Wettingen

Die Hockeyaner von Rotweiss fürchten eine stille Enteignung

Der Kunstrasen auf der Bernau muss zirka alle 12 Jahre ersetzt werden. Über die Finanzierung gehen die Meinungen auseinander.

Der Wettinger Landhockey-Club soll ein Darlehen über 300'000 Franken erhalten. Ein Gemeindebeitrag wäre ihm aber lieber.

Beat Brunner, Präsident des Landhockeyclubs Rotweiss Wettingen, hat diese Woche sämtliche Wettinger Einwohnerräte angeschrieben. Inhalt: das Darlehen über 300 000 Franken, das der Gemeinderat für die Sanierung der Sportanlage Bernau beantragt. Die Anlage gehört Rotweiss Wettingen. Der Kunstrasen muss nach zwölf Jahren erneuert werden. Insgesamt entstehen Sanierungskosten von 675 000 Franken.

Der Einwohnerrat wird morgen an seiner Sitzung über das zinslose und unbefristete Darlehen befinden. In seinem Schreiben bittet Brunner die Einwohnerräte, zumindest das Darlehen zu bewilligen.

Sollte indes nach Ansicht der Ratsmitglieder ein Gemeindebeitrag à fonds perdu (ohne Rückzahlung) gerechtfertigt sein, hofft Brunner, dass im Einwohnerrat ein entsprechender Antrag gestellt wird. Brunner sagt: «Bei allem Verständnis für die finanziell angespannte Lage der Gemeinde ist der HC Rotweiss Wettingen mit dem Darlehen nicht nur glücklich.»

Die Kehrtwende vor zwei Monaten

Hintergrund: Als 2016 absehbar wurde, dass der Kunstrasen auf der Bernau ersetzt werden muss, wurden die 300 000 Franken in den Finanzplan der Gemeinde aufgenommen. «Bis vor zwei Monaten, also während dreier Jahren, hatte uns der Gemeinderat einen Beitrag à fonds perdu in Aussicht gestellt», sagt Brunner. «Erst Anfang August 2019 wurde uns mitgeteilt, dass es aufgrund der finanziellen Lage nun keinen Beitrag, sondern ein zinsloses Darlehen geben soll.»

Das Bemerkenswerte an der Kehrtwende: Als 2008 der Kunstrasen erstmals ersetzt wurde, sprach sich der Gemeinderat noch für einen Beitrag à fonds perdu und gegen ein Darlehen aus. Die Begründung damals: «Würde der Betrag als Darlehen gewährt, würde dies in Richtung einer stillen Enteignung zugunsten der Gemeinde gehen.»

Denn rechnet man zu den 300 000 Franken noch zwei Darlehen älteren Datums hinzu, so hat die Gemeinde gegenüber Rotweiss Wettingen einen Anspruch von 890 000 Franken. Es fehlt nicht mehr viel, und der Platz ist im Eigentum der Gemeinde.

«Mit der Vergabe von Darlehen anstelle von Beiträgen erwirbt die Gemeinde unser Grundstück», sagt Brunner. Sollte die Bernau einst nicht mehr von Rotweiss Wettingen genutzt werden, hat sich die Gemeinde das Vorkaufsrecht im Grundbuch eintragen lassen. Damit stünde der Gemeinde attraktives Bauland zur Verfügung.

Stille Enteignung kein Argument mehr

«In der finanziell angespannten Lage der Gemeinde zählt das Argument der stillen Enteignung offenbar nicht mehr», sagt Brunner. Er ist überzeugt: «Vor einem Jahr hätten wir den Betrag noch à fonds perdu erhalten.»

Brunner, ehemaliger Präsident des Einwohnerrats, hat das Gefühl, andere Vereine werden grosszügiger unterstützt. Seine Rechnung: Zwischen dem Neubau der Bernau 1994 und dem Jahr 2032, wenn der übernächste Kunstrasen fällig wird, werden 2,8 Millionen Franken in die Anlage investiert worden sein.

Davon stammen 300 000 Franken à fonds perdu von der Gemeinde und 700 000 Franken aus dem Swisslos Sportfonds. «Die verbleibenden 1,8 Millionen Franken kommen aus unseren eigenen Mitteln oder von Darlehen auf das Grundstück», sagt Brunner.

Während der gleichen 38 Jahre bekomme der FC Wettingen von der Gemeinde Unterhalts-Beiträge in Höhe von rund 3 Millionen Franken. Wohingegen Rotweiss Wettingen in der gleichen Zeitspanne rund 1 Million Franken für den Unterhalt und die Reinigung der Anlage selbst bezahlt.

Immerhin komme die Gemeinde für den Wasserverbrauch auf der Bernau auf. Das seien rund 2500 Franken pro Jahr. Der Verein habe das Gespräch mit einzelnen Einwohnerräten und den Fraktionen gesucht, sagt Brunner. «Wir haben versucht, Unterstützung für einen Beitrag anstelle des Darlehens zu erhalten.» Die Einwohnerräte reagierten mit Verständnis, antworteten aber, dass Wettingens finanzielle Lage dies nicht zulasse, sagt Brunner.

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