Kunst Aargau
In der Badener Galerie 94 wird es nass - wegen einer Ausstellung rund um das Wasser

Nass ist es zurzeit überall, in der Badener Galerie 94 zeigt sich das Wasser aber von seiner schönsten Seite.

Anna Raymann
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Der Sprung ins Kalte Wasser: Die «Fall Studies» von Kostas Maros.

Der Sprung ins Kalte Wasser: Die «Fall Studies» von Kostas Maros.

Kostas Maros

Die Stufen hoch in die Galerie 94 erklimmen sich wie jene zum Zehnmeterbrett, vielleicht nicht ganz so hoch, und doch folgt der Sprung ins kalte Wasser. Zumindest auf dem ersten Foto der Ausstellung von Kostas Maros: Im tiefen Blau ist der Körper kaum auszumachen, so dicht umhüllt ist er von Luftblasen, die er mit dem Sprung ins Wasser zieht. Leichtfüssig erinnert die Aufnahme an Besuche im Freibad, an Chlor auf der Zunge und Sonne auf der Haut.

Wasser ist oft ein Sehnsuchtsort. Auch in anderen Deutungen, etwa als ursprüngliches, zyklisches Element (Arnold Böcklins mystischer Toteninsel) oder als Naturgewalt (die imposanten Seestücke von William Turner) interessiert sich die Kunst für das Thema. Erst kürzlich verhandelte es das Künstlerduo huber.huber im Kunsthaus Zofingen in seiner brisant-politischen Dimension. Eine zufällige Häufung in der Region, meint Galerist Sascha Laue, der im Element – «H2O» – Ausgangspunkt findet für die Gruppenausstellung.

Das Wasser bricht sich in vielen Facetten

Die 16 Künstlerinnen und Künstler lassen sich auf unterschiedlichste Weisen auf das gemeinsame Motiv ein. Daraus ergibt sich ein vielstimmiges Sammelsurium an Fotografie, Malerei, Objekt- und Digitalkunst. Mal sind die Werke reflektiert und explizit kritisch wie Jan Sebestas Bildmontagen von vermüllten Bergbächen. Etwas subtiler hingegen zeigen die Luftaufnahmen von Ingo Rasp die Verletzlichkeit unserer Umwelt. Vom Helikopter aus fotografierte er in Graubünden das feine Adersystem von Flüssen und Gletschern. Stetig wandelnd, schmelzend, neue Bahnen suchend.

Ingo Rasp betrachtet die Welt aus der Vogelperspektive. «Rivers and Tides» fotografierte er vom Helikopter aus.

Ingo Rasp betrachtet die Welt aus der Vogelperspektive. «Rivers and Tides» fotografierte er vom Helikopter aus.

Ingo Rasp

Im Wasser spiegelt sich vieles - auch unsere Emotionen

Die Arbeiten der verschiedenen Künstler schieben sich einander ins Blickfeld, reagieren munter aufeinander. Und dann zeigt sich: Sogar die Natur ist technisch reproduzierbar. Mit einem Code aus Einsen und Nullen programmiert Medienkünstler Daniel Canogar aus LED-Kacheln eine schwebende Welle. Erst stürmisch, dann sanft bricht sich das Licht in der Installation. Der Blick darauf fällt meditativ, fast wie am echten Gewässer.

Medienkünstler Daniel Canogar macht mit «Basin» aus Strom Wasser.

Wir dümpeln, wir brausen auf, wir sprudeln vor Energie – unsere Stimmung ist eng verbunden mit dem Wasser. Schwerelos, wie die in dicken Schichten auf die Leinwand getragenen Badenden von Chrissy Angliker. Träumerisch oszillierend wie die zwei Szenen, die Olga Titus mit Wendepailletten in ein Bild stickt. Diese Emotionen finden sich auch in der Ausstellung, nicht immer braucht es die tiefe Bedeutung, um zu wirken. Und während es draussen regnet, erinnern die Künstlerinnen und Künstler in der Galerie 94 an die Schönheit der Nässe.

Die «Swimmers» von Chrissy Angliker entstehen in dicken Farbschichten.

Die «Swimmers» von Chrissy Angliker entstehen in dicken Farbschichten.

«H2O». 21.5.−3.7. Galerie 94, Baden. Vernissage 20.5., 18.30 Uhr

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