In den Schubladen im Büro der Spitex Baden-Ennetbaden stapeln sich die Akten: seitenweise Papier mit Notizen zu jedem Klienten. Die Mitarbeiterinnen haben die Akten vor ihren Besuchen in Taschen gepackt und mitgeschleppt.

Damit ist jetzt Schluss. Als erste Spitex im Aargau sind die Pflegefachfrauen nur noch mit dem Smartphone unterwegs. Darin können sie Daten, wie zum Beispiel den Blutdruck der Klienten, erfassen und haben Zugriff auf Notizen, die ihre Arbeitskolleginnen gemacht haben.

«Am Anfang war es ungewohnt, aber unterdessen sind wir schon viel effizienter», sagt Miriam Schraner, Fachfrau Gesundheit bei der Spitex.

Miriam Schraner zeigt, wie der «Care Coach» funktioniert.

Die Spitex Baden-Ennetbaden erfasst die Daten ihrer Klienten nur noch elektronisch – mit dem Smartphone.

Und Effizienz wird bei der Spitex immer wichtiger: Mit dem Umbau des Schulhausplatzes in Baden werden die Anfahrtswege länger. «Bereits heute brauchen die Mitarbeiterinnen manchmal 20 Minuten, um ins Zentrum von Baden zu gelangen», sagt Christine Egli, Betriebsleiterin der Spitex Baden-Ennetbaden.

Dazu komme, dass wegen des demografischen Wandels in Zukunft mehr Menschen das Angebot der Spitex nutzen. «Wenn die aufwendige Papierarbeit wegfällt, können wir Zeit sparen, die am Ende unseren Klienten zu Gute kommt», sagt Egli.

Die Umstellung auf die elektronische Krankenakte kostete die Spitex rund 90 000 Franken. Durch die Umstellung rechnet die Spitex mit Einsparungen von 28 500 Franken jährlich. Damit wären die Kosten nach drei Jahren amortisiert.

Einen finanziellen Zustupf erhielt die Spitex von der Grand Casino Baden AG. Sie hat zwölf der insgesamt 40 neuen Smartphones gesponsert. «Soziale Projekte sind uns ein Anliegen. Deshalb war für uns sofort klar, dass wir das Projekt unterstützen», sagt Rita Brühlmann, Sponsoringverantwortliche bei der Grand Casino Baden AG.

Die Mitarbeiterinnen waren zu Beginn skeptisch: Was, wenn das Gerät defekt ist oder gestohlen wird? Was, wenn der soziale Austausch mit den Arbeitskolleginnen verloren geht?

Laut Schraner haben sich die Bedenken jedoch schnell gelegt. Dank der elektronischen Krankenakte würden sie ihre Besuche genauer dokumentieren, weil sie die Daten laufend erfassen und nicht erst im Nachhinein notieren.

Den Klienten erklären die Mitarbeiterinnen das neue System beim ersten Besuch. Besonders die jüngeren fänden die elektronische Krankenakte super. «Die älteren fragten uns auch schon, was wir die ganze Zeit auf unserem Telefon rumdrücken», sagt Schraner.

Ein mutiger Schritt

Die sensiblen Patientendaten werden verschlüsselt übermittelt und sind gemäss Egli vor Verlust besser geschützt als früher. Dass Daten durch einen Brand zerstört werden, sei nicht mehr möglich.

Geht ein Smartphone verloren, könne es sofort gesperrt werden. «Jede Mitarbeiterin hat zudem einen persönlichen Sicherheitscode», so Egli.

Trotzdem habe die Umstellung Mut gebraucht. «Klappt es nicht, würde das natürlich enorme Folgekosten verursachen», sagt Egli.