Der Kanton Aargau gehört zu den wichtigsten Industriekantonen der Schweiz, und die Region Baden ist seit weit über 100 Jahren der industrielle Motor des Aargaus. Um diese Geschichte aufzuarbeiten, aber auch in die Zukunft der Industrie zu blicken, wurde gestern im Badener Kultur- und Kongresszentrum Trafo der Verein «Industriewelt Baden» gegründet.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem die Stadt Baden, die Gemeinden Wettingen und Ennetbaden, zahlreiche Firmen aus Industrie und Gewerbe, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und auch die AZ Medien.

Edwin Somm, ehemaliger CEO von ABB, begrüsste die rund 60 Gäste und erinnerte an die Pionierzeit um 1891, als Stadtrat Carl Pfister mit seinem Bruder Louis Theodor das Kraftwerk Kappelerhof baute und die Herren Brown und Boveri nach Baden holte, die hier die spätere Weltfirma Brown, Boveri & Cie. gründeten. Diesen Glücksfall nannte Somm «das Wunder von Baden». Und er sagte: «Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen und um die Zukunft zu gestalten.»

Der Verein will nämlich ganz bewusst kein Museum schaffen und nicht nur zurückblicken, sondern anhand einzelner Objekte und mit einem digitalen Angebot die Industriekultur von früher, von heute und von morgen vermitteln. Der neu gewählte Vereinspräsident Peter Wollschlegel betonte, diese Vermittlung solle insbesondere junge Leute und auch internationale Gäste und Angestellte ansprechen. Angedacht ist, in einem Ausstellungssaal am Trafoplatz einen Ort für Veranstaltungen und für die Präsentation einiger «Eyecatcher» aus der Industriekultur zu schaffen.

Der Badener Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist verwies in seiner Ansprache auf das ebenfalls neu gegründete «Netzwerk Industriewelt Aargau», in dem sich mehrere Aargauer Museen zu einer Arbeitsgruppe zusammenfanden, um im Herbst 2020 ein Themenjahr zur Industriekultur durchzuführen.

Eine besondere Überraschung gelang Gründungsmitglied Michael Ladwig, Direktor bei General Electric in Baden, der dem Verein gestern Abend den ersten Turbogenerator der Welt schenkte. Den Generator hat Charles E. L. Brown 1898 in Baden erdacht, berechnet und konstruiert. Die letzten Jahre stand er wohlbehütet in einem Treppenhaus bei GE in Birr. Edwin Somm fügte erfreut an, dass die BBC genau mit diesem Modell «steinreich» geworden sei. Weil Brown damals richtigerweise auf Wechselstrom statt Gleichstrom setzte, mussten in der Folge die Konkurrenten GE, Siemens und Westinghouse bei BBC eine kostspielige Lizenz kaufen. Diese geniale Erfindung ermöglichte das Wunder von Baden erst richtig. Jetzt steht sie, für jedermann zugänglich in der Lobby des Trafohotels – neben den Büsten von Brown und Boveri.