200 Jahre Ennetbaden

Der Gemeindeammann «der vielen Feste» blickt zurück auf ein Jubiläums-Jahr voller Höhepunkte

Pius Graf vor der Luftaufnahme Ennetbadens.

Pius Graf vor der Luftaufnahme Ennetbadens.

Das Jahr stand in Ennetbaden ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit von Baden. Pius Graf wirft im Interview mit AZ Festtage einen Blick zurück – aber auch einen auf kommende Feste.

Das ablaufende Jahr stand für die Gemeinde Ennetbaden ganz im Zeichen von 200 Jahre Unabhängigkeit von Baden. Was mit einem rauschenden Neujahrsapéro im «Schwanen» begann, endete vorletztes Wochenende mit dem Lichterspektakel und dem dritten Teil der Theatertrilogie auf dem Postplatz. Gemeindeammann Pius Graf (SP) erzählt im Interview, was ihm persönlich vom Jubiläumsjahr bleibt und weshalb er als «Gemeindeammann der vielen Feste» in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Vor einem Fest oder einer Party stellt man sich oft in den schönsten Bildern vor, wie es dann rauskommen könnte. Nun: Das Jubiläumsjahr «200 Jahre Ennetbaden» ist mit dem Lichterspektakel letzte Woche zu Ende gegangen. War es so schön, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Pius Graf: Nein, es war noch viel besser und grandioser, als ich mir das erträumt habe. Was das OK über das ganze Jahr auf die Beine gestellt hat, hat mich aus den Socken gehauen. Vor allem das viertägige Fest Anfang September war der Wahnsinn. Anfang Jahr dachte ich, es gebe einfach ein normales, gemütliches Dorffest mit ein paar Beizen und Musik. Doch es war weit mehr als das, wenn ich nur etwa an das kulturelle Angebot zurückdenke. Erst im Nachgang zum Fest, als ich die tollen Festfotos sah, wurde mir bewusst, dass ich vieles vom Fest leider gar nicht mitbekommen hatte. Und auch wenn es eine Nebensächlichkeit sein mag: Besonders froh und erleichtert bin ich, dass es während des ganzen Festes zu keinen grösseren Zwischenfällen gekommen ist.

Was denken Sie, hatte das Jubiläumsjahr und allen voran das viertägige Fest einen Werbeeffekt weit über die Regions- und Kantonsgrenze hinaus?

Das ist schwierig einzuschätzen. Aber klar, weil zum Beispiel die «Tagesschau» von SRF über unsere Landsgemeinde im Juni berichtete, erhielten wir schon eine sehr prominente Plattform und entsprechend viele Feedbacks. Doch uns ging es nie primär darum, Ennetbaden weit in die Welt zu tragen, sondern ein Fest für Ennetbaden und die Region zu veranstalten. Darum haben wir auch davon abgesehen einen Eintritt zum Fest zu verlangen. Die Rechnung ist für uns aufgegangen.

Um was ging es denn primär?

Ich werde als der Ennetbadener Gemeindeammann in die Geschichtsbücher eingehen, der die meisten Feste durchgeführt hat (lacht). Solche Feste führen die Menschen zusammen und fördern die Identität. Gerade in Ennetbaden, wo die Vereinskultur nicht sehr ausgeprägt ist, ist das von grosser Bedeutung. Ich habe viele Reaktionen von Ennetbadenerinnen und Ennetbadenern erhalten, die dank des Festes das Dorf wieder ganz neu entdeckt haben. Vor allem auch der zweite Teil der Theatertrilogie, bei der viele Kinder und Jugendliche mitgewirkt haben, war identitätsstiftend. Viele Zuschauer waren denn auch zu Tränen gerührt und des Lobes voll.

Apropos Rührung: Wie hat Ihnen das Lichterspektakel gefallen?

Die vergangenen Feste haben gezeigt, dass der neue Postplatz mit dem Nebeneinander von Alt und Neu viel Ambiente bringt. Die Geschichte von Ennetbaden bildet sich nicht nur in den letzten 200 Jahren ab. Die Lichtbilder auf den Fassaden haben einen weiten historischen Bogen geschlagen. Eigentlich befinden wir uns ja mitten in 2000 Jahre Geschichte mit Aquae Helvetica.

Die Lichtinszenierungen und die Theatertrilogie waren ein würdiger Abschluss des Festjahres, wir haben quasi nochmals besinnlich Gas gegeben. Ich staune immer wieder über die vielen aufgestellten Leute, die richtig Freude haben, was in Ennetbaden abgeht und die Ahs und Ohs beim Lichterspektakel. Der erstmalige Weihnachtsmarkt entlang der Limmatpromenade hat viel zur guten Stimmung beigetragen.

Nicht nur wegen des rauschenden Jubiläumsjahrs hat man den Eindruck: Die Gemeinde Ennetbaden und mit ihr der Gemeinderat hat nicht viele Sorgen. Die Finanzen stimmen, es gibt keine Skandale und oft werden Feste gefeiert.

Ja, wir sind in der Tat gut aufgestellt. Wenn wie jüngst gegen die geplante Einführung von Tempo 30 das Referendum ergriffen wird, ist das fast schon eine grössere Sache (lacht). Wir haben eine grosse Konstanz und eine sehr gute Zusammenarbeit im Gemeinderat. Zudem haben wir die Verwaltung ziemlich verjüngt. Diese neuen Mitarbeiter bringen einen ganz neuen Drive in das Gemeindehaus. Und die jungen Mitarbeiter bleiben eben auch gerne, weil sie bei uns eine Dynamik vorfinden. Offenbar haben wir auch in Sachen Finanzstrategie in den letzten 10 bis 15 Jahren einiges richtig gemacht, indem wir zum Beispiel den Steuerfuss konstant hielten und dies uns erlaubte, die Infrastrukturen laufend auf einem guten Level zu halten. Mit dem gezielten Ausbau der Tagesstrukturen wurde Ennetbaden attraktiv und wir konnten viele Doppelverdiener nach Ennetbaden anziehen.

Nach einer rauschenden Party folgt oft ein Kater. Wie gross schätzen Sie das Risiko ein, dass das auch bei Ihnen, respektive der ganzen Gemeinde der Fall sein könnte?

Ich glaube, diese Gefahr besteht nicht. Erstens stehen nächstes Jahr wieder spannende Geschäfte an. So wollen wir den Kredit für ein neues Schulhaus an der Sommergmeind abholen. Weiter wollen wir die Überbauung bei der Ausfahrt Tunnel – wir nennen den Spickel «Grendeltor» – mit einem Gestaltungsplan angehen. Uns schwebt vor, dort eine Genossenschaft mit ins Boot zu holen. Wenn möglich, soll dort autofreies Wohnen realisiert werden.

Und der zweite Grund für den ausbleibenden Kater?

Das wir nach einer Pause von zwei, drei Jahren bestimmt schon die nächsten grossen Feste feiern werden. So wird hoffentlich in rund drei Jahren unser dannzumal neues Schulhaus eingeweiht. Dann steht ja 2023 auch die nächste Badenfahrt an. Es wäre denkbar, dass sich das Festgebiet bis hinunter ins Bäderquartier erstreckt und Ennetbaden dann auch Teil des Festes sein könnte. Eine Teilnahme am Bäderfest steht für uns noch nicht fest. Wir müssen die Ressourcen einteilen und mit dem Bäderfest, der Einweihung des Schulhauses und der Badenfahrt fällt einiges zusammen. Wir werden nicht überall mitmachen können.

Meistgesehen

Artboard 1