Dieses Buch wir in vielen Freienwiler Haushalten einen besonderen Platz erhalten: Die Rede ist von der Dorfchronik. Auf knapp 300 wunderschön gestalteten Seiten haben sich 140 Haushalte respektive rund 400 Freienwilerinnen und Freienwiler ablichten lassen, was knapp der Hälfte der Dorfbevölkerung entspricht (die AZ berichtete). Fotografin Ruth Erdt wurde dabei intime Einblicke in Familienleben und Haushalte gewährt. Jedes einzelne Foto ist ein kleines Kunstwerk; eine Momentaufnahme. Um die Aufnahmen zu machen, zog Erdt 2017 von Zürich nach Freienwil und lebte ein paar Monate auf dem Land. Für die Vernissage kehrte Sie am Samstagabend ins beschauliche Dorf zurück. Die Art und Weise wie sie begrüsst wurden und wie die Menschen sich mit ihr unterhielten, zeigte eindrücklich, dass Erdt im Dorf Spuren hinterlassen hat.

Signieren bis spät abends

Mit einem Dorffest wurde die Vernissage begangen. Dabei erhielten alle abgelichteten Haushalte im Bildband "eine Chronik für Freienwil" ein oder gar mehrere Exemplare, um den Bildband sogleich zu verschlingen und sich mit den Nachbarn über die Fotos auszutauschen. Auch Erdt selber sprach zu den Anwesenden: «Das Buch ist eine Momentaufnahme, mit der das Leben im Dorf möglichst authentisch abgebildet werden soll.» Das ist ihr mehr als eindrücklich gelungen. Als Betrachter des Bildband hat man den Eindruck, jede Familie werde so dargestellt, wie sie auch tatsächlich lebt und ist. Da und dort war auch Bedauern zu vernehmen. Das Bedauern jener, die sich nicht fotografieren lassen wollten und konnten und dies im Nachhinein bereuen. Im Anschluss an die Reden signierte Ruth Erdt die Bildbände bis spät abends während die Vernissage mit Livemusik im Festzelt ausklang.

Mobiliar Versicherung ermöglichte die Chronik

Ins Rollen kam das Fotoprojekt 2014 – aufgrund eines Baches: Immer wieder hatte die Gemeinde Freienwil in den vergangenen Jahren mit Überschwemmungen zu kämpfen. Nach Niederschlägen stieg jeweils das Wasser des Maasbaches in der Dorfmitte an. Vor vier Jahren sagten die Freienwiler im Rahmen des Hochwasserschutzes deshalb Ja zu einer Frei- und Umlegung des Baches. Bei der Finanzierung konnte das Dorf auf die Unterstützung der Mobiliar Versicherung zählen. 250 000 Franken flossen aus deren Präventionsfonds in die Baumassnahmen. Bei diesem finanziellen Zustupf beliess es die Versicherungsgesellschaft allerdings nicht und beschloss, auch ein Kunstprojekt für die Dorfbewohner zu realisieren. Statt auf eine Skulptur im öffentlichen Raum setzte die Mobiliar dabei auf eine Porträtserie. Den Zuschlag für das Projekt erhielt Ruth Erdt.