Mägenwil

Der Gemeindeammann spricht über die Video-Affäre: «Wir mussten auf die Kamera reagieren»

«Diese angespannte Situation habe ich mir nie gewünscht»: Ammann Marin Leuthard.

«Diese angespannte Situation habe ich mir nie gewünscht»: Ammann Marin Leuthard.

Mägenwils Gemeindeammmann Marin Leuthard äussert sich nach der Gemeindeversammlung zum Streit um die Videoüberwachung in der Turnhalle.

Anfang September trat Marin Leuthard (68, CVP) das Amt als Ammann Mägenwils an. Und geriet gleich in einen veritablen Sturm. Ein Gemeindemitarbeiter hatte in der Turnhalle ohne Bewilligung eine Webcam installiert.

Die Wogen im Dorf gingen hoch. Der Mitarbeiter wurde vom Gemeinderat provisorisch freigestellt, ein Disziplinarverfahren eröffnet und wieder eingestellt. Das Bürgerkomitee «Pro Schulhauswart» sammelte über 400 Unterschriften für den Mitarbeiter, und die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass sich der Mitarbeiter strafrechtlich nichts zuschulden habe kommen lassen.

Der Schulhauswart erhielt jedoch ein Hausverbot für Schulhaus und Turnhalle und wird seit dem 11. November im Bauamt weiterbeschäftigt. Dass der Skandal nicht ausgestanden ist, war an der Gemeindeversammlung am Mittwoch spürbar. Die AZ traf Ammann Leuthard am Tag nach der Gmeind.

Hat es Sie überrascht, dass nach drei Monaten die Wogen immer noch so hoch gehen?

Marin Leuthard: Ich habe es erwartet, hätte mir aber gewünscht, dass es weniger emotional wird. Im Grunde hat der Gemeinderat ein Personalproblem mit einem Mitarbeiter, also ein rein sachliches Problem. Doch die Situation wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Einige empfinden die Webcam als Skandal, für die anderen ist es eine Bagatelle.

Das Bürgerkomitee «Pro Schulhauswart» fordert vom Gemeinderat, alle betroffenen Parteien an einen runden Tisch zur Aussprache einzuladen. Wird der Gemeinderat dem entsprechen?

Ich begrüsse dieses Begehren. Weil der Gemeinderat an das Amtsgeheimnis gebunden war, konnte er gegenüber dem Bürgerkomitee nie offen kommunizieren. Es ist klar, dass wir eine Lösung finden müssen. Auch für die Zukunft des Mitarbeiters. Deshalb finde ich den Vorschlag gut. Aber es wird eine Herausforderung, diesen runden Tisch aufzugleisen.

Das Komitee gibt dem Gemeinderat 20 Tage Zeit.

Wir befinden uns in der Vorweihnachtszeit. Die Frist endet am 24. Dezember. Ich sehe den Termin realistischerweise nach dem Jahreswechsel. Und wir brauchen dringend einen guten Moderator, das hat die Gemeindeversammlung gezeigt.

Hat der Gemeinderat in der Affäre verhältnismässig reagiert? Das Komitee sagt, er hat sich von der Schulpflege und der Schulleitung instrumentalisieren lassen für eine persönliche Abrechnung mit dem Schulhauswart.

Ich bin klar der Meinung, dass wir korrekt vorgegangen sind. Wir mussten auf diesen Sachverhalt reagieren und alles abklären lassen. Ich wüsste nicht, wie wir anders hätten vorgehen sollen. Auch die provisorische Freistellung des Mitarbeiters war richtig.

Wie oft haben Sie schon bereut, dass Sie Gemeindeammann wurden?

Diese angespannte Situation habe ich mir nie gewünscht. Diesen Video-Skandal hat die Gemeinde nicht gebraucht. Es ist auch für den Gemeinderat sehr unangenehm, dass er wegen eines Mitarbeiters derart in Bedrängnis gerät. Wir müssen die Politik wieder versachlichen, deshalb müssen wir das Problem schnell lösen. Aber sonst habe ich die Wahl zum Ammann noch nie bereut.

Wie wollen Sie als Ammann die Gemeinde weiterentwickeln?

Ich muss die Welt nicht neu erfinden. Aber Mägenwil hat grosse Baulandreserven mitten im Dorf. Die wollen wir entwickeln, das ist ein wichtiges Ziel. Die Infrastruktur für mehr Einwohner ist beispielsweise mit Schulhaus und Turnhalle vorhanden. Im kantonalen Richtplan ist Mägenwil ein Wohnschwerpunkt. Auch für Firmen wollen wir ein attraktiver Standort sein und lösungsorientiert planen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1