Seit Dienstagvormittag hat das Rätselraten ein Ende: Das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) hat Daniel Franz (49) zum Rektor der Kantonsschule Baden und Paul Zübli (47) zum Rektor der Kantonsschule Wettingen ernannt. Beide werden ihr Amt am 1. August 2016 antreten. Die Wahl fiel auf zwei Branchenkenner: Franz ist derzeit Rektor an der Neuen Kantonsschule Aarau, Zübli ist Wettinger Prorektor.

Die Wahlen waren mit Spannung erwartet worden, hatte doch die Ernennung des Rektors in Zofingen Anfang Jahr für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Dort erhielt ein branchenfremder Kandidat den Posten. Grossratsmitglieder kritisierten, die Wahl sei statt auf einen «internen, sehr qualifizierten Bewerber» auf einen «in Schulfragen in jeder Hinsicht unerfahrenen Quereinsteiger» gefallen.

Als diesen Frühling auch in Baden zwei interne Bewerberinnen – beides Prorektorinnen – eine Absage erhielten, wurde hinter vorgehaltener Hand bei einem Teil der Lehrerschaft die Befürchtung geäussert, auch in Baden könnte ein branchenfremder Kandidat zum Zug kommen. Ausserdem war die Rede von einer verpassten Chance, die Frauenquote auf Rektorenebene zu erhöhen.

Franz: «Neue Herausforderung»

Mit Daniel Franz sei eine «Persönlichkeit» zum Rektor ernannt worden, «die mit dem Gymnasium Aargau bestens vertraut ist», schreibt das BKS. Franz ist seit 2010 Rektor der Neuen Kantonsschule Aarau und war zuvor fünf Jahre ihr Prorektor. Er unterrichtete während mehreren Jahren Französisch und Geschichte an der Diplommittelschule und Fachmittelschule in Basel und dem Gymnasium der Neuen Kantonsschule Aarau.

Was bewog ihn nun zum Wechsel nach Baden? «Ich fühle mich sehr wohl in Aarau und hätte mir gut vorstellen können, noch drei, vier Jahre lang als Rektor der Neuen Kanti Aarau tätig zu sein. Dieses Amt dort bis zur Pensionierung auszuüben, kam für mich aber nicht infrage. Die Rektorenstelle in Baden erachte ich als spannende, neue Herausforderung.»

Wettingen: «Sachliche Diskussion»

In Wettingen übernimmt Zübli, seit 2014 Prorektor der Schule. Zuvor war er drei Jahre Prorektor an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich. Am Wettinger Gymnasium unterrichtet er die Fächer bildnerisches Gestalten sowie Wirtschaft und Recht. Als Prorektor ist er unter anderem zuständig für Bau und Infrastruktur sowie für den IT-Bereich der Kantonsschule. Der amtierende Rektor Kurt Wiedemeier sagt: «Erfreulicherweise sind die Diskussionen zur Rektorennachfolge in Wettingen sehr ruhig, sachlich und professionell über die Bühne gegangen.» Die Wahl von Zübli als sein Nachfolger habe er mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen, so Wiedemeier. «Er hat bereits als Prorektor sehr gute Arbeit geleistet.»

Zwei Fragen stellen sich nach der Wahl der beiden Rektoren. Erstens: Warum wurde keine Frau berücksichtigt? Kathrin Hunziker, Leiterin der Abteilung Berufsbildung und Mittelschulen beim Bildungsdepartement, sagt: «Wir hätten sehr gerne eine Frau angestellt. Es bewarben sich aber Frauen, die betreffend ihrer Qualifikationen nicht ganz mit den beiden gewählten Rektoren mithalten konnten. Es war grundsätzlich auffallend, wie wenige Frauen sich für die Stellen beworben haben.» Über die Gründe könne sie nur spekulieren. Vielleicht habe es damit zu tun, dass viele Frauen aus dem Schulbereich nicht mit einem Vollpensum arbeiten wollten.

Die zweite Frage, die sich stellt: Welchen Einfluss hatte der Fall Zofingen auf die Wahlen? Dort wurde kritisiert, der neue Rektor sei erstens branchenfremd und stamme zweitens aus einem anderen Kanton. Auffällig: Beide neuen Rektoren wohnen im Aargau und sind bekannte Namen. Hunziker sagt: «Zwar hat die Zofinger Wahl für Diskussionen gesorgt, aber sie hatte keinen Einfluss auf die Ernennung der Rektoren in Baden und Wettingen.» Für die Stellen an diesen beiden Schulen habe es keine fachfremden Bewerber gegeben, die gut qualifiziert waren. «Es ist ganz einfach so, dass wir uns, wie schon in Zofingen, nun auch in Baden und Wettingen für die besten Bewerber entschieden haben», sagt Hunziker.

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