Baden
Der Weg zum ersten muslimischen Friedhof im Kanton ist frei

Der Einwohnerrat genehmigte am Dienstagabend das neue Bestattungs-, und Friedhofsreglement. Damit können auf dem Friedhof LIebenfels bis zu 200 muslimische Grabstellen geschaffen werden.

Carla Stampfli
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Auf dem Badener Friedhof Liebenfels sollen bis zu 200 muslimische Gräber geben.

Auf dem Badener Friedhof Liebenfels sollen bis zu 200 muslimische Gräber geben.

Alex Spichale

Als erste Gemeinde im Kanton Aargau errichtet Baden ein muslimisches Grabfeld: Der Einwohnerrat genehmigte am Dienstagabend einstimmig das neue Bestattungs- und Friedhofsreglement der Stadt Baden. Dieses sieht unter anderem vor, im Friedhof Liebenfels bis zu 200 muslimische Grabstellen zu schaffen. Sie stehen ausschliesslich Einwohnerinnen sowie Einwohnern von Baden zu und decken den Bedarf für die nächsten 20 Jahre ab.
Mit dem neuen Reglement, das am 1. Januar 2017 in Kraft tritt, setzt Baden ein Zeichen: Bisher hatten Muslime in der Regel keine Möglichkeit, sich nach den Anforderungen ihrer Religion – mit dem Gesicht in Richtung Mekka ausgerichtet – begraben zu lassen. Abhilfe boten stattdessen Familiengräber, die jedoch einiges teurer sind, oder eine Bestattung im Heimatland.

Ausnahmen sind nicht möglich

Toni Suter (CVP), Nadia Omar (Team) und Peter Berger (GLP) lobten die sorgfältige Erarbeitung des neuen Reglements. Ein Grabfeld für Muslime sei eine Bereicherung, war auch Sandra-Anne Göbelbecker (SP) überzeugt. Suter war aber ein Anliegen, dass die neuen Grabstellen nur einheimischen Muslimen zustünden und es keine Ausnahmeregelung geben sollte.

Stadtrat und Ressortvorsteher Liegenschaften/Anlagen Roger Huber (FDP) beruhigte: «Es wird kein Sterbetourismus muslimischer Gläubiger geben.» Das neue Reglement erlaube keinen Spielraum, Ausnahmen seien nicht möglich.

Roger Huber, FDP-Stadtrat «Es wird kein Sterbetourismus muslimischer Gläubiger geben.»

Roger Huber, FDP-Stadtrat «Es wird kein Sterbetourismus muslimischer Gläubiger geben.»

AZ

Die Kosten des neuen muslimischen Grabfelds im Friedhof Liebenfels belaufen sich auf 110 000 Franken. Die Infrastruktur muss dafür nicht ausgebaut werden: Angehörige haben die Möglichkeit, die traditionellen Gebetswaschungen bei einem Bestattungsinstitut durchzuführen. Gemäss Stadtrat soll das Grabfeld im Jahr 2018 seinen Betrieb aufnehmen.

Grabesruhe verkürzt auf 20 Jahre

Neben dem muslimischen Grabfeld sieht das neue Bestattungs- und Friedhofsreglement auch die reduzierte Grabesruhe von 25 auf 20 Jahre vor. Dies passte Matthias Brunner (SVP) nicht: Der Tod werde oftmals verdrängt. «Selbst das Grab will man so schnell wie möglich beseitigen.» Ihm sei klar, dass nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung eine Erdbestattung wähle.

Trotzdem solle man doch bitte die letzte Ruhe gewähren. «Vor allem, wenn die Gebühren erhöht werden.» Deshalb stellte Brunner den Antrag, die Grabesruhe bei 25 Jahren zu belassen. Stadtrat Huber antwortete: «Es hat eine gesellschaftliche Veränderung stattgefunden.» Je mehr die Zeit vergehe, desto weniger würden die Angehörigen die Gräber pflegen. «Dieses Verhältnis wird sich in Zukunft weiter akzentuieren», sagte er. Deshalb sei es sinnvoll, die Ruhezeit der kantonalen Bestattungsverordnung anzupassen.

Diese Meinung vertrat auch der Einwohnerrat: Die Grabesruhe verbleibt (mit deutlicher Mehrheit) wie im neuen Reglement vorgesehen bei 20 Jahren.

Grabsteine: Verloren im Park

Auch Alex Meier (EVP) stellte einen Antrag. Er verlangte, die Grabsteine des ehemaligen Friedhofs Bruggerstrasse in das neu zu schaffende Museumsgrabfeld im Friedhof Liebenfels umzuplatzieren und mit entsprechenden Tafeln zu beschriften. «Die Grabsteine stehen verloren im grossen Park.

Der heutige Zustand ist unbefriedigend», sagte Meier. Stadtrat Roger Huber erwiderte, dass man bei der Umgestaltung des Friedhofs zur öffentlichen Parkanlage die alten Grabsteine inventarisiert und diese bewusst liegengelassen habe.

Wenn die Konzessionen der Gräber abgelaufen sind, sei man aber bereit, «einzelne, besonders schützenswerte Steine» ins Museumsgrabfeld zu verschieben, sagte Huber. Der Stadtrat empfahl Alex Meiers Antrag zur Ablehnung. Der Einwohnerrat folgte der Exekutive mit 39 zu 5 Stimmen.

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