André Wenzinger strahlt: Seit Donnerstag ist Würenlingen wieder in Narrenhand. Jedes Jahr fiebert der Präsident der Fasnachtsgesellschaft dem Beginn der sechstägigen Fasnacht im Eichelndorf entgegen, doch auf dieses Jahr freute er sich besonders: Die Fasnachtsgesellschaft feiert ihren 50. Geburtstag – und mit ihr wird auch die Würenlinger Fasnacht offiziell ein halbes Jahrhundert alt.

Im Dorf genarrt wurde bereits vor 1968: «Früher gabs die Strassenfasnacht: Die Kinder sind von Haus zu Haus gezogen und haben an den Türen auf ein Glas ‹Süssmost› oder ein ‹Fasnachtschüechli› gehofft», erinnert sich der Würenlinger Ralph Meier. Als das Interesse und die Beteiligung jedoch immer mehr abebbten, entschloss er sich mit zehn weiteren Dörflern, die Fasnachtsgesellschaft ins Leben zu rufen.

Seither organisiert die Gruppe, die heute rund 40 Mitglieder zählt, jedes Jahr die Würenlinger Fasnacht. Herzstück dieser sechs Tage ist der Sonntag, wenn sich Jahr für Jahr aufwendig gebaute Wagen vor Tausenden Zuschaueraugen durch die Hauptstrassen des Dorfes hinabschlängeln. Heute ist der Umzug der grösste im Kanton. Ambitioniert waren die Würenlinger jedoch schon vor 50 Jahren: 38 Nummern reihten sich am ersten Umzug aneinander – wenn viele auch nur aus einem oder zwei Teilnehmern bestanden. «Würenlinger Originale», wie Meier sie beschreibt.

Der Erfolg des Würenlinger Umzugs ist dem unermüdlichen Engagement der Dorfbewohner zu verdanken. Von den rund 1400 Narren, die sich am Umzug beteiligen, besteht die Hälfte aus Würenlingern. Fünf Gruppen sind bereits von Beginn weg dabei – so auch die Fasnachtsclique «Breitenquartier». «Die Fasnachtsfreude ist uns quasi in die Wiege gelegt worden» erklärt ihr Präsident und Würenlinger Gemeinderat Bernhard Meier. Im Alter von vier Jahren hat er 1969 am ersten Umzug mitgewirkt.

«Damals waren wir Indianer und zogen Handwägeli hinter uns her», erinnert er sich lachend. Heute ist die Fasnachtsclique gemeinsam mit den anderen Würenlinger Gruppen für ihre grossen und prächtigen Wagen bekannt. Die Planung dafür beginnt bereits im Herbst. Bis zum Umzug investieren die Teilnehmer unzählige freiwillige Stunden. Wie viele es sind, kann Bernhard Meier nicht sagen: «Das schreibt niemand auf – weil es nicht wichtig ist.»

Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Behörden und Schulen tragen die Bedeutung der Fasnacht mit: am Fasnachtsmontag gilt in Würenlingen schulfrei, viele Geschäfte sind geschlossen. «Die Fasnacht ist ein kultureller Bestandteil vom Dorf», beschreibt Franz Schneider, Präsident des Jubiläums-OK, das Phänomen.

Von 1969 bis heute: der Umzug im Wandel der Zeit:

Wie weiter?

Trotz der Vorfreude hat die Fasnachtsgesellschaft auch mit Sorgen zu kämpfen. Präsident Wenzinger spricht von einem Nachwuchsproblem. «In den letzten Jahren hat ein Wandel stattgefunden. Das Fasnachtsinteresse der Jungen nimmt ab.» Das Durchschnittsalter in der Fasnachtsgesellschaft liege «weit über 60». Dass es irgendwann einmal keine Würenlinger Fasnacht mehr geben könnte, glaubt er aber nicht. Und lacht, als er sich an ein Zitat seines Vorgängers erinnert: «Franz sagte es einmal so: Wenn in Würenlingen der Gemeinderat ruft, kommen vielleicht 150. Wenn der Fasnachtspräsident ruft, kommen tausend.»

Das war der Fasnachtsumzug 2017:

Fasnachtsumzug Würenlingen 2017