Es begann nicht erst in Würenlos: Im Sommer 2013 wurde K. N. (Initialen geändert) als Oberstufenlehrer in Döttingen eingestellt.

«Seine Referenzen und Zeugnisse waren gut und einwandfrei», sagt Daniela Koller, Mitglied und Kommunikationsbeauftragte der Kreisschulpflege Oberstufe Unteres Aaretal.

Der Redaktion liegen unter anderem Protokolle der Kreisschulpflege vor, die den Sachverhalt aufzeigen: Weil K. N. nicht den notwendigen Abstand zwischen sich und Schülerinnen wahren konnte, vertrauten sich deren drei aus Döttingen im Dezember 2013 der Schulsozialarbeiterin in Klingnau an.

Die Information ging ordnungsgemäss weiter an die Schulpflege. Die Döttinger Schulleiterin befragte die Schülerinnen, die unter Druck ihre Aussagen teilweise widerriefen.

Die naheliegende Absicht: Die Geschehnisse sollten nicht nach aussen getragen werden. Dabei kam es zu Machtspielen um den eigentlichen Vorfall herum: Die Schulsozialarbeiterin geriet unter Druck und kündigte.

Straftat schon in Deutschland

An der Schule blieb man nicht etwa untätig. Recherchen in Deutschland durch den Klingnauer Schulleiter – auch er kündigte inzwischen – brachten zutage, dass K. N. dort wegen sexuellem Missbrauch an seiner Tochter verurteilt wurde, ins Gefängnis musste und dadurch seinen Beamtenstatus verlor.

Ob die Schulpflege von der Straftat in Deutschland Kenntnis hatte, will Koller so nicht bestätigen. «Wir forderten K. N. aber mehrmals auf, uns einen Strafregisterauszug aus Deutschland nach diesem Vorfall vorzulegen, doch dem ist er nie nachgekommen», sagt sie.

Da die Lehrperson bis Ende Schuljahr krankgeschrieben war und das Arbeitsverhältnis mit K. N. so oder so auf Ende Schuljahr in den Sommerferien 2014 durch seinen befristeten Arbeitsvertrag aufgelöst worden sei, sei die Schulpflege dem nicht mehr weiter nachgegangen.

«Mit dem Auslaufen des Arbeitsvertrages bestand für die Kreisschulpflege keine Notwendigkeit, weitere Massnahmen einzuleiten.» Allerdings: «Seit dem Vorfall verlangen wir bei jeder Neuanstellung zwingend einen Strafregisterauszug», sagt Koller.

Was die Vorkommnisse in Döttingen anbelangt, so liess Kreisschulpflegepräsident Thomas Angst eine professionelle Abklärung zu.

Dies auch mit dem Hinweis, dass aufgrund von Andeutungen kein konkreter Verdacht geäussert werden dürfe – trotz der inzwischen bekannt gewordenen Vorgeschichte des Lehrers.

Angst hatte zudem Mängel in der internen Kommunikation erkannt. Die Befragung führten Vertreter der Kinderschutzgruppe des Kantonsspitals Baden durch.

Sie führte zutage, dass die Lehrperson die körperliche Grenze gegenüber den Jugendlichen wiederholt überschritten hätte.

Wenn auch keine äusserlich sichtbare sexuelle Motivation feststellbar geworden sei, gaben die Mädchen zu erkennen, dass sie die Berührungen des Lehrers als unangenehm empfunden hätten.

Nur unter «strengster Aufsicht»

Fazit der Befragung, zu der ein ausführlicher Bericht vorliegt, war, dass die Kinderschutzgruppe sich einen weiteren Unterricht unter derselben Lehrperson nur unter «strengster Aufsicht» vorstellen konnte.

Die Kreisschulpflege hat daraufhin einstimmig beschlossen, beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) einen Antrag zu stellen, dass K. N. auf die Schwarze Liste der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren gesetzt wird.

Dem Antrag konnte der Kanton nicht nachkommen, «weil keine strafrechtliche Verfehlung vorgelegen hat», erklärt BKS-Kommunikationschefin Simone Strub.

In Würenlos freigestellt

In Würenlos war K. N. am Donnerstag vor Ostern freigestellt worden, weil seine Schüler auf seinem Computer eine Sex-Dating-Seite entdeckten und dies der Schulleitung meldeten.

Der Lehrer musste noch am selben Tag gehen: Im gegenseitigen Einvernehmen habe man sich für eine sofortige Trennung entschieden, hiess es im Brief an die Eltern der betroffenen Kinder.

Schulsozialarbeiterin Kyra Braga und Schulleiter Lukas Müller hatten die Klasse seit Januar mehrfach besucht. «Anlass waren vor allem die Schulführung und Themen, die den Schülerinnen und Schülern Sorge bereiteten und die sie mit Herrn N. nicht selber klären wollten.»

Bevor K. N. nach Würenlos kam, war er in Windisch angestellt. Deshalb habe man dort die Referenzen und das Arbeitszeugnis eingeholt. «Diese waren einwandfrei», so Martin Brogle, Mitglied und Kommunikationsbeauftragter der Schulpflege Würenlos.

Erst als Gerüchte über K. N. an die Schulpflege herangetragen wurden, habe man noch vor Ende 2015 die Schulbehörde in Döttingen sowie das Inspektorat kontaktiert.

«Aus diesen Abklärungen ergaben sich jedoch keine Gründe, den Lehrer zu entlassen», sagt Brogle.