hat, gehen dort rund 300 Bezirks-, Sekundar- und Realschüler aus Bellikon, Ober- und Niederrohrdorf sowie Remetschwil ein und aus. Doch verbringen die Jugendlichen dadurch auch mehr Zeit am neuen Kreisschulstandort?

Die offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro wollte es genauer wissen und führte im Zeitraum zwischen Mai und Oktober 2016 eine Sozialraumanalyse in Niederrohrdorf durch. Hintergrund: Vor der Eröffnung des Oberstufenzentrums suchten viele Schüler die «Mojuro»-Anlaufstelle in Oberrohrdorf auf. «Mit der Verlegung der Oberstufe von Ober- nach Niederrohrdorf hat sich das geändert. Die Laufkundschaft bleibt praktisch aus», sagt Jugendarbeiter Jonas Werder. Die Sozialraumanalyse sollte Aufschluss geben, wie sich die Jugendlichen in Niederrohrdorf bewegen, wo sie sich aufhalten und welche Bedürfnisse sie haben. Dafür wurden 81 Schüler aus Bez-, Sek- und Realstufe zwischen 12 und 16 Jahren befragt (siehe Kontext).

Die Resultate wurden nun im aktuellen «Mojuro»-Geschäftsbericht publiziert. Es zeigt sich: Die Jugendlichen halten sich in der Freizeit vor allem im Freundeskreis in ihrer Wohngemeinde am Rohrdorferberg auf. «Uns hat verblüfft, dass sich die Schüler generell sehr wenig im öffentlichen Raum in Niederrohrdorf aufhalten», sagt Werder. Und wenn, dann sei es unmittelbar vor und nach der Schule oder während der Mittagspause. «Dabei bewegen sich die Jugendlichen vor allem entlang der Bremgartenstrasse, beim Coop oder an der Bushaltestelle Dorfplatz», führt der Jugendarbeiter aus. Vereinzelt seien auch einige Bänke am Waldrand oder Vereinslokalitäten genannt worden.

Attraktive Angebote fehlen

Einen Grund, weshalb sich die Jugendlichen vor allem in ihrer Wohngemeinde aufhalten, sei, dass es in Niederrohrdorf kaum Angebote gebe, die attraktiv genug sind, sagt Werder. Auch würden sich die Oberstufenschüler nicht so wohl fühlen. Dies, weil sich in ihren Augen die Erwachsenen ihnen gegenüber wenig tolerant zeigen würden. So verwundert es nicht, dass sich rund 80 Prozent der Befragten mehr Plätze für ihre Gruppe im öffentlichen Raum wünschen, an denen sie sich ungestört unterhalten können. «Zudem wurde bemängelt, dass es in Niederrohrdorf keinen Jugendraum gibt.»

Die Ergebnisse der Sozialraumanalyse haben die «Mojuro» dazu veranlasst, ihr Angebot zu überdenken. «Unser Ziel ist, wieder stärker am Puls der Oberstufe zu sein», sagt Werder. Ein sogenannter «Bauwagen», der von Sommer bis Herbst auf dem roten Platz bei der Kreisschule stehen wird, soll das fehlende Angebot in Niederrohrdorf kompensieren. In diesem können sich Jugendliche künftig mittwochnachmittags und freitagabends bis 21.30 Uhr treffen, unterhalten und unter sich sein. Das Bewilligungsverfahren für den «Bauwagen» ist zwar noch am Laufen, doch die «Mojuro» ist guten Mutes, dass das Projekt auf Zuspruch stösst. Darüber hinaus ist sich das Team einig, die Anlaufstelle von Oberrohrdorf nach Niederrohrdorf zu verlegen. «Dies käme allen Schülerinnen und Schülern der vier Gemeinden zugute», sagt Jonas Werder. Wann der Umzug geschehen soll, ist offen: Noch hat die «Mojuro» keine geeigneten Räume gefunden.