Seit diesem Frühling steht fest: Turgis Gemeinderat will einen Zusammenschluss mit der Stadt Baden prüfen. Und auch der Badener Stadtrat will das Thema von Zusammenschlüssen wieder forcieren, wie er bei der Präsentation der Legislaturziele diese Woche bekannt gab. Doch wie schwierig Fusionen zu schaffen sind, zeigte sich im Jahr 2010, als Baden völlig überraschend die Fusion mit Neuenhof ablehnte. Damals hatte vor allem die Badener SVP erfolgreich Stimmung für ein Nein an der Urne gemacht.

Ebendiese Partei lud diesen Monat den Turgemer Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP) ein, um die Gemeinde vorzustellen und über das Thema einer Fusion zu sprechen. Schoop betont, dass er angefragt worden sei. «Ich will nicht, dass der Eindruck entsteht, der Gemeinderat presche in diesem Thema vor, ohne dass die eigene Bevölkerung mitreden kann.» Er habe Turgi mit seinen Stärken und Schwächen vorgestellt. Und er habe erklärt, dass beim Thema eines Zusammenschlusses in einem nächsten Schritt die Bevölkerung Turgis am Zug sei, sich zu äussern. Schoop, der die Debatte im Mai mit ziemlich viel Drive angestossen hatte, sodass sogar die «NZZ» darüber berichtete, tritt nun zumindest verbal leicht auf die Bremse.

Laut SVP-Fraktionspräsident Daniel Glanzmann hinterliess Schoop bei seinem Auftritt einen durchaus guten Eindruck: «Er zeigte in seiner Präsentation auf, wie er die Strukturen in Turgi verändert hat, das Stichwort lautet Effizienz. Schoop ist ein bürgerlicher Politiker durch und durch, steht uns somit ziemlich nahe, das half ihm, sich Gehör zu verschaffen.» Glanzmann bezeichnet die Stimmung innerhalb der Partei betreffend einer möglichen Fusion als «eher positiv»: «Ich denke, es gibt in unseren Reihen niemanden, für den eine Fusion zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls infrage käme.» Vertiefte Abklärungen seien aber selbstverständlich zwingend. «Aus unserer Sicht lautet eine der entscheidenden Fragen, welchen Nutzen die Stadt aus einem Zusammenschluss ziehen könnte.» Für Turgi stelle sich derweil die Frage, ob der Verlust an Flexibilität nicht zu gross wäre, falls die Gemeinde eine Verbindung mit dem auf allen Ebenen deutlich grösseren Nachbarn einginge.

Während die SVP gegenüber einer Fusion mit Turgi offener eingestellt ist, als aufgrund der Vergangenheit zu erwarten war, könnten sich für Turgi andere Parteien als grössere Knacknuss erweisen: Vor fünf Jahren war es die damalige SP-Stadträtin Daniela Berger, die sich im Wahlmagazin ihrer Partei für eine Fusion von Baden mit den umliegenden Gemeinden zu einer Stadt mit 60'000 Einwohnern aussprach.

Der amtierende Fraktionspräsident der SP, Martin Groves, ist selber zwar ein flammender Befürworter von Fusionen: «Von mir aus könnten wir sofort ernsthafte Gespräche mit Turgi oder auch anderen Gemeinden führen.» Innerhalb der Fraktion sei über eine Fusion mit Turgi aber bisher noch nicht diskutiert worden. «Das liegt nicht an Turgi; wir sind ganz einfach vorsichtiger geworden, seit der Zusammenschluss mit Neuenhof scheiterte.» Die Badener Politik könne es sich kein zweites Mal leisten, vorzupreschen und Vorschläge zu machen, die von der Basis nicht unterstützt würden. «Darum ist ein langer Prozess mit vielen Gesprächen unter Einbezug der Bevölkerung zwingend nötig, wenn ein Zusammenschluss realistische Chancen haben soll.» Die SP begrüsse aber, dass der Stadtrat in den Legislaturzielen beschlossen habe, das Zusammenschlussthema wieder zu forcieren. «Langfristig macht eine Regionalstadt aus unserer Sicht Sinn», so Groves.