Wettingen

Der siebenjährige Noah wird gemobbt – das wollen Schüler nicht mehr akzeptieren

In verschiedenen Workshops konnten die Kinder neue Impulse für ihre Arbeit im Ideenbüro sammeln.Joel Kälin

In verschiedenen Workshops konnten die Kinder neue Impulse für ihre Arbeit im Ideenbüro sammeln.Joel Kälin

Um Mitschüler in den Ideenbüros noch besser beraten zu können, trafen sich Schüler aus der ganzen Schweiz.

Der siebenjährige Noah wird in der Schule gemobbt. Jedoch hat er Hemmungen, mit Erwachsenen darüber zu reden. Doch wie weiter? Ganz einfach – er sucht das schulinterne «Ideenbüro» auf. Dies ist eine Anlaufstelle für Schüler mit diversen Anliegen. Speziell dabei: Die Berater sind nicht etwa Lehrpersonen oder Sozialarbeiter, sondern Schüler der gleichen Schule. Meistens handelt es sich dabei um Sechstklässler. Sie liefern den Jüngeren anhand ihrer eigenen Erfahrung wichtige Impulse und Lösungsansätze zu deren Fragen und Problemen. Kinder beraten Kinder – das ist der Ansatz des Ideenbüros. Das schweizweite Projekt stösst bei vielen Schulen auf grosses Interesse, so auch an der Heilpädagogischen Schule Wettingen (HPS), die 2015 ihr eigenes Ideenbüro eingeführt hat.

Hier fand nun der alljährliche Ideenbürotag statt, wo sich die jungen Berater trafen. Der Anlass diente dazu, sich gegenseitig neue Impulse zu liefern und sich untereinander auszutauschen. Christiane Daepp (Gründerin des Vereins Ideenbüro), Monika Peter (Schulsozialarbeiter an der HPS Wettingen) Roger Frick (Schulsozialarbeiter an der Schule Birr) waren für die Organisation verantwortlich.

Schüler aus Domat/Ems vor Ort

Schüler von Ideenbüros wurden aus allen Landesteilen eingeladen. 15 Ideenbüros mit rund 100 Schüler folgten der Einladung. Sogar eine Klasse aus Domat/Ems im Graubünden nahm die lange Reise nach Wettingen auf sich. Dort angekommen, zierten etliche Zeichnungen den Eingangsbereich des Schulhauses Staffelstrasse. Zusammen erstellten die Ideenbüros hier eine riesige Collage mit Illustrationen, was für sie das Ideenbüro bedeutet.

Für die jungen Teilnehmer blieb zwar für diesen Mittwochmorgen das alltägliche Schulbankdrücken für einmal aus. Dennoch herrschte während der gesamten Zeit emsiges Treiben im Schulhaus Staffelstrasse.

Nach der Ankunft wurden die Kinder in Gruppen eingeteilt. Mittels verschiedener Workshops erhielten die Schüler neue Impulse für ihre Arbeit im Ideenbüro, ehe sie sich in ihrer Schule wieder um die Anliegen der Mitschüler kümmern. Jeweils unter der Leitung einer Lehrperson oder eines Schulsozialarbeiters konnten sie unter anderem mit Spielzeug, Würfeln, Karten und Fotos neue Strategien entwickeln.

Mit dem diesjährigen Ideenbürotag fand die Veranstaltung zum ersten Mal ausserhalb des Kanton Berns statt, wo das Projekt im Jahr 2002 seine Anfänge hatte. «Wir wollten, dass auch andere Ideenbüros an den Ideenbürotag kommen konnten», sagt Monika Peter. In den letzten Jahren entstanden immer mehr Ideenbüros. Schweizweit gibt es heute 113 Anlaufstellen. Übrigens wurde Anfang 2016 auch eines in Mexiko eingeführt. Es ist damit das Erste im Ausland.

Neben jenem in Wettingen wurden Ideenbüros in der Region auch in Baden, Fislisbach, Untersiggenthal, Remetschwil, Niederwenigen und Spreitenbach eingeführt. Und laut Peter trägt das Unterfangen des Ideenbüros der HPS bereits Früchte: «Die Schüler achten noch mehr aufeinander», sagt Monika Peter.

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