Welche Ehre für Baden! Bei der schweizweiten Premiere seines Films «Der grosse Sommer» besuchte Regisseur Stefan Jäger in Begleitung von Hauptdarsteller Loïc Sho Güntensperger und dem ebenfalls mitwirkenden Hans-Peter Müller-Drossaart die Vorstellung im Trafo; nicht zuletzt wegen der Verbundenheit zu Kinobesitzer Peter Sterk. Für den 12-jährigen Halbjapaner Loïc war «Der grosse Sommer» der erste Spielfilm seines Lebens und für Mathias Gnädinger der letzte: Kurze Zeit nach Beendigung der Dreharbeiten, am 3. April 2015, starb der Volksschauspieler aus Stein am Rhein unerwartet.

Tour schweisst das Duo zusammen

Die Rolle des ehemaligen Schwingerkönigs Anton Sommer ist Gnädinger auf den Leib geschrieben. Der alte Brummbär wohnt in einer kleinen Mietwohnung und hat mit dem Leben abgeschlossen. Wenn da nicht Nachbarsjunge Hiro wäre, ein japanisches Waisenkind, das bei seiner Oma lebt. Das Schicksal führt dieses ungleiche Paar nach Japan, wo Hiro eine Sumo-Schule besuchen möchte. In wunderschönen Bildern wird die turbulente Reise der Zwei durch das asiatische Land erzählt. Dabei scheut sich Regisseur Jäger auch nicht, mit Klischees zu spielen, die teilweise etwas kindlich anmuten. So etwa, als Sommer tollpatschig versucht, Nudelsuppe mit Stäbchen zu essen (O-Ton: «Huere Stäbli!»). Szenerien von Reisfeldern und Bambuswäldern, die aus einem Japan-Reisekatalog stammen könnten, entfalten sich vor dem Auge des Zuschauers. Die Tour schweisst das Duo zusammen und der bärbeissige Sommer blüht auf. Für die subtilen Momente sorgt vor allem Gnädinger, auf den das Sprichwort «harte Schale, weicher Kern» wie auf keinen anderen Akteur zutraf. Seine Blicke und Mimik bedürfen keiner Worte, um Gefühle in ihrer vollen Intensität zum Ausdruck zu bringen.

In Japan neuen Schwung geholt

«Gnädinger war ein liebevoller, sensibler, absolut uneitler Mensch, der ungern in der Öffentlichkeit stand», erinnert sich Jäger im Trafo. «Der grosse Sommer» gab dem 74-Jährigen nochmals die Chance, sein ganzes Repertoire zu entfalten. Bei den Dreharbeiten mit dabei waren Frau Ursula als Maskenbildnerin und Sohn Gilles, der Schwinger Anton Sommer in seinen Jugendjahren spielte. Der Aufenthalt in Japan verlieh dem gesundheitlich angeschlagenen Mimen nicht nur auf dem Set, sondern auch privat neuen Schwung. Jäger schwärmt von der Chemie zwischen Gnädinger und seiner Filmliebe Masako alias Mitsuko Baishô, die in ihrer Heimat etwa so berühmt sei wie Meryl Streep in Amerika.

«Ins Kino gehen, nach Japan reisen und alles rundherum vergessen», wünscht sich der Regisseur für sein Publikum. «Mathias hätte nicht gewollt, dass die Leute traurig sind. In seinem Abschiedsbrief, den er für den Fall schrieb, dass ihm beim Dreh etwas passieren sollte, hiess es zum Schluss: ‹Gnüsseds und hebets guet!›.»