Stadtrat Baden
Der «wilde» Erich Obrist erwartet einen harten Wahlkampf

Am Donnerstag gab SP-Einwohnerrat Erich Obrist bekannt, dass er für den freien Sitz im Stadtrat kandidiert - und aus seiner Partei austritt. Seine Motivation sei es, als Brückenbauer zu wirken.

Roman Huber
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Erich Obrist: «Ich werde kämpfen wie ein Löwe.»
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Bei der Übergabe der Wahlanmeldung (von links): Erich Obrist, Stadtschreiber Heinz Kubli und Obrists Wahlkampfleiterin Beatrice Meyer
Erich Obrist gibt Kandidatur für Badener Stadtrat bekannt

Erich Obrist: «Ich werde kämpfen wie ein Löwe.»

Alex Spichale

Eine kleine, aber entschlossene Gruppe war es gestern, die sich symbolischerweise beim Löwenbrunnen versammelt hatte, um ihren künftigen Mann im Stadtrat zur Wahlanmeldung im Stadthaus zu begleiten. «Ich werde kämpfen wie ein Löwe», erklärte Erich Obrist. Wenige Stunden zuvor hatte er dem Parteivorstand den Austritt aus der SP bekannt gegeben und auch seinen Parteikollegen und jetzt Kontrahenten Jürg Caflisch orientiert. «Ich wollte vermeiden, dass es allenfalls zu einem Ausschlussverfahren und damit zu einer internen Zerreissprobe kommen könnte», begründete Obrist diesen Schritt. Der langjährige SP-Einwohnerrat tritt damit mit sofortiger Wirkung aus der SP der Stadt Baden aus und per Ende September auch aus dem Einwohnerrat zurück und kandidiert als Parteiloser.

Rollen sind damit neu verteilt

Die Ausgangslage vor dem 18. Oktober, dem ersten Wahlgang der Stadtratswahlen, ist damit völlig neu. Die SP hatte schon Anfang Juli hinter verschlossenen Türen ihre Nominationsversammlung abgehalten. Bei der parteiinternen Ausmarchung schwang mit dem amtierenden Badener SP-Grossrat Jürg Caflisch der «linkere» der beiden Kandidaten knapp, nämlich mit nur drei Stimmen obenaus. Für Obrist bedeutete dies ein harter Schlag, hatte er doch als Gemässigter mit einem Sieg innerhalb seiner Partei gerechnet.

Die Nomination von Caflisch wischte bei den Bürgerlichen und insbesondere in der FDP die letzten Zweifel weg, nach verlorener Wahlschlacht im 2013 zum Gegenschlag anzusetzen. Mit Daniel Schneider, Andrea Libardi und Mario Delvecchio stellte sich ein Trio der parteiinternen Wahl. Diese fiel mit sechs Stimmen Vorsprung auf Libardi zugunsten des Unternehmers Delvecchio aus. Damit zeichnete sich ein Wahlkampf ab, bei dem es weniger um die Personen als vielmehr um links oder rechts gegangen wäre.

Kandidaten wie Parteien hatten jedoch die Rechnung ohne Erich Obrist gemacht. Sein Name kam durch die knappen Entscheide sehr rasch wieder ins Spiel, und zwar sowohl in links-grünen als auch in bürgerlichen Kreisen. Im Hintergrund formierte sich bereits ein überparteiliches Komitee. Der Leserbrief von alt CVP-Stadtrat Peter Conrad bedeutete gleichsam die Initialzündung für die Portierung Obrists. Inzwischen haben sich Badenerinnen und Badener aus mehreren Parteien hinter Obrist gestellt. Seine Wahlanmeldung, die er gestern vor Mittag Stadtschreiber Heinz Kubli überreichte, trägt zwölf Unterschriften.

«Jetzt gibt es kein Zurück mehr», erklärte Obrist anschliessend. Er machte klar, dass nun ein harter Wahlkampf beginnen würde, bei dem er auf viel Unterstützung angewiesen sei. Mit der ehemaligen SP-Einwohnerrätin und Fraktionschefin Beatrice Meyer hat Obrist eine erfahrene Wahlkampfleiterin hinter sich. Mit Michael Bouvard, Tobias Wiederkehr, Lieni und Eva Fueter, Walter und Ottilie Hess, Bruno Meier, Peter Conrad sowie weiteren bekannten Namen weiss er eine breit abgestützte Truppe hinter sich.

Baden soll wieder funktionieren

«Wenn ich nun trotzdem kandidiere, so deshalb, weil ich willens bin, mich aktiv für die Stadt Baden einzusetzen und weil ich auch überzeugt bin, dass ich das kann.» In dieser Einschätzung sei er in den vergangenen Tagen von verschiedenen Seiten bestärkt worden. Seine Absichten im Stadtrat umreisst Obrist wie folgt: «Meine Motivation ist in erster Linie, als Brückenbauer zu wirken und auf die Menschen zuzugehen», so Obrist. Er möchte, soweit es ihm als Teil des Stadtrats möglich sei, für eine zukunftsorientierte Politik eintreten. Mit seiner Person wird zweifellos der Gedanke des Zusammenschlusses der Regionsgemeinden wieder aufs politische Tapet gelangen. Die Politik in Baden müsse nach den vergangenen schwierigen Zeiten einfach wieder funktionieren, lautet seine Überzeugung.

Mit Erich Obrist als Drittem im Bunde der Stadtratskandidaten wird auch das wieder zu besetzende Stadtratsressort, nämlich die Abteilungen Kultur sowie Kinder Jugend Familie, zurück ins Zentrum des Wahlkampfes rücken. Ausserdem liess Erich Obrist bereits vor der Nominationsversammlung der SP durchblicken, dass er sich bei den Gesamterneuerungswahlen im Jahre 2017 auch nicht vor einer Stadtammann-Kandidatur drücken würde, sofern seine Person gefragt wäre.

HIER geht es zum Kommentar von Roman Huber

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