Baden
Der Stadtturm wird für kurze Zeit zum Hotel: So schläft es sich im Gefängnis

Der Stadtturm ist das Wahrzeichen von Baden. Von 1846 bis 1984 wurden Gesetzesbrecher im Turm eingesperrt. In einer solchen Zelle soll man sich freiwillig einsperren lassen und die Nacht wie ein Gefängnisinsasse verbringen?

Ricarda Meyer
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Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden
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Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden
Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden
Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden
Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden
Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden

Pop-Up Hotel im Stadtturm Baden

schweiz tourismus

Diese aussergewöhnliche Übernachtung wird ab Mitte Juni während dreier Monate durch die Städtekampagne «Swiss urban sleeping» von Schweiz Tourismus ermöglicht. Schweiz Tourismus hat Partnerstädte angeschrieben, die sich in ihrer Stadt einen Ort ausdenken sollen, wo ein aussergewöhnliches Hotelzimmer eingerichtet werden könne. «Wir möchten die Städte aus einem anderen Blickwinkel zeigen», sagt Felix Burch von Schweiz Tourismus.

Das Standortmarketing der Stadt Baden hat nebst dem Stadtturm zuerst an die Villa Langmatt und das Historische Museum als mögliche Orte für ein Pop-up-Hotel gedacht. Gemeinsam mit Schweiz Tourismus wurden die Ideen diskutiert. Für die Realisierung der Pop-up-Hotels müssen die Orte bestimmte Kriterien wie Zugang zu fliessendem Wasser oder Brandschutzbestimmungen erfüllen. Das Risiko, die Gäste in dem Museum mit den wertvollen Bildern übernachten zu lassen, war zu gross.

Die Stadt Baden entschied sich deshalb für eine der zwölf ehemaligen Bezirksgefängniszellen im Stadtturm. Vorrichtungen für die sanitären Anlagen waren in der Frauenzelle im zweiten Stock bereits vorhanden. Es mussten lediglich Leitungen verlegt und eine neue Toilette eingebaut werden. «Das Pop-up-Hotel bietet auch für eingefleischte Badener eine gute Gelegenheit, ihr Wahrzeihen näher kennen zu lernen», sagt Mathias Fleischmann vom Standortmarketing Baden.

In diesen aussergewöhnlichen Zimmern können Gäste neu während dreier Monate übernachten:

Während rund dreier Monaten können Gäste neu in Unterkünften übernachten, in denen noch niemand geschlafen hat. Zum Beispiel im Krummturm in Solothurn.
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Solothurn - «Krummturm»
In der Milchbar in Zürich.
Zürich - «Milchbar»
Pop-up Hotels
Vevey - Café Bravo Suisse
Im Turmzimmer in St. Gallen.
St. Gallen - Turmzimmer
Auf einem schwimmenden Hotel in Schaffhausen
Schaffhausen - schwimmendes Hotel
In einem Bootshaus in Luzern.
Luzern - Bootshaus
In einem Gartenzimmer in Lausanne.
Lausanne - Gartenzimmer
Im alten Zollhäuschen auf der Nydeggbrücke in Bern.
Bern - altes Zollhäuschen auf der Nydeggbrücke
Im Stadtturm in Baden.
Baden - Stadtturm
Im Turmzimmer des Castelgrande in Bellinzona.
Bellinzona - Turmzimmer
In den Fischergalgen in Basel.
Basel - Fischergalgen.

Während rund dreier Monaten können Gäste neu in Unterkünften übernachten, in denen noch niemand geschlafen hat. Zum Beispiel im Krummturm in Solothurn.

Schweiz Tourismus

Wohlfühlfaktor im Gefängnis

Nachdem der Stadtturm als Ort feststand, ging es darum, mit der Interessengemeinschaft «IG Hotels Region Baden» einen geeigneten Hotelpartner zu suchen. Erik Roedenbeck, Direktor des Hotels Trafo, musste keine Minute nachdenken und sagte dem Projekt zu.

Bei der Einrichtung des Zimmers kam die Frage auf, ob das Thema Stadtturm weiter aufgegriffen werden soll. Das hätte geheissen, dass die Gäste auf einem Bett aus Strohballen schlafen würden. «Das wäre eine erlebnisreiche Nacht, doch im Vordergrund steht für uns, dem Gast einen angenehmen Schlaf fernab von zu Hause zu ermöglichen», sagt Roedenbeck. Im Kontrast zum historischen Gebäude hat das Hotel Trafo die Zelle deshalb mit einem modernen Boxspring-Doppelbett, zwei Sesseln und einem Tisch ausgestattet. Eine Kaffeemaschine und eine Flasche Badener Stadtwein tragen zum Komfort bei, den man von einem Hotel erwarten darf.

Das «Trafo» hat nicht nur die Einrichtung zur Verfügung gestellt, sondern ist wie bei einer üblichen Hotelübernachtung für das Wohl der Gäste verantwortlich. Von der Buchung über den Check-in bis zum Frühstück im «Trafo» ist das Partnerhotel zuständig. Pro Nacht kostet das aussergewöhnliche Hotelzimmer 139 Franken für Einzelpersonen und 149 für zwei Zelleninsassen. Vom 19. Juni bis 2. September können Erlebnislustige in der ehemaligen Gefängniszelle übernachten.

Und wie schläft es sich nun in einer ehemaligen Gefängniszelle? Die Zelle ist im Originalzustand, wie sie 1984 verlassen wurde. Trotz des authentischen Zustands ist das Zimmer gemütlich eingerichtet. Von möglichem Lärm durch den nahegelegenen Schienenverkehr oder das Glockenläuten ist dank den 1,5 Meter dicken Wände nichts zu hören. TV oder WLAN werden zu keinem Zeitpunkt vermisst – mit dem Entziffern der Wandkritzeleien ist für Unterhaltung bis spätabends gesorgt. Nach einer erholsamen Nacht braucht es einen Moment, bis man realisiert, dass man im ehemaligen Gefängnis übernachtet hat. Ein aussergewöhnliches Erlebnis, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.

Wer selber einmal in dem aussergewöhnlichen Hotel übernachten will, kann hier ein Zimmer buchen.