Wettingen

Die Gefühle eines Wesens im Wäschetrockner

Pascal Gruber spielt den Beelzebub auf der Kontrabassklarinette, Dirigent Roland Käppeli gibt den Takt an

Pascal Gruber spielt den Beelzebub auf der Kontrabassklarinette, Dirigent Roland Käppeli gibt den Takt an

Der Klarinettenchor Wettingen unter Leitung von Roland Käppeli begeisterte mit einem vielseitigen Repertoire.

Langsame, ineinander verschachtelte Melodien, gefolgt von gezielt rhythmisch verschobenen Passagen und wirren dissonanten Klängen, entführten die Besucher im Wettinger Margeläcker in eine verrückte und faszinierende Welt. Nachdem das Werk bereits komponiert gewesen war, gab ihm der Komponist Dietrich van Akelyen den Titel «The Tale Of Timmy In The Tumble Dryer». Es ist ein Paradebeispiel für Programmmusik und soll die Gefühle eines Wesens beschreiben, das in einen Wäschetrockner geraten ist.

Das Werk steckt voller rhythmischer Herausforderungen, welche die Klarinettistinnen und Klarinettisten auch ohne das Metrum eines Schlagwerks bestens meisterten. Die Noten für dieses Werk seien nicht verlegt. Man hätte diese direkt beim Komponisten erstanden und könne die Komposition so in der Schweiz uraufführen, erklärte der musikalische Leiter Roland Käppeli nicht ohne Stolz.

Ausschliesslich Klarinetten am Werk

Der Klarinettenchor ist ausschliesslich mit Klarinetten besetzt. Von der hohen Es-Klarinette über Bassett-Horn bis hin zur tiefen Kontrabassklarinette und ohne Schlagwerk erzeugt das Ensemble speziellen und bisweilen auch aussergewöhnlichen Sound. Es handelt sich um eine projektbezogene Formation. Mit nur sechs Proben stellen diese gut 30 Akteure ein anspruchsvolles und gemischtes Repertoire auf die Beine. Da es in der Schweiz nur gerade drei bis vier solcher Orchester gäbe, hätte ihre Tätigkeit auch überregionale Ausstrahlung, erklärte Dirigent Roland Käppeli.

Die Dreiecksbeziehung des Kontrabassklarinettisten

Das Konzert beinhaltete auch leichtere musikalische Kost. Zum Beispiel ein Potpourri durch die beliebten Melodien aus der Operette «Die Lustige Witwe» von Franz Lehár. Anstelle eines Gastsolisten oder einer Gastsolistin präsentierte der Klarinettenchor heuer einen Solisten aus den eigenen Reihen: Pascal Gruber mit seiner Kontrabassklarinette. Als Mann beneide er Pascal Gruber, witzelte Konzertsprecher Marco Galli. Gruber lebe erfolgreich eine offene Dreiecksbeziehung; einerseits mit der Liebe zu seiner Ehefrau und andererseits mit der Liebe zu seiner Kontrabassklarinette. Heiteres Gelächter war die Folge.

Dieses spezielle Instrument sieht und hört man nicht alle Tage. Spektakulär durchdrangen die tiefen Kadenzen den Saal im «Beelzebub», einer klassisch romantischen Komposition des Amerikaners Andrea Catozzi. Das Publikum war begeistert und spendete anhaltenden Applaus. Keine Regel ohne Ausnahme, dachten sich die Wettinger Musiker und führten ein Stück mit Schlagwerk auf. Gastmusikerin und Perkussionistin Junko Rusche begleitete den Tanz «Strange Humors» mit der Djembe-Trommel. Tosender Applaus war auch hier die Folge.

Das diesjährige Konzert stand unter dem Motto «Smile», auf Deutsch «Lächeln». Jede Komposition solle zum Lachen anregen. Der Dirigent hätte aber bei den Proben nicht immer ein Lächeln im Gesicht gehabt, erklärte Marco Galli humorvoll und hielt das Publikum so weiter bei Laune. Das Konzert endete getreu dem Motto mit der melodiösen Komposition «Smile» von Charlie Chaplin, hauptsächlich bekannt als Song des legendären Jazzmusikers Nat King Cole.

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