Baden

Das Raben-Thermalbecken wird zum Kinosaal

Das etwas andere Kino-Erlebnis im Thermalbecken im Badgasthof zum Raben.

Das etwas andere Kino-Erlebnis im Thermalbecken im Badgasthof zum Raben.

17.45 Uhr, 15 Minuten vor Beginn – schon sind die am Eingang deponierten Badelatschen alle. Clevere bringen sie sich von zu Hause mit oder gehen lieber gleich barfuss. Und die beste Wahl ist tatsächlich, die Vorstellung im Wasserbecken zu erleben. Am besten ins Wasser – das haben sich am Abend wohl die meisten vorgenommen. Denn mit rund 30 Personen sitzen die Kinozuschauer darin dicht an dicht. Marion Sinniger aus Baden gehört dazu. «Die Kombination aus warmem Wasser und Kino hat mich gereizt, heute hier zu sein», sagt sie. Die auf dem Programm stehenden Filme, räumt sie ein, kenne sie nicht, sie sei «aber sehr gespannt darauf.»

Kuratorin Maria Bänziger hat sich für ausserordentlich experimentelle und avantgardistische Stummfilme entschieden. Drei davon stammen vom US-amerikanischen Regisseur Man Ray: «L’étoile de mer» (1928), «Le Retour à la Raison» (1923) und «Les Mystères du Château du Dé» von 1929. In «L’étoile de mer» sind die meisten Szenen durch eine gallertartige Glasscheibe verschwommen gefilmt und wirken wie in einem Traum. In «Les Mystères du Château du Dé» sind verwackelte Kamerafahrten durch südländische Landschaften und menschenleere Häuser zu sehen, bis dann schliesslich eine Gruppe von Menschen in einem Pool badet. Aber deren Gesichter verschwimmen hinter Strumpfmasken.

Filme neu erfahren dank Liveuntermalung

Maria Bänziger: «Alle vier Filme habe ich durch ihre Bezüge zum Thema Wasser und Schwimmen ausgesucht.» Auch im dritten Streifen habe es diese. Aber «Le Retour à la Raison» ist so dermassen künstlich, dass reale Bilder darin zu entdecken schwerfällt, mit Ausnahme der nackten Frauenbrüste zum Schluss.

«The Mystery of the Leaping Fish», mit 1916 ganz früh in der Entstehung, entspricht wohl noch am meisten dem, was man vielfach mit Stummfilm assoziiert: Slapstick, Klamauk, Väter der Klamotte, Buster Keaton, Laurel und Hardy. Es ist eine Sherlock-Holmes-Parodie mit einem drogensüchtigen Privatdetektiv und einer recht trotteligen Polizei, die dauernd im Kreis herumfährt. Doch trotz der eher heiteren Handlung, die im Pool auch so manche Lacher weckt, wirkt der Film düster. Das liegt an der Liveuntermalung durch Vivian Wang und Nico Feer. «Wir wollten auch diesen Film nicht zu lustig machen.»

Wobei die Liveuntermalung der Stummfilme durch die beiden generell dunkel, bedrohlich und erschreckend geraten ist, an manchen Stellen vielleicht mehr als nötig. «Es ist das erste Mal, dass wir zusammenarbeiten», berichtet der aus Winterthur kommende Feer, der sich für seine Heimatstadt Orte wie den Badgasthof zum Raben wünschen würde. Einige Wochen der Vorbereitung liegen hinter dem Duo. Und trotz aller Vorbereitung gibt es am Abend auch sehr viel Improvisation, vor allem bei Vivian Wang, welche zu den Filmen aus ihren Klangschalen einen sehr authentischen Sound herausholt.

Und zum Schluss nimmt sie eine ihrer Klangschalen in die Hand, schlägt sie auf dem Weg zum Wasserbecken, taucht das noch klingende Metall ins Raben-Thermalwasser ein und versetzt dieses damit selbst in Schwingung. Eine Geste, die beim Publikum gut ankommt. Ein schöner Abschluss für Abschluss den ersten Ausstellungszyklus von «Körper.Baden.Flow».

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