Charlotte ist zu gross – Lady Felicia zu klein. Herr Kohlrabi hat einen Flecken und Signora Zucchini einen hässlichen Buckel. Und was nicht schön ist, schafft es nicht auf den «Catwalk» der Grossverteiler, geschweige denn ins Gemüseregal. Es landet tonnenweise im Müll, unabhängig vom «inneren Wert». Eingekauft wird mit dem Auge «und wir produzieren das, was der Kunde will», sagt Gemüsebauer Fredy Umbricht, Wein und Gemüse Umbricht, Untersiggenthal.

Das landet auf dem Misthaufen

Fredy Umbricht führt durch den Familienbetrieb. Auf drei Hektaren Land erntet er jährlich rund 150 Tonnen Kartoffeln. Rund 15 Tonnen sind Abfall, knapp die Hälfte davon nur, weil sie den Schweizerischen Qualitätsbestimmungen für Gemüse nicht entspricht. Im Kartoffelkeller stapelt sich der «Abfall». «Der Durchmesser einer Kartoffel der Sorte Charlotte muss zwischen 3 und 6 Zentimetern liegen. Zudem darf sie nicht länger als 12 Zentimeter sein», erklärt Umbricht.

Weiter geht es durch den Hofladen hinter das Haus. Im Hofladen stechen unzählige Sorten Tomaten ins Auge. «Eine Rispentomate darf unter anderem keine Flecken haben, sie muss schnittfest sein sowie einen Durchmesser zwischen 40 und
77 Millimeter haben.« Alles, was den Qualitätsanforderungen nicht entspreche, lande auf dem Misthaufen.

Hinter dem Hof sitzen einige Frauen und verarbeiten Buschbohnen für den Eigenbedarf. «Buschbohnen müssen jung und zart sein und die Kerne dürfen sich nur leicht abzeichnen; sonst landen sie im Müll», fährt der Gemüsebauer fort. Dann geht es in den Gummistiefeln aufs Feld.

Frisch zu Mulch verarbeitet

Umbricht zeigt einen Brokkoli, dessen Blütenstand nicht der Norm entspricht, einen Kopfsalat, der nicht sortentypisch ist, eine krumme Zucchini und zwei Kohlrabi, die Flecken haben – alles «Abfall». Diesen «Abfall» in Zahlen beziffern kann Umbricht nicht: «Beim Gemüse haben wir den Vorteil, dass wir fortlaufend setzen und ernten können. Was nicht schön ist, bleibt auf dem Feld liegen und das ist viel.» Bei Kartoffeln könne hingegen eine ganze Ernte kaputt gehen.

Brisant: Sogar das schönste Gemüse wird unfreiwillig vernichtet: «Ist der Markt übersättigt, muss das einwandfreie Gemüse gemulcht werden», erklärt Toni Suter, Bereichsleiter der Firma Max Schwarz AG in Villigen. 2000 Tonnen Rüstabfall pro Jahr registriere die Firma. Darunter sei Gemüse, das durch Schädlinge kaputt gegangen sei und Gemüse, das nicht den Übernahmebedingungen der Grossverteiler entspreche.

15 Tonnen entsprechen nicht der Qualität

Landwirt Otto Zimmermann aus Döttingen erntet jährlich zirka 300 Tonnen Kartoffeln. Rund 60 Tonnen landen im Abfall. Bei Kurt Kuhn vom Sonnhaldenhof in Wohlen ist es eine halbe Tonne. Das Positive: Zimmermann und Kuhn füttern ihre Kühe mit dem «Abfall». Eine gute Lösung für die «Entsorgung» seiner Tomaten hat Paul Meier von Meier Gemüse in Rütihof.

Von seiner 1500-Tonnen-Ernte entsprechen rund 15 Tonnen nicht der vorgeschriebenen Qualität: «Ein Herr verkauft diese unter anderem an Pizzerias und sichert sich damit seine Existenz.» Eine sinnvolle Verwertung strebt Fredy Umbricht an: «Ich habe mir überlegt, ‹Tischlein Deck dich› zu kontaktieren. Eine Organisation, die den sinnvollen Umgang mit Lebensmitteln fördert.»

Die az Aargauer Zeitung durfte einiges an «Abfall» mit nach Hause nehmen. Fazit der Degustation: absolut einwandfrei, viel Geschmack und gesund noch dazu.