Am 5. September 1834 wurde beim Landvogteischloss Peter Welti, der ehemalige Pfarrer von Wohlenschwil, öffentlich enthauptet. Es geschah an einem Sonntagnachmittag und das Publikumsinteresse war gewaltig. Weit über 10 000 Schaulustige strömten zum Richtplatz beim Landvogteischloss und genossen das schauerliche Spektakel, das zum Volksfest ausartete.

Pfarrer Welti hatte eine Menge Schandtaten begangen. Er hatte Leute um ihr Geld betrogen, verschiedene Mägde
geschwängert; er überfiel zweimal die Postkutsche Mellingen–Wohlenschwil und war als Brandstifter äusserst aktiv. So zündete er 1833 in Wohlenschwil nicht nur das Pfarrhaus, sondern gleichzeitig noch zwei weitere Häuser an. Im Feuer kam ein kleines Mädchen ums Leben. Das ruchlose Treiben Weltis blieb lange Zeit unentdeckt, weil es undenkbar war, dass ein Pfarrherr solche Untaten begehen könnte. Nach seiner Verhaftung leugnete Welti standhaft; mit der Zeit legte er ein umfassendes Geständnis ab, das kurz nach der Hinrichtung gedruckt wurde und landesweit zu einem Bestseller wurde.

«Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer Bote» berichtet im September 1834 über die Hinrichtung und
beschreibt, wie sehr sich das Volk an der Enthauptung ergötzt habe. Weder Demut noch Schrecken seien aufgekommen, sondern die Leute hätten sich bestens unterhalten und nachher in den Wirtschaften gesoffen, und der Prügeleien seien viele gewesen. Vielleicht gibt es ja doch entfernte Gemeinsamkeiten zwischen 1834 und 2014?