Wie ist das Weihnachtsfest so in Frankreich? Was ist anders? Was ist gleich wie bei uns? Diesen Fragen will das Kindermuseum Baden in diesen Tagen mit einer neuen Sonderausstellung nachspüren. «Weihnachten in Frankreich» – am Samstag war Vernissage: «Soyez les bienvenues.»

Ein Boulevard, ein Bistro-Tischchen und darauf ein Foto-Album aus alten Zeiten – das ist der erste Eindruck, wenn der Besucher die neue Weihnachtsausstellung betritt. Aus dem Lautsprecher erklingt leise und dezent die Musik von Tino Rossi «La belle Nuit de Noël». Die beiden Stühle laden dazu ein, sich ans Tischchen zu setzen und im Album zu blättern. Darin sind Fotos aus den Siebzigerjahren, die genauso gut in unseren Stuben zur Weihnachtszeit hätten gemacht worden sein: Da sind ganze Familien versammelt rund um den Weihnachtsbaum im Kerzenschein.

Den Weihnachtsbaum erfunden

Wussten Sie, dass der Weihnachtsbaum ursprünglich eine französische «Erfindung» war? Urkundlich erwähnt wird der Christbaum erstmals im Jahr 1521 im elsässischen Städtchen Séléstat. Dort wurde er ursprünglich an der Decke aufgehängt. Er wurde geschmückt mit richtigen Äpfeln und Papierrosen. Vom Elsass aus verbreitete sich der Weihnachtsbaum zuerst vor allem in Deutschland und vor allem in reformierten Gebieten. Bei den Katholiken galt der Baum damals noch als heidnisch und geriet in Verruf. Das und noch viel mehr erfuhren die rund 60 Besucherinnen und Besucher anlässlich der Vernissage «Weihnachten in Frankreich» am Samstag.

Frankreich ist ein grosses Land. Es gibt nicht das typische Weihnachten in Frankreich, vielmehr gibt es zahlreiche Traditionen und weihnachtliche Bräuche, die von Region zu Region unterschiedlich sind. In der Provence beginnt die Weihnachtszeit offiziell am 4. Dezember mit dem Fest Sainte-Barbe. An diesem Tag werden Weizenkörner oder Linsen in kleine Schälchen gesät: Je höher die Sprösslinge bis zum 24. Dezember wachsen, desto mehr Glück hat die Familie im neuen Jahr. In Südfrankreich besprechen die Familien bereits Mitte November die Zusammensetzung der Crèche, der Krippe. Auf den Märkten findet man die sogenannten Santons – kleine, handbemalte Krippenfiguren aus Keramik. Das Spezielle: Es sind nicht nur biblische Figuren unter den Santons zu finden, sondern auch ganz gewöhnliche Handwerker und Leute von heute. Auf Korsika feiert man am 13. Dezember die Sainte-Lucie. Kinder suchen am Strand runde, weisse Muscheln, die «Augen der heiligen Luzia» genannt werden – sie sollen Glück bringen. Im Baskenland bringt nicht etwa der Weihnachtsmann die Geschenke, sondern der «Olentzero», ein gefürchiger Geselle mit kohlegeschwärztem Gesicht. Und in der Bretagne ist es Brauch, zu Weihnachten ein Bad im Atlantik zu nehmen. Zu Hunderten stürzen sich die Bretonen ins eiskalte Wasser.

Das Essen hat in Frankreich einen besonderen Stellenwert: Gemeinsam wird das Essen auf den Märkten eingekauft, gemeinsam in den Küchen zubereitet und schliesslich wird das Essen am Weihnachtsabend am Familientisch richtiggehend zelebriert mit zum Beispiel Champagner und Austern als Vorspeise, einem Truthahn zum Hauptgang und zum Dessert einer «Bûche de Nöel», einer Schokoroulade.

www.kindermuseum.ch 24./25. Nov.: Weihnachtsschmuck selber machen, 9. Dez.: Weihnachtssingen, 1./2. Dez.: Bûche de Noël selber verzieren, 16. Dez.: Babar und der Weihnachtsmann, als Film, 22. Nov. Französischer Märchenabend (nur für Erwachsene), 5.  Dez: Weihnachtsgeschichten aus Frankreich.