Das Auge zu tätowieren, ist seit einiger Zeit nicht mehr nur ein Internetphänomen aus Amerika. Immer mehr Schweizer lassen sich den Augapfel «tätowieren», obwohl dieser Begriff oft zu Missverständnissen führt. Beim sogenannten «Eyeball-Tattoo» wird mit einer Nadel Farbe in die Lederhaut, den weissen Teil des Auges, gespritzt. Es können keine Muster oder Formen wie beim üblichen Tattoo gestochen werden, der Augapfel wird mit einer Farbe eingefärbt.

Jedoch ist es hierzulande nicht einfach ein solches Tattoo machen zu lassen. Der Einzige, der bisher diesen Eingriff vornimmt, ist der Body-Modification-Artist Danny, Inhaber des Tattoo- Piercing- und Body-Modification-Studios «Rock the Body» in Baden. Über die Risiken ist er sich bewusst. Die Schwierigkeit sei die Tinte: Einzelne Personen reagieren auf gewisse Pigmente allergisch. Deshalb führe er den Eingriff bisher nur mit schwarzer Farbe durch. «Bei der schwarzen Farbe gab es bis jetzt noch keine allergischen Reaktionen», sagt Danny.

So sieht ein sogenanntes «Eyeball-Tattoo» aus

So sieht ein sogenanntes «Eyeball-Tattoo» aus

Ob er selber für so einen Eingriff bereit wäre? «Ich bin mir nicht sicher.» Dies liege unter anderem daran, dass die Langzeitfolgen von farbigen «Eyeball-Tattoos» noch nicht bekannt seien.

Einen typischen Klischeekunden könne er nicht nennen. Zu ihm kommen auch Angestellte aus der IT-Branche und Banker. «Man merkt, wie Tattoos und Piercings immer mehr von der Gesellschaft akzeptiert werden. Vor einigen Jahren war das noch nicht der Fall», so Danny. Beim «Eyeball-Tattoo» muss man sich seiner Entscheidung ganz sicher sein. Dieser Eingriff kann nicht rückgängig gemacht werden. So kann die Farbe nicht wie bei einem normalen Tattoo durch Laser entfernt werden, auch sonst sind keine Methoden bekannt, um den Augapfel wieder zu entfärben.

Augen-Tattoos nur auf Anfrage

Wer auf der Website von «Rock the Body» nach dem Angebot zum «Eyeball-Tattoo» sucht, wird bis auf ein Bild, kein konkretes Angebot finden. «Diesen Eingriff mache ich nur auf Anfrage, wir bieten dies nicht in unserem Standartsortiment an», sagt Danny. Es werde auch immer nur ein Auge aufs Mal eingefärbt. «Eingriffe in den Körper sind immer mit gewissen Risiken verbunden und dabei will ich auch nichts überstürzen.» Ein Auge sei immer noch besser als kein Auge, witzelt er.

Diese Sicherheitsstandards führten aber auch schon zur Verärgerung der Kunden, speziell wenn sie vom Ausland angereist waren. Als Bodymodificator müsse man auf den gesunden Menschenverstand des Kunden zählen können. So sollte jedem klar sein, dass man sich nach dem Eingriff nicht direkt mit den schmutzigen Fingern ins frisch gefärbte Auge fasst. Diese Ansprüche sind auch der Grund, warum Danny einen Eingriff wie diesen erst ab 21 Jahren durchführt. «Wenn ich mir alles tätowiert oder modifiziert hätte, was ich mit 18 Jahren wollte, würde ich wahrscheinlich das eine oder andere bereuen», sagt er. «Zwischen dem 18 und 21 Lebensjahr findet meist in jeder Hinsicht eine grosse Entwicklung statt. Bei solchen Eingriffen, die bleibend und nicht rekonstruierbar sind, muss man sich seiner Sache ganz sicher sein.»