Japan

Der Badener Jakob Steiner sah Hiroshima nach der Atombombe: «Die Stadt lag in Schutt»

Im Frühjahr 1953 reiste er zweimal nach Hiroshima.

Im Frühjahr 1953 reiste er zweimal nach Hiroshima.

Vor 75 Jahren explodierte die Atombombe. Jakob Steiner besuchte die Stadt acht Jahre später. Der Besuch erinnert in an die Vergänglichkeit.

Denkt Jakob Steiner an Hiroshima, dann sieht er ein Gebäude mit einer Betonwand ganz weiss, blendend hell. Nur die Treppe am Eingang hat einen matten Fleck. «Ich fragte meine japanischen Begleiter, ob hier gebaut werde, die Wand sah neu aus.» Die Einheimischen verneinten: Im Gegenteil, das Gebäude sei alt und innen ausgebrannt. Die Wand glänze wegen der Strahlung der Bombe. «Und der Fleck bei der Treppe», erzählt Steiner, «der entstand, weil ein Mensch davor sass, als die Bombe explodierte, und die Strahlung abbekam.»

Diese Woche vor 75 Jahren warfen die Amerikaner die Atombombe über Hiroshima ab. Beim 93-jährigen Steiner sind die Erinnerungen an seine Japan-Reise wieder aufgekommen. In Baden geboren und aufgewachsen, arbeitete Steiner als Schweissfachmann bei der Brown Boveri Company (BBC), der heutigen ABB, als er 1953 den Auftrag erhielt, nach Japan zu reisen. Um in der Schiffswerft der japanischen Hafenstadt Schweissversuche durchzuführen, ein Exposé zu halten und Maschinen anzupreisen. Zweimal je eine Woche flog er in jenem Frühjahr nach Japan. «Die Stadt lag noch immer in Schutt», erinnert er sich.

Keine Wohnhäuser mehr zu sehen

«Im Zentrum gab es keine Wohnhäuser mehr. Sie waren aus Holz, Karton und Papier gebaut und sofort abgebrannt.» Überreste existierten nur von Geschäftshäusern, die aus Stahl und eben Betonwänden errichtet waren. «Ich dachte: Schlimm, dass etwas so Schreckliches wie dieser Krieg nur mit etwas noch Schrecklicherem wie einer Atombombe beendet werden konnte.»

Auf seiner Geschäftsreise erzählten ihm die Japaner immer wieder dasselbe: Dass sie nicht wussten, wie ihnen geschah, als es am 6. August 1945 um 8.15 Uhr morgens zur gewaltigen Explosion kam. «Sie wussten nicht, was los war. Brauchten danach aber nicht lange, um einfach weiterzuleben.» Jakob Steiner ist bis heute davon beeindruckt, wie die Menschen in Hiroshima dem Schicksal trotzten. «Sie machten einfach weiter, liessen die Vergangenheit hinter sich, arbeiteten hart für eine bessere Zukunft, obschon viele Menschen ihr Leben lang wegen der radioaktiven Strahlung mit gesundheitlichen Schäden zu leben hatten.» Hiroshima erinnere ihn, so banal es tönen möge, an die Vergänglichkeit des Menschenlebens. Jakob Steiner lebt heute im Alterszentrum Kehl in Baden, ist bei guter Gesundheit, schreibt E-Mails, scannt Fotos. «Ich bin sehr dankbar dafür mein langes Leben.»

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