Wenn von den Wahlen des 18. Oktobers die Rede ist, dann sind damit schweizweit die nationalen Parlamentswahlen gemeint; in der Stadt Baden aber interessiert mindestens genau so stark die Wahl eines neuen Mitglieds in den Stadtrat, die gleichentags stattfindet.

Die Zuschauerränge in der alten Druckerei des BT-Hochhauses waren voll besetzt, als dort am Montagabend die drei Kandidaten Jürg Caflisch (SP), Erich Obrist (Parteilos) und Mario Delvecchio (FDP) für die Tele-M1-Sendung «Talk Täglich« die Klingen kreuzten.

Stadtrats-Wahltalk in Baden

Stadtrats-Wahltalk in Baden

Drei Themen dominierten die Diskussionsrunde. Erstens die Frage nach den Unterschieden zwischen dem offiziellen SP-Kandidaten Jürg Caflisch und Erich Obrist, der als Parteiloser antritt, bis vor wenigen Wochen aber ebenfalls der SP angehörte.

Er sei durch den Parteiaustritt kein Mitte-Kandidat geworden, habe als Parteiloser aber an Unabhängigkeit gewonnen, antwortete Obrist.

Ihm werde die Fähigkeit zum Konsens nachgesagt, im Badener Einwohnerat habe er auch immer wieder das Gespräch mit anderen Parteien gesucht, fügte er hinzu. Jürg Caflisch entgegnete, seit seiner Nomination stehe das Klischee im Raum, er sei ein Hardliner.

Er erinnerte daran, bei seiner Verabschiedung aus dem Einwohnerrat vor einigen Jahren sogar von der FDP ein Dankeschreiben erhalten zu haben.

Zweitens wollte «Talk-Täglich»-Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer von Mario Delvecchio (FDP) wissen, ob es ihm nicht zu denken gebe, dass es von bürgerlicher Seite eine recht breite Unterstützung für der Parteilosen Erich Obrist gebe. «Nein, das gibt mir nicht zu denken, ich nehme es sportlich entgegen», antwortete Delvecchio.

Sowohl bei der GLP, als auch beim Team Baden sowie bei der SP gebe es Leute, die hundertprozentig für ihn stimmen werden, sagte er, ohne Namen zu nennen.

Der Moderator hakte nach: Ob es denn nicht eine riesige Schlappe wäre, wenn er die Wahl im bürgerlichen Baden trotz offiziell geschlossener Unterstützung von SVP, FDP und SVP nicht schaffen würde?

«Ich gehe nicht von einer Schlappe aus, sondern davon, dass ich es schaffe», sagte Delvecchio. Er verneinte auch den Vorwurf, er sei weniger bekannt als die anderen Kandidaten: «Ich bin in Baden in verschiedenen Gremien dabei, war Gründerpräsident der IG Dättwil, die für die Sanierung des Schulhausplatzes kämpfte.»

Drittens wurden die Kandidaten gefragt, inwiefern sie die Blockade im Stadtrat lösen könnten, die seit der Affäre um Geri Müller bestehe. «Es wäre vermessen zu sagen, ich könnte alles ändern nach einer Wahl», sagte Caflisch.

Man könne zudem nicht alle bestehenden Schwierigkeiten rot-grün anlasten, einige Probleme seien schon unter der vorherigen bürgerlichen Regierung verursacht worden. «Ich bedaure die Entwicklung in der Stadt. Es herrscht seit der Wahl von Geri Müller ein Dauerwahlkampf, der Stadtrat wird schlechter gemacht, als er wirklich ist», sagte Caflisch.

Die richtungsweisende Entscheidung werde 2017 fallen, bei der Stadtammannwahl. Erich Obrist schätzt die Lage anders ein: «Es ist Sand im Getriebe.» Beispielsweise seien im Einwohnerrat zwei Sitzungen verschoben worden.

Delvecchio: «Die Stadt schläft, das darf man nicht verharmlosen. Die Gerigate-Geschichte wurde vom Stadtammann inakzeptabel gelöst. Ich will mich als Brückenbauer einbringen.»

«Trete nicht gegen Geri Müller an»

Spannende Antworten lieferten die Kandidaten auf die letzte Frage: Ob sie 2017 als Stadtammann kandidieren werden.

Erich Obrist: «Es würde mich sehr reizen, in zwei Jahren, wenn ich den Leistungsausweis als Stadtrat habe, als Stadtammann zu kandidieren.» Mario Delvecchio sagte: «Jetzt wird ein Stadtrat gesucht, kein Stadtammann. Wenn ich gewählt werde, will ich meine Arbeit gut machen.»

Falls das Volk ihn zu einer Kandidatur auffordere, schaue er weiter. Jürg Caflisch verkündete: «Wenn 2017 Geri Müller und auch Vizeammann Markus Schneider kandidieren, werde ich sicher nicht antreten.» Er würde nicht gegen Geri Müller antreten.