Wettingen

Denkpause für Grundeinkommen: Warum die Initiantin trotz gescheitertem Crowdfunding nicht aufgibt

Damals noch auf gutem Weg: Rebecca Panian (vorne) beim Zählen der Anmeldungen für das Grundeinkommen. zvg

Damals noch auf gutem Weg: Rebecca Panian (vorne) beim Zählen der Anmeldungen für das Grundeinkommen. zvg

Das Crowdfunding für «Dorf testet Zukunft» ist zwar gescheitert, doch Initiantin Rebecca Panian gibt nicht auf.

Wenn die Wettingerin Rebecca Panian eines auszeichnet, dann ihr unerschütterlicher Optimismus. «Nicht das Projekt, in einem Dorf ein Jahr lang das bedingungslose Einkommen zu testen, ist gescheitert, sondern das Crowdfunding dafür», betont sie im Gespräch mit der AZ.

Ihrer Meinung nach hätten die Medien in der letzten Woche ein gescheitertes Projekt herbeigeschrieben. Das stimme so nicht, denn: «‹Dorf testet Zukunft› wird weitergeführt, wenn die Teilnehmer das auch wollen. Das steht aber aktuell noch nicht fest.» Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie und ob es weitergeht.

Die Wettingerin sorgte im Sommer schweizweit für Aufmerksamkeit. Sie wollte 2019 in der Zürcher Gemeinde Rheinau ein Jahr lang das bedingungslose Einkommen testen — und hat das Projekt von Anfang an filmisch begleitet.

Zu Beginn eines jeden Monats wäre den Teilnehmern aus der Dorfgemeinschaft ein Grundeinkommen ausbezahlt worden. Das hätte jedoch teilweise wieder zurückbezahlt werden müssen, damit nur diejenigen davon profitieren, die es auch wirklich gebraucht hätten: «Das Grundeinkommen soll eine Existenzsicherung sein und nicht mehr Geld», sagte Panian in einem früheren Beitrag zu ihrem Projekt.

Bedingungsloses Grundeinkommen scheitert: Das sagt die Initiantin

4.12.2018: Traum vom bedingungslosen Grundeinkommen geplatzt – Initiantin vergiesst Tränen

  

Botschaft nicht angekommen

Bis zum 4. Dezember lief das Crowdfunding (zu Deutsch Schwarmfinanzierung), um die stattliche Summe von rund 6,2 Millionen Franken, die es für den Versuch benötigte, zusammenzubringen. Hinter dieser Art der Finanzierung stand die Idee, dass die Gemeinschaft ein Projekt für die Gemeinschaft auch finanzieren soll. Am Ende kamen gerade einmal zwei Prozent der gewünschten Summe zusammen: 150 000 Franken.

Klar sei sie enttäuscht, sagt Panian, doch sie und ihr Team hätten dank Feedback ein relativ klares Bild davon, warum die Schwarmfinanzierung nicht zustande gekommen ist: «Uns ist es nicht genug gut gelungen, die Leute miteinzubeziehen und zu zeigen, dass wir alle ‹das Dorf› sind.»

Vermutlich hätten sie zu wenig vermitteln können, dass die Erfahrung eines bedingungslosen Grundeinkommens in einer Dorfgemeinschaft allen zu Gute gekommen wäre. Sie hätten zwar viel Aufklärung betrieben, informiert und auch mögliche einzelne Geldgeber kontaktiert – aber die erhoffte Investorenwelle blieb aus.

Ausstieg aus dem Projekt

Gefehlt habe auch Reda El Arbi, der frühere Journalist des Tagesanzeigers, der mit seinem grossen Netzwerk, vor allem auf Social Media, vermehrt auf das laufende Crowdfunding hätte aufmerksam machen können. Doch andere berufliche Prioritäten hätten dazu geführt, dass er während des Projekts ausgestiegen ist. Rebecca Panian möchte nicht näher darauf eingehen, sagt aber: «Bei einem ohnehin kleinen Team hat er in Gänze gefehlt, klar, aber wir mussten seine Entscheidung akzeptieren.»

Es sei dann schon fast zum reinen Frauenprojekt geworden, sagt sie mit einem Lachen, um gleich wieder zu relativieren: «Natürlich sind immer noch Männer involviert, um die wir natürlich sehr froh sind. Doch mir ist aufgefallen, dass sich vermehrt Frauen für ein Grundeinkommen starkmachen.»

Froh war sie auch um den Einsatz der Gemeinderätin Karin Eigenheer, die Rheinau zu Beginn des Jahres zum Projekt für ein bedingungsloses Einkommen angemeldet hatte – und so Panian und ihrem Team ein Dorf für den Dokumentarfilm beschert hatte. Im Oktober zeigten daraufhin über 800 Anmeldungen, dass auch die Bevölkerung beim Experiment mitmachen will. Schon das sei ein grosser Erfolg für «Dorf testet Zukunft» gewesen, findet Panian.

Es geht weiter – irgendwie

Dass es mit der Schwarmfinanzierung nun nicht geklappt hat, ist zwar ein Rückschlag, aber nicht das Ende — auch nicht für den Dokumentarfilm. «In Filmen kann man so viel weitergeben und transportieren», schwärmt Panian. «Wir können zeigen, wie die Idee entstand und wie die Menschen darauf reagiert haben.» Deshalb würden sie nun in den nächsten Wochen auch das existierende filmische Material in Ruhe anschauen: «So finden wir heraus, ob es was taugt.» Am Ende ist aber auch der Film zum Projekt abhängig vom Geldfluss: «Wenn es nach mir geht, stellen wir den Film irgendwann fertig, aber das ist auch von der Filmförderung abhängig.»

Ein Treffen von letztem Montag wurde ebenfalls mit einer Kamera festgehalten. Dort tauschte sich das Team noch einmal mit dem Gemeinderat und zirka 50 Teilnehmern des Projekts aus: «Wir haben bei zwei Eingangstüren je einen Zettel mit dem Text «Weiter» und «Halt» aufgehängt und fast alle haben ihre Stimme für ‹Weiter› abgegeben.» Was an der Sitzung von Montag weiter besprochen wurde, darauf will sie nicht näher eingehen.

Erst einmal ist eine Pause angesagt: «Es ist alles sehr schnell gegangen. Jetzt müssen wir uns sammeln und das bisher Geschehene analysieren, bevor wir wieder Vollgas geben können.» Klar ist: «Wir müssen das ganze Projekt noch einmal neu überdenken und einiges anders machen», so Rebecca Panian. Ganz ihrer Natur entsprechend bleibt sie optimistisch: «Es war ein spannender Weg bis hierhin. Vor allem der Zusammenhalt, den unser Projekt im Dorf ausgelöst hat, hinterlässt viele positive Gefühle bei mir. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.»

Meistgesehen

Artboard 1