Haarfarbe, Brille, Ohrringe, Lippenstiftfarbe und das T-Shirt! Damit sind die wohl markantesten Unterschiede auf dem Wahlplakat der beiden Badener SP-Stadtratkandidatinnen genannt.

«Tatsächlich fragen uns die Leute oft, ob wir Schwestern seien», sagt Regula Dell’Anno-Doppler und lacht. Angst, dass die Wähler sie am 22. September verwechseln, haben sie nicht. «Die Badener Bevölkerung kennt uns gut, weil wir schon länger Politik machen. Sie werden mit Sicherheit den jeweils richtigen Namen wählen», sagt sie.

Und wo finden sich die politischen Unterschiede? Ein Blick auf die Onlineplattform Smartvote zeigt: Wer es wissen will, muss genau suchen, bis er auf den Fragebögen der beiden Kandidatinnen markante Unterschiede findet. Lediglich bei vier der 54 Fragen haben die beiden deutlich andere Meinungen.

Soll anti-soziales Verhalten wie Littering oder an Hauswände pinkeln besser kontrolliert und mit Geldbussen konsequenter bestraft werden? Berger findet klare Worte: «Grundsätzlich finde ich dieses Verhalten eine Sauerei. Diesem gesellschaftlichen Problem müssen wir primär mit präventiven, aber auch restriktiven Massnahmen begegnen.» Beispiele in Amerika und Singapur hätten gezeigt, dass Kontrollen und höhere Bussen wirken. «Zudem täte es jedem gut, beim Aufräumen der Stadt mitzuhelfen», betont Berger. Auch bei Gewalt müsse jeder und jede hinschauen und handeln. Anders Dell’Anno-Doppler: «Ich bin eine ungebrochene Idealistin und halte wenig von Geldbussen.» Die könne man einfach bezahlen und dann sei die Sache vergessen. «Viel mehr muss man alle Menschen für ein rücksichtsvolles Miteinander sensibilisieren», sagt sie.

Auch was die Zukunft des Kino Royal betrifft, teilen die SP-Schwestern ihre Meinung nicht. «Ich wünsche mir, dass die alternative Kulturszene das Areal noch möglichst lange zwischennutzen kann, weil hier aussergewöhnliche Projekte entstehen», sagt Dell’Anno-Doppler. Dagegen vertritt Berger klar die Meinung des Stadtrats, das Areal zu überbauen. «Allerdings werde ich den Verein Royal Baden bei der Suche nach anderen Räumen unterstützen.»

Am deutlichsten zeigt sich die Meinungsverschiedenheit bei der Sterbehilfe durch einen Arzt. Soll ein Arzt aktiv Sterbehilfe leisten dürfen? Ja, sagt Dell’Anno-Doppler. Sofern die Gesetze eingehalten werden, stünden für Dell’Anno-Doppler in dieser Situation der betroffene Mensch, seine Würde und sein Wille an erster Stelle.

Eher nein, sagt Berger. «Einerseits ist der Patient abhängig vom Arzt. Andererseits würde dieser in einen Gewissenskonflikt kommen, weil er primär Leben retten muss.»

Uneins sind die Politikerinnen auch in Sachen EU-Beitritt der Schweiz. Dell’Anno-Doppler spricht sich deutlich dagegen aus: «In der momentan schwierigen Lage ist ein Beitritt für mich kein Thema.» Berger ist überzeugt, dass die Schweiz mehr mitbestimmen könnte und nicht gezwungen wäre, immer mehr EU-Recht zu übernehmen. «Wird die EU als Konstrukt überleben, wird die Schweiz langfristig als Aussenseiterin nicht bestehen können.

Und wo sehen sie selber ihre politischen Unterschiede? «Daniela hat sicher mehr Erfahrung als Stadträtin, aber im Politischen ticken wir gleich», sagt Dell’Anno-Doppler. Tatsächlich verrät das Spiderprofil auf Smartvote, dass die Wähler es mit einem politisch fast doppelten Lottchen zu tun haben.