Frau Hochuli, worin besteht aus Ihrer Sicht Lebensqualität im Alter?

Susanne Hochuli: Die Lebensqualität im Alter unterscheidet sich für mich nicht entscheidend von dem, was für mich jetzt wichtig ist: grösstmögliche Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit. Diese ist nicht in jedem Lebensalter gleich gross, aber immer gleich wichtig.

Seniorenmesse, das tönt nach Marketing und Verkauf. Welche Bedeutung messen Sie der «Exposenio» zu, dass Sie zur Eröffnung persönlich anwesend sind?

Ältere Menschen sind heute eine interessante Zielgruppe für viele Anbieter von Produkten und Dienstleistungen – dagegen ist nichts einzuwenden. Wichtig ist, dass das, was gezeigt wird, sinnvoll und nützlich ist. Nicht nur für die älteren Menschen, sondern auch für ihre Angehörigen. Ebenso wichtig ist, dass die Information adressatengerecht erfolgt. Dafür braucht es nicht Einwegkommunikation, sondern unmittelbaren, konkreten Austausch. Wie über das Alter generell: Das Thema muss noch vermehrt Gegenstand des gesellschaftlichen Dialogs werden.

Die demografische Entwicklung zeigt ein massives Wachstum der älteren Bevölkerung auf. Worin besteht Ihrer Meinung nach die Verantwortung der Gesellschaft und der Politik?

Die Verantwortung besteht darin, die älteren Menschen in jeder Hinsicht als Teile unserer Gesellschaft zu erkennen. Demografische Alterung bedeutet, dass wir nicht nur immer älter werden, sondern auch immer länger gesund bleiben. Unsere Gesellschaft sollte vermehrt die Chancen des Alters und des Alterns und nicht die Risiken betonen.

Ein Blick in die AHV- und Pensionskassen beziehungsweise auf die sinkenden Umwandlungssätze zeigt, dass im Alter die Finanzen zum Problem werden.

Selbstverständlich ist die wirtschaftliche Existenzsicherung ein zentrales Thema, auch im Zusammenhang mit der Reform der Sozialwerke. Aber es geht auch und vermehrt um kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe.

Es gibt Senioren, die das Geld dafür aufbringen, andere nicht. Läuft das nicht in Richtung Zweiklassengesellschaft im Alter?

So wie es Unterschiede unter den Erwerbstätigen gibt, gibt es auch solche bei den älteren Menschen. Ziel kann nicht die Nivellierung aller Unterschiede sein, sondern vielmehr die Garantie, in unserem Land auch im Alter ein würdiges, möglichst selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben führen zu können. Dazu braucht es das Engagement der älteren Menschen selber, aber auch einen Gesellschaftsvertrag, der dies vorsieht.

Senioren sind heute länger aktiv. Müsste man sie noch stärker in die Freiwilligenarbeit einbinden?

Die Forschung zeigt ein ausgeprägtes freiwilliges Engagement der Altersgruppe «50+». In dieser Beziehung hat in den vergangenen Jahren eine starke Sensibilisierung stattgefunden, die sich in Zukunft im Alltag noch vermehrt manifestieren wird. Es wird sich ein weites Feld neuer Lebens-, Wohn- und Betreuungsformen eröffnen, bei dem die Freiwilligenarbeit – über die Grenzen der Generationen hinaus – absolut zentral sein wird. Gleichzeitig muss freiwillig geleistete Arbeit aber auch entsprechend gewürdigt werden.

Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Leben im Alter vor?

Ich stelle es mir so aktiv, so selbstbestimmt und so eigenverantwortlich vor, wie es meinen Möglichkeiten entsprechen wird.