Es knackt und knistert beim Draufbeissen. Unwillkürlich entsteht im Kopf das Bild von vielen kleinen Beinchen, Flügeln und Köpfen, die es sich in den Zahnzwischenräumen gemütlich machen. Geschmacklich geben die kleinen Tierchen nicht all zu viel her; die verschiedenen Insekten-Gerichte, die heute am Apéro Riche in der Umweltarena angeboten werden, leben von der Würze. Nicht in jedem Gericht sind sie auf den ersten Blick ersichtlich – gebacken in der Kruste der Gemüsequiche oder gemahlen für den Mantel um die Frischkäsebällchen sind sie kaum noch sichtbar.

In der neuen Ausstellung der Umweltarena Spreitenbach dreht sich alles um nachhaltiges Essen. Geschäftsführer Jörg Sigrist erklärt: «Unsere Ernährung macht 28 Prozent unseres ökologischen Fussabdrucks aus; der Anteil ist somit etwa gleich gross wie der des Energieverbrauchs.» Mit der neuen Ausstellung wolle man der Bevölkerung zeigen, wie man diesen Anteil etwas verkleinern könne. Reduzieren kann man ihn, indem man sich beispielsweise vom «Fleischvernichter» zum «Flexitarier« entwickelt, also nur zwei bis drei Mal die Woche Fleisch konsumiert. Oder indem man öfters zu Insekten als Protein-Liferant greift.

Fleischnachfrage explodiert

2000 essbare Insekten gibt es weltweit. In der Schweiz sind seit Montag drei davon offiziell als Nahrungsmittel zugelassen: Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer werden bald in den Regalen der Supermärkte zu finden sein. Tatsächlich essen aber schon heute rund 2 Milliarden Menschen regelmässig Insekten, vor allem in Afrika und Asien. Wieso Insekten als Proteinquelle auch für uns im Westen wichtig werden könnten, beantwortet Marius Wenk, Marketingverantwortlicher des Start-Up Unternehmens «Essento», welches als Partner der Ausstellung anwesend ist: «Die Nachfrage nach Fleisch explodiert.» Im Zusammenhang mit der schnell wachsenden Bevölkerung auf der Erde entwickle sich dies zu einem ernstzunehmenden Problem. Auch in asiatischen Ländern, wo das Essen von Insekten eigentlich gang und gäbe ist, werde immer mehr Fleisch gegessen. «Das liegt daran, dass man dort zunehmend den westlichen Lebensstil kopiert», so Wenk.

Vom Apéro bis zum Dessert: In der Umweltarena Spreitenbach werden Insekten gekocht und gegessen.

Vom Apéro bis zum Dessert: In der Umweltarena Spreitenbach werden Insekten gekocht und gegessen.

Fleisch belastet die Umwelt

Problematisch am Fleischkonsum sind die damit entstehenden Umweltbelastungen: Laut WWF müssen beispielsweise für 1 Kilogramm Rindfleisch 5 bis 20 Kilogramm Futtermittel produziert werden. Ausserdem stösst die Produktion von Rindfleisch pro 100 Gramm rund 1,5 Kilo CO2 aus. Zum Vergleich: Bei 100 Gramm Linsen sind es lediglich 0,07 Kilogramm. Aber auch Insekten sind um einiges verträglicher für die Umwelt. So werden für Insekten rund 10 Mal weniger Futtermittel verbraucht, und der Wasserverbrauch für die Produktion ist um ein vielfaches kleiner. Zudem ist von einem Insekt rund 80 Prozent essbar. Bei Rindfleisch liegt dieser Anteil bei 40 Prozent. Auch für unsere Gesundheit ist das wuselnde Getier einwandfrei: Insekten enthalten nebst Proteinen die Vitamine A, B, und B12, sind reich an ungesättigten Fettsäuren und an Mineralstoffen wie Zink und Eisen. Trotzdem wird es wohl eine Weile dauern, bis Insekten hierzulande zum Alltagsessen werden – damals bei der Kartoffel ging es rund 200 Jahre.

Umweltarena-Geschäftsführer Jörg Sigrist sagt, was Insekten essen mit Umweltschutz zu tun hat, und wie ihm persönlich die Tierchen schmecken.

Umweltarena-Geschäftsführer Jörg Sigrist sagt, was Insekten essen mit Umweltschutz zu tun hat, und wie ihm persönlich die Tierchen schmecken.