Ein warmes Bett in kühlen Herbstnächten: für viele selbstverständlich, für andere ein Luxusgut. Nun sollen auch Obdachlose eine Übernachtungsmöglichkeit erhalten: Der Verein Notschlafstelle Baden und das christliche Sozialwerk Hope eröffneten am 31. August die erste Notunterkunft im Kanton Aargau an der Oberen Halde 23 in Baden. Der Betrieb kostet jährlich je 400 000 Franken.

Denn das Angebot ist zweigeteilt: Die Notschlafstelle ist spendenabhängig und stellt mittellosen Menschen kurzfristig ein Bett zur Verfügung. Ein grosser Unterstützer ist etwa der Rotary Club Baden. Dieser spendete nicht nur einen Betrag in der Höhe von 40 000 Franken. Mitglieder des Clubs haben auch ihren Einsatz bei der Renovation des Gebäudes geleistet.

Die Notpension wird durch Trägerschaften aus Vertretern der römisch-katholischen Landeskirche Aargau, der reformierten Kirche Baden sowie dem christlichen Sozialwerk Hope Baden verantwortet. Sie bietet eine langfristige Unterkunft bis zu zwei Wochen. Im Gebäude wird es zwölf Schlafplätze geben: Sechs Betten stehen in der Notschlafstelle zur Verfügung, sechs Plätze für langfristige Unterkunft.

Eröffnung Notschlafstelle in Baden

Eröffnung Notschlafstelle in Baden

Eröffnung Notschlafstelle in Baden. „Notschlafstelle für Obdachlose ist in Betrieb.“ Daniela Fleischmann, Geschäftsleiterin des HOPE Baden, sie erzählt davon wie es zur Notschlafstelle kam. 31.August 2019

Notschlafstelle und -pension sind sieben Tage zwischen 20 und 9 Uhr geöffnet. «Für das Frühstück ziehen die Bewohner dann ins Hope», sagt Daniela Fleischmann, Geschäftsführerin des christlichen Sozialwerks. Damit soll auch gewährleistet werden, dass durch die Bewohner nicht allzu viel Lärm entsteht.

Konzept soll Sicherheit gewährleisten

Denn Lärm sei einer der Aspekte, worum sich die Anwohner des Quartiers sorgten. «Deshalb wird auch im Haus geraucht, damit die Bewohner nicht davor rumlungern», sagt Fleischmann. Grundsätzlich sei die Bevölkerung sehr offen und die Rückmeldungen positiv. Weitere Bedenken äusserten die Nachbarn auch in puncto allgemeine Sicherheit. Dafür wurde ein Konzept erarbeitet: So ist die Unterkunft brandgeschützt und jeder Obdachlose erhält einen eigenen Spind mit Zahlenschloss, um sich vor Diebstahl zu schützen. Zudem werden der Raum der Betreuer und die Küche abgeschlossen.

«Wir müssen mit schwierigen Situationen rechnen», sagt Fleischmann. «Suchtprobleme und psychische Erkrankungen werden ein Thema sein.» Fest stehe, dass aus den Bewohnern über Nacht keine «braven Lämmli» werden. Sie werden deshalb von je einer Fachperson sowie einer freiwilligen Hilfsperson rund um die Uhr betreut. 5 Festangestellte und 17 Freiwillige sind aktuell im Einsatz. Weitere werden noch gesucht. Die Motivation laute bei vielen gleich: «Sie sehen, dass das Angebot nötig ist.» Auch gegen Gewalt wird vorgegangen: «Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Ist ein Bewohner aggressiv, weisen wir ihn weg.» Eine ewige Sperre gibt es jedoch nie: «Wir glauben an zweite Chancen.»