Gas-Geschäft

Der nächste Schock: General Electric will in Baden 84 Stellen streichen – «Das Vorgehen ist unseriös und empörend»

General Electric (GE) baut nochmals 80 Stellen in Baden abbauen.

General Electric (GE) baut nochmals 80 Stellen in Baden abbauen.

General Electric will im Gas-Geschäft in Baden 80 Stellen abbauen. Gewerkschaften und Personalvertretung wollen kämpfen.

General Electric will rund 80 Stellen am Standort Baden streichen. Darüber informiert das Unternehmen am Dienstagmorgen seine Mitarbeitenden. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Im Juli lag der Personalbestand von General Electric in Baden gemäss eigenen Angaben noch bei rund 1500 Mitarbeitenden. Damit würde die Mitarbeiterzahl auf rund 1400 sinken. Eine Stellungnahme von General Electic steht noch aus.

Betroffen von der geplanten Stellenkürzung sind der Bereich Operations und die Supportfunktionen wie Finanzen, IT und Human Relations, heisst es im Schreiben weiter. Im Engineering und in der Fertigung in Birr sei kein Abbau geplant.

Den betroffenen Mitarbeitenden soll ein "wettbewerbsfähiger Sozialplan" offeriert werden. Im Schreiben versucht das Unternehmen trotz des Abbaus, Optimismus zu verbreiten. So lesen die Mitarbeitenden darin etwa, dass Baden ein globales Kompetenzzentrum für Engineering mit mehreren technischen Disziplinen bleiben solle.

Baden und Birr bleiben "wichtige Standorte"

Auf Anfrage schreibt GE: «Es handelt sich um schwierige Entscheide, die nicht leichtfertig getroffen wurden. Der Energiemarkt für GE und seine Wettbewerber bleibt herausfordernd. Obwohl GE Gas Power in den Jahren 2019 und 2020 substanzielle Fortschritte bei der Stabilisierung seines Geschäftsbereiches erzielt hat, sind diese Vorschläge notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem immer anspruchsvolleren Industrieumfeld weiter zu verbessern und sicherzustellen, dass GE Gas Power auf die sich verändernden Kundenbedürfnisse bestmöglich reagieren kann.»

Baden und Birr sollen «sehr wichtige Standorte» bleiben. Sie beherbergen mehrere weltweite Innovationszentren. Von hier aus betreibe GE über die Schweiz und Europa hinaus Forschung und Entwicklung. GE gehöre mit aktuell 2300 Mitarbeitenden auch in Zukunft zu den grössten Arbeitgebern im Kanton Aargau gehören. 

Harsche Reaktionen

Die Reaktionen von Arbeitnehmerseite sind harsch. "Das Vorgehen von GE ist unseriös und empörend", schreibt die Gewerkschaft Syna in einer Mitteilung. "Die Beschäftigten haben die Nase voll von dieser unwürdigen, schrittweisen Zerstörung der Produktionskapazitäten von GE in der Schweiz."

Arbeit Aargau, Dachverband der Arbeitnehmervertreter im Kanton, schreibt: "GE muss endlich Verantwortung übernehmen und darf ihre Fehler nicht ständig auf dem Rücken der Arbeitnehmenden austragen." GE müsse die Stellenabbau zurücknehmen, fordert der Dachverband. 

"Wir kämpfen um die Stellen"

"Es geht um 84 Stellen", präzisiert Thomas Bauer, Personalvertretung GE Schweiz, die Mitarbeiterinformation seines Arbeitgebers. Dieser muss sich auf Widerstand gefasst machen. "Wir kämpfen um die Stellen", kündigt Bauer an. Der endgültige Entscheid über die Zahl der Stellen werde nicht vor Januar 2021 vorliegen, schreibt GE.

Seit der Ankündigung im Juni 2019, als GE 450 Arbeitsplätze streichen wollte, ist das nun schon der dritte Stellenabbau in der Schweiz. "Die Situation mit den ständigen Restrukturierungen ist frustrierend für die Leute", sagt Bauer. "Die Mitarbeiter wollen endlich Klarheit über die Strategie des Managements und über ihre eigene Zukunft."

Erst vor einem Monat war bekannt geworden, dass das Unternehmen die Sparte GE Grid Solutions von Oberentfelden doch nicht nach Birr verlagern, sondern auflösen will. Damit würden 436 Stellen in Oberentfelden wegfallen. Dazu kommen die Arbeitsplätze von 126 Temporärangestellten, die laut Gewerkschaften auch wegfallen. In der Summe droht in Oberentfelden also ein Verlust von 562 Arbeitsplätzen. 

Vor fünf Jahren noch 5300 Angestellte

Schweizweit würde die Zahl der GE-Mitarbeitenden auf rund 1900 sinken, falls der Arbeitsplatz-Abbau in Baden Tatsache wird. Als der US-Konzern am 1. November 2015 die Energie-Sparte von Alstom Power für 9,7 Milliarden Franken übernahm, waren es noch 5300. Allein in Baden waren 4200 Angestellte beschäftigt.

Die Badener GE-Mitarbeitenden haben zurzeit noch ihre Arbeitsplätze im Konnex-Gebäude in Baden Nord. Dieses ist für die Bedürfnisse von GE aber zu gross geworden. Der Mietvertrag von GE für das Konnex-Gebäude läuft im Frühjahr 2021 aus. Der Umzug steht bevor: Die Arbeitsplätze werden in den nächsten Tagen und Wochen in andere Bürohäuser in der Nachbarschaft verlegt. Es handelt sich um das Bürohaus «Quadro» an der Brown-Boveri-Strasse, der «Blaue Turm» am Bahngleis sowie einen Teil des «Duplex»-Gebäudes. Zurzeit befinden sich die meisten GE-Angestellten wegen der Coronapandemie im Home Office. 

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