Baden

Die Bäder-Gondelbahn kommt jetzt aufs politische Tapet - Initiant begrüsst dies.

Eine Gondelbahn soll das Badener Bahnhofareal mit dem Bäderquartier verbinden.

Eine Gondelbahn soll das Badener Bahnhofareal mit dem Bäderquartier verbinden.

CVP-Einwohnerrat Karim Twerenbold möchte vom Badener Stadtrat wissen, wie dieser zu den Plänen einer Bäder-Gondelbahn steht. Initiant Stefan Kalt ist überzeugt, dass eine mehrheitsfähige Lösung gefunden wurde.

Die Idee einer Seilbahn vom Bahnhof Baden hinunter zu den Bädern und insbesondere zum neuen Thermalbad von Stararchitekt Mario Botta, das in knapp zwei Jahren eröffnen soll, ist ziemlich genau zehn Jahr alt. Stefan Kalt, Direktor der regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), war es, der im Frühling 2010 erstmals die Idee der «Bäder-Seilbahn» präsentierte.

Der Hauptgrund für Kalts Idee: «Bei erwarteten rund 500'000 Gästen kommt die Busverbindung hinunter ins Bäderquartier an den Anschlag. Eine Seilbahn könnte im 1-Minutentakt fahren und den Strassenverkehr somit entlasten», argumentierte Stefan Kalt damals.

Kalt beliess es nicht bei einer Idee, sondern kontaktierte die Firma Caraventa, eine der grossen Seilbahnbauer, die in der Folge einen Vorschlag ausarbeitete. Das wären die Eckwerte der Seilbahn: Auf dem Dach der heutigen Bushaltestelle Bahnhof Ost könnte die «Bergstation» eingerichtet werden. Von dort soll die Seilbahn rund 650 Meter über der Bahnhofstrasse und der Parkstrasse in Richtung Bäder geführt werden. 28 Meter tiefer, im Bereich der Bushaltestelle Kurplatz, könnte die Talstation eingerichtet werden.

Bei einer Fahrzeit von 4 Minuten und 9 Gondeln mit 8 Plätzen könnten rund 500 Personen pro Stunde transportiert werden. Mit 17 Gondeln liesse sich die Kapazität fast verdoppeln. Rund 20 Millionen Franken kostet die Seilbahn vor­aussichtlich. Realisiert werden sollte das Projekt mit Hilfe von Banken – mitfinanziert über Volksaktien.

Twerenbolds fünf Fragen an den Badener Stadtrat

In den letzten zehn Jahren bekräftige Stefan Kalt zwar immer wieder, dass es sich bei seiner Vision keinesfalls um eine Bieridee handle. Und trotzdem hat sich seit seiner Präsentation nicht mehr viel getan. Weder der Stadtrat noch der Einwohnerrat haben das Thema konkret aufgegriffen. Das will CVP-Einwohnerrat Karim Twerenbold nun ändern. Er hat kürzlich beim Stadtrat eine Anfrage zur Bäder-Seilbahn eingereicht. Darin will er vom Stadtrat wissen.

Erstens: Wo sieht der Stadtrat die Vor- und Nachteile bei diesem Seilbahnprojekt? Zweitens: Wie lautet die offizielle Haltung des Stadtrats? Drittens: Wie definiert die Stadt Baden ihre Rolle in einer potenziellen Umsetzung? Viertens: Wie könnte die Stadt Baden ein Projekt von dieser Grössenordnung unterstützen? Und fünftens: Welches wäre ein realistischer Zeitplan zur Umsetzung?

Auf Nachfrage begründet Twerenbold seine Anfrage wie folgt: «Das Thema einer Stadt-Seilbahn wird zwar in den letzten Jahren immer wieder diskutiert, aber konkrete Vorschläge zur Projektierung und zur Finanzierung wurden bisher keine präsentiert.» Twerenbold ist überzeugt, dass dieses Projekt eine starke Ausstrahlungskraft hat und Baden als innovative Stadt positionieren könne. «Ich bin der Meinung, dass das neue Thermalbad mit dem Seilbahnprojekt eine verstärkte Wirkung hat, zumal Baden mit anderen Bäderorten in Konkurrenz steht», so Twerenbold.

Bei der Erschliessung des Bäderquartiers hätte eine Seilbahn ein grosses Potenzial, die Gäste sehr bequem und vor allem schnell an den Zielort zu bringen. «Auch der motorisierte Individualverkehr könnte abnehmen, da sich die Gäste eher überlegen, den ÖV zu nehmen, da die Seilbahn eine nahtlose Verbindung zu den Bädern ermöglicht», ist Twerenbold überzeugt.

«Bergstation» zwischen Migros- und Postgebäude

Dieser Ansicht ist auch Stefan Kalt. So gab er noch vor drei Jahren zu Protokoll: «Als touristische Attraktivität würde die Seilbahn der ganzen Stadt Vorteile bringen, nicht nur dem Bädergebiet. Der Imagegewinn, den eine solch innovative Lösung erbringen würde, sollte eigentlich auch Bedenken bezüglich des Stadtbildes entkräften», meinte Kalt damals. Wenn das Setzen der Masten sowie die Linienführung sorgfältig erfolgten, könnte das Landschaftsbild sogar gewinnen, so Kalts Überzeugung.

Doch wenn es wirklich keine Bieridee ist, wie Kalt immer wieder bekräftigt hat, was hat sich denn konkret in den letzten Jahren getan? «Wir haben jetzt eine mehrheitsfähige Lösung gefunden», verrät Kalt. Neu sei die «Bergstation» nicht mehr auf dem Dach der RVBW-Bushaltestelle geplant, sondern auf einer Art Passerelle zwischen dem Migros- und dem Postgebäude, auf Höhe der Postautostation.

Die Bahn würde dann entlang der Parkstrasse Richtung Bäderquartier führen. «Die Talstation war ursprünglich in der Nähe des Bads geplant. Doch weil das eine gerade Linie verunmöglicht hätte, was wiederum mit grossen baulichen Massnahmen verbunden wäre, ist die Talstation jetzt kurz nach der scharfen Parkstrassen-Kurve geplant», so Kalt. Über einen Lift oder eine kurze Treppe würden die Besucher dann zum neuen Thermalbad gelangen. «Von der Idee, die Bahn direkt ins Oederlin-Areal zu führen, von wo man dann über einen Steg zum Bad gelangt, haben wir uns fürs Erste wieder verabschiedet.»

Namhafte Investoren bekunden ihr Interesse

Gleichzeitig bestätigt Kalt, dass viele namhafte Investoren Interesse an einer Beteiligung des Projekts bekundet hätten. Im Sommer habe er den Stadtrat, Ende Jahr die Stadt-Parteien über den Stand der Dinge informiert. «Das Echo war grossmehrheitlich positiv», so Kalt. Er begrüsst die Anfrage von Karim Twerenbold, «weil so das Thema endlich auch politisch aufgegriffen wird».

Als Nächstes werde er nun den Quartierverein Römer informieren und im ersten Quartal 2020 ist ein öffentlicher Infoanlass geplant. «Wenn ich auch dort eine grundsätzlich positive Stimmung spüre, steht einer Firmengründung zur Realisierung der Bahn nichts mehr im Weg», blickt Stefan Kalt erwartungsfroh voraus.

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