Ob verschiedene Sorten an Fleisch, Teigwaren, Getränke, Süssigkeiten oder Käse – bei der Metzgerei Altieri in Wettingen bleiben keine kulinarischen Wünsche offen. Über Jahre hat sich das Fleisch- und Delikatessengeschäft mit italienischen Spezialitäten zu einer Topadresse in der Region entwickelt.

Doch schon bald müssen sich die Feinschmecker in Wettingen (Italiener und alle anderen) wohl nach einer neuen Adresse umsehen: «Wir haben unser Fleisch- und Delikatessengeschäft immer mit viel Liebe und Leidenschaft geführt. Nun, nach fast 30 Jahren, ist es Zeit, uns zurückzuziehen», sagt Inhaberin Maria Altieri.

1989 eröffneten die heute 64-jährige Rheintalerin Maria und der bald 68-jährige Süditaliener Paolo das Geschäft an der Bahnhofstrasse. Für den in Caserta nahe Neapel geborenen Paolo ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Schon in jungen Jahren träumte der gelernte Metzger davon, Fleisch- und Wurstwaren in einem eigenen Laden verkaufen zu können.

Lange hatte er in der Schweiz darauf warten müssen. Im Jahr 1963 kam er nach Montreux. Erst 36 Jahre später bot sich ihm die Chance, seinen Traum in Wettingen zu verwirklichen. Paolo packte die Gelegenheit am Schopf – und seine Frau Maria begleitete und unterstützte ihn.

Die Italiener in der Unterzahl

In den Anfangsjahren spezialisierten sich die Altieris hauptsächlich auf den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren. Schnell erkannte die geschäftstüchtige Maria Altieri, gelernte Detailhandelsfachfrau, das Potenzial der Verkaufsfläche.

So wurde das Sortiment um Pasta, Reis, Wein, Milchprodukte und andere italienische Spezialitäten ergänzt. Die Metzgerei wurde zu einem Supermarkt im Kleinformat. «Die Kombination verschiedener Lebensmittel innerhalb einer Metzgerei war damals eine Neuheit», sagt Maria Altieri.

Wie das Angebot veränderte sich die Kundschaft: Nachdem in den ersten Jahren mehrheitlich die italienischen Wettinger ihre Einkäufe in der Metzgerei tätigten, kamen in der Folge mehr Schweizer in das Geschäft. «Heute sind nur noch etwa ein Drittel unserer Kunden Italiener», erklärt Paolo Altieri.

Wie andere Dorfmetzgereien hat auch die Metzgerei Altieri mit der Konkurrenz durch Grossverteiler zu kämpfen. Dass über die Jahre immer weniger Leute kamen, sei spürbar gewesen, sagt Maria Altieri.

Sie führt den Rückgang auf die Öffnungszeiten der grossen Supermärkte zurück: «Wir sind fünf Tage in der Woche zehn bis zwölf Stunden für unsere Kunden da. Wenn Grossverteiler aber bis um 20 Uhr geöffnet haben, können wir nicht mithalten.» Gegenüber den finanzkräftigeren Konkurrenten hätte ihr Geschäft aber auch Vorteile: «Die Kunden können die Zubereitung der Lebensmittel vor Ort sehen und werden von uns ausführlich beraten», sagt Paolo Altieri.

Dass sich die Altieris die Wünsche ihrer Kunden zu Herzen nehmen, wird besonders bei der Pasta-Auswahl deutlich: Je nach Präferenz gibt es die Sorten mit oder ohne Rillen, in dicker oder in dünner Ausführung. Mit Liebe zum Detail hätten sie die Vorlieben der Kunden verinnerlicht und die Auswahl perfektioniert, sagt Maria Altieri, bevor sie mit einem Lachen anfügt: «Bei uns ist eben noch der Kunde König.»

Daneben sei der soziale Aspekt bei ihnen nie zu kurz gekommen, betont Maria Altieri. Viele ihrer Stammkunden zählen die Altieris heute zu ihren Freunden – auch, weil die beiden nebst der Beratung immer wieder Zeit für persönliche Gespräche finden.

«Der Mensch braucht Kommunikation und muss seine Sorgen und Alltagsprobleme doch irgendwie verarbeiten können», sagt Maria Altieri. Doch nicht nur zu einem kurzen Schwatz fanden die Kunden den Weg in die Familienmetzgerei, sondern vor allem wegen der Produkte: Insbesondere Paolos Salsiccia, eine italienische Schweinsbratwurst, fand stets reissenden Absatz.

Stolze Grosseltern

Nach fast drei Jahrzehnten soll also bald Schluss sein. Der Wunsch der Altieris wäre, dass jemand ihre Metzgerei übernehmen wird. «Gerne würden wir den Laden an junge Leute übergeben, die unseren Spirit weitertragen», sagt Maria Altieri. Das Ehepaar hofft, zeitnah einen Nachmieter begrüssen zu dürfen. Bis es so weit ist, wollen sie das Geschäft noch weiterführen.

Wie geht es danach weiter? «Seit einem Jahr sind wir glückliche Grosseltern», sagt Maria Altieri. «Dieser Aufgabe wollen wir uns widmen.» Die Nachricht, dass ihre Zeit an der Bahnhofstrasse nun langsam zu Ende gehe, sei für einige ihrer Kunden überraschend gekommen, gleichzeitig hätten aber auch viele Verständnis gezeigt.

«Auch für Paolo wird es nicht einfach sein, die Metzgerei endgültig loszulassen», sagt Maria über ihren Mann. «Er lebt seit 29 Jahren seinen Traum, aus dem er am liebsten nie mehr aufwachen würde.»