Fall Lucie

Der Strafverteidiger von Daniel H. wurde nach dem Urteil beschimpft

Der Wohler Rechtsanwalt Matthias Fricker auf dem Weg ins Gericht

Der Wohler Rechtsanwalt Matthias Fricker auf dem Weg ins Gericht

Der Wohler Rechtsanwalt Matthias Fricker verteidigte Mörder Daniel H. im Prozess in Untersiggenthal – und er erzielte einen Teilerfolg. Sein Mandant wird nur «normal» verwahrt. Das löste eine Welle der Entrüstung aus - man ist zornig auf Fricker.

Der Wohler Rechtsanwalt Matthias Fricker hatte zweifellos keinen einfachen Job und erzielte dennoch in einem schier hoffnungslosen Fall einen Teilerfolg. Sein Mandant wird «normal» verwahrt und bekam vom Gericht damit einen kleinen Hoffnungsschimmer geschenkt, irgendeinmal in seinem Leben in Freiheit zu kommen.

Nach dem Urteil bekam Fricker den Volkszorn zu spüren: «Sollte dieser Mörder jemals freikommen und nochmals straffällig werden, übernehmen Sie dann die volle Verantwortung?» Oder: «‹Dieser Strafverteidiger› kommt den Wünschen des Schweizervolkes nicht nach. Er sollte ebenfalls hinter Gitter und nie mehr als Anwalt arbeiten dürfen.»

Positives von Berufskollegen

Fricker bekam aber durchaus auch positive Reaktionen. «Vor allem von Berufskollegen hörte ich Komplimente, wonach mir der Spagat zwischen der schrecklichen Tat und der Verteidigung meines Mandanten gut gelungen sei», sagt Fricker. Er will alle positiven wie auch negativen Mails beantworten. Die Voraussetzung sei klar: Hinter den Aussagen dürfen sich nicht anonyme Kritiker verstecken. «Ich nehme Kritik sehr gerne entgegen, sofern es keine anonymen Zuschriften sind», sagt Fricker.

Denn schliesslich gingen auch ihm die schrecklichen Taten seines Mandanten nahe. Vor drei Jahren rang er nach der Anfrage tagelang damit, ob er den Fall übernehmen solle. Er stimmte zu: «Es ist mein erster Fall eines Tötungsdelikts. Man kann nicht nur immer die einfachen Fälle übernehmen», sagte Fricker dem «Sonntag» bereits vor dem Prozess.

Nicht einfach, Kopf abzuschalten

Als er sich in den Fall einarbeitete, realisierte er, dass es kein Routinefall werden würde. Er merkte dies auch daran, dass er nach Feierabend nicht einfach den Kopf abschalten konnte.

Trotzdem war für ihn klar: «Auch Täter, welche ein sehr schlimmes Verbrechen begangen haben, dürfen einen fairen Prozess erwarten. Das heisst aber nicht, dass der Verteidiger die Tat entschuldigt oder verharmlost», so Fricker.

Ein Grosserfolg?

Der Verteidiger plädierte vor Gericht, Daniel H. des Mordes schuldig zu sprechen und eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren auszusprechen. Er setzte sich zudem gegen eine lebenslängliche Verwahrung ein und für eine stationäre psychiatrische Massnahme. Letztere bekam Daniel H. nicht zugesprochen, jedoch entschied das Gericht gegen eine von der Staatsanwaltschaft geforderte «lebenslängliche Verwahrung».

Ein Grosserfolg Frickers? Der Verteidiger bodenständig: «Man darf das nicht überbewerten. Das Gericht hätte ziemlich sicher auch so geurteilt, wenn Daniel H. keinen Verteidiger gehabt hätte.»

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