Stimmt’s? «Ja ich werde im April zum ersten Mal Vater.» Das Strahlen auf seinem Gesicht sagt mehr als tausend Worte. Sofern das überhaupt möglich ist bei einem Mann, der es blendend versteht, Worte melodiös zum Klingen zu bringen und mit ihnen wunderbare Bilder zu zeichnen. «Meine Schwester und ich waren mit Grimm’s Märchen, vor dem Einschlafen von Mutter oder Vater vorgelesen, gross geworden. Und ich habe immer schon enorm gerne Geschichten erzählt und geschrieben.» Vier Monate bevor der 37-Jährige erstmals richtig Vater wird, hat er bereits eine kleine Tochter. Sie heisst Mimi und ist zwischen Buchdeckeln zu Hause.

S’erschte Mol het d’Mimi das Postfächli 737 fascht nid ufbrocht. Sie het so fescht zitteret, sie het mit dem chäibe Schlüssel das chäibe Schlüsselloch nid tüpft.

«S‘ Postfächli 737» ist nach «Auf, zum Mond» Libsigs zweites Kinderbuch und sein erstes in Dialekt. Längst hat Simon Libsig seine Leidenschaft für Worte zum Beruf gemacht. Er veröffentlicht CDs und Videos, zieht mit verschiedenen Bühnenprogrammen durch die Lande, schreibt Kolumnen, ist seit Jahren Dozent an der Schweizer Text-Akademie in Zürich, er gibt regelmässig Workshops an Schulen von der Real- bis zur Kanti, tat es auch schon im Jugendheim oder der Kinderpsychiatrie: «Das kostet mich zwar ordentlich Energie, aber ich lerne dabei auch sehr viel für mich selber.»

Die nächschte paar Wuche sind so schnell wie es Schoggistängeli weggschmulze. D’Mimi het glernt freihändig fahre ufem Velo und het mit ihrne Fründinne Gummitwist gspilt.

Er war Austauschschüler in den USA, liebäugelte erst mit einem Medizinstudium, entschied sich dann aber für das Studium der Politologie. Es führte ihn für ein Jahr nach Paris und für drei Monate nach Berlin. Nach dem Abschluss war er zwei Jahre in Sachen Journalismus beim Schweizer Radio DRS unterwegs, bis er vor rund sechs Jahren endgültig im Hafen des Geschichtenerzählers gelandet ist.

Vor wenigen Wochen hat Libsig mit «Leichtes Kribbeln» seinen ersten Roman veröffentlicht und nun also «S’Postfächli 737» – ein Buch zum Lesen und zum Anschauen, das längst nicht ausschliesslich Kinder zum Lachen und Staunen bringt. Erzählt wird die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen Frau Meier, die einen Kiosk hat und vergeblich auf einen Brief aus dem fernen Kanada wartet und einer kleinen Mimi mit wildem Haarschopf, die sich ganz fest eine Grossmutter wünscht.

Jede Morge het sie a dene Hoor umeknurzt und het drus es halbbatzigs Bürzi baschtlet.

Die lustige, spannende und es birebitzeli auch traurige Geschichte, wird nicht nur in Worten erzählt, sondern auch in köstlichen, farbigen Zeichnungen des Basler Illustrators Nicolas d’Aujourd’hui. «Ich hatte Nicolas an einer Veranstaltung kennen gelernt. Inzwischen haben wir zusammen ein Bühnenprogramm. Während ich eine Geschichte erzähle, illustriert Nicolas jeweils simultan das Geschehen gut sichtbar fürs Publikum.»

De Marco bechunt immer a däm Tag, wo s’erschte Schneeflöckli en Salto rückwärts vom Himmel obenabe macht, sälberglismeti Wullesocke vom Grossmami.

Als die Idee zum Buch entstand, trugen weder Libsig noch seine Frau Madeleine Wollsocken. Es war letztes Jahr und die beiden waren auf einer viermonatigen Reise durch Südamerika. «Besonders in Kolumbien sind wir – im Gegensatz zu den hier verbreiteten negativen Klischees über Land und Leute – extrem herzlichen Menschen begegnet. Als wir wegen Unruhen eine Woche in Bogotà festsassen, überkam uns dennoch ein bisschen Heimweh. Zum Trost haben wir gemeinsam mit Dialektwörtern jongliert. Daraus hat sich die Geschichte von Mimi und Frau Meier entwickelt.»

Denn händ’s gliichzitig en Gloggenabsprung gmacht.

Und d’Hoor sind ihne wie en Wasserfall über d’Schultere, über de Rugge und bis ad Chnü abe krüselet.

In Ennetbaden aufgewachsen, lebt Libsig seit vielen Jahren in Baden – und fühlt sich hier zu Hause. Um den Altbau, in dem er und Madeleine wohnen, stehen jedoch bereits drohend die Baugespanne. «Die Preisentwicklung auf dem Badener Immobilienmarkt macht mir Sorgen», sagt Libsig, aber das ist eine andere Geschichte. Auch eine Geschichte zwar, die Familien und Kinder betrifft. Er lacht verschmitzt – «vielleicht fürs nächste Kinderbuch».

Simon Libsig und Nicolas D’Aujourd’hui  geben «S’Postfächli 737» im Eigenverlag heraus. Es erscheint am 12. Dezember und kann bereits jetzt bestellt werden unter der folgenden Adresse: simon@simon-libsig.ch