Der Baum übt auf den Menschen seit je eine besondere Faszination aus. Als Lebensbaum gehört er zur Mythologie vieler Völker, als Baum der Erkenntnis prägt er die religiöse Geschichte und als Weihnachtsbaum unsere Traditionen.

Bäume spenden Kraft und Inspiration. Sie inspirierten Dichter wie Rainer Marie Rilke zu einem Sonett mit der Anfangszeile «Da stieg ein Baum» – den Galerieleiter Rudolf Velhagen als Titel für die neue Ausstellung im Gluri-Suter-Huus wählte. Denn auch die vier Künstler Peter Emch, Josef Felix Müller, Vincent Kriste und Felix Studinka, die ihre Werke noch bis zum 3. Mai im Wettinger Fachwerkhaus präsentieren, stehen ganz im Bann der Bäume.

Was macht der Baum im Korridor?

Josef Felix Müller aus St. Gallen gestaltete für die Fassade des Stadtmuseums Schlössli in Aarau lebensgrosse Menschenreliefs. Exklusiv für das Gluri Suter Huus kreierte er seine Installation «Birkenwäldchen gerodet». Sie wirkt wie eine Kultstätte und strahlt etwas Geheimnisvolles aus.

Ebenso mysteriös ist das aus Holz geschnitzte, «birkenstammartig» bemalte Paar, das sich zu tarnen scheint. Steht es als Metapher dafür da, wie oft man sich in der heutigen Gesellschaft eine Maske aufsetzen und verhüllen muss?

Peter Emch lebt und arbeitet in Zürich und Brissago. Bekannt wurde er durch seine Holzdrucke von Bäumen, die dem Ende 1999 wütenden Sturm Lothar zum Opfer fielen und gefällt werden mussten. Die davon herausgesägten Tannen-, Kiefern- und Eichenscheiben, die der Künstler für seine Exponate verwendete, sind von unzähligen Jahresringen durchzogen. Velhagen: «Emch komprimiert die Zeit, indem er in seinen Holzdruckarbeiten Jahrzehnte in einem Querschnitt sichtbar macht.»

Der riesige, gemalte Weihnachtsbaum im Korridor der Galerie ist ein frecher, witziger Eyecatcher und stammt vom Vincent Kriste. Für den Zürcher Kunstschaffenden ist nicht nur das Motiv wichtig, sondern auch dessen Trägermaterial und die Umgebung, in dem es steht.

So hat er in der Kunstgalerie einen ganzen Raum in eine Art spärlich möbliertes Wohnzimmer verwandelt. Verblüffend darin ist unter anderem der Orientteppich. Man zweifelt zunächst nicht daran, dass er gewoben ist, doch beim näheren Hinschauen stellt der Betrachter fest: Jeder der Knoten wurde minutiös gemalt.

Fotorealistisch und dank raffinierter Techniken fast dreidimensional wirkt auch Kristes riesiger mit Acrylfarben gemalter Baumstamm. In Studinkas Zeichnungen ist der Baum nur noch zu erahnen. Dank raffinierter Wisch- und Wässerungstechnik strahlen die Bilder des kreativen Zürchers viel Energie aus.

Bereichert wird die Ausstellung «Da stieg ein Baum» mit wissenschaftlichen Fotografien, die das Institut für terrestrische Ökosysteme ETH Zürich zur Beobachtung von Naturphänomenen gemacht hat.

Die Ausstellung «Da stieg ein Baum» in der Galerie Gluri-Suter-Huus, Bifangstrasse 1, Wettingen, kann noch bis zum 3. Mai 2015 besichtigt werden.

Öffnungszeiten: Mi bis Sa 15 bis 18 Uhr, So 11 bis 17 Uhr. Infos auf www.glurisuterhuus.ch.